World Tour Finals
«Ich bin nicht mehr so schnell wie in meinen besten Jahren»

Roger Federer steht bei den World Tour Finals unter Druck. Nach der Pleite gegen Novak Djokovic muss er heute Richard Gasquet schlagen (15 Uhr MEZ, SRF2). Er ist zuversichtlich.

Michael Wehrle, London
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Roger Federer ist verschnupft

Roger Federer ist verschnupft

Keystone

Roger Federer wirkt verschnupft. Im wahrsten Sinne des Wortes. Immer wieder wischt er nach der zweiten Niederlage innerhalb von drei Tagen gegen Novak Djokovic die Nase ab, die Augen glänzen fiebrig. Doch wird er nie sagen, dass er sich körperlich nicht ganz wohl fühlt. Im Gegenteil. «Ich fühle mich gut, viel besser als noch in Paris, wo ich das neunte Match in zwölf Tagen spielte», behauptet er.

Es sei aber für beide nicht einfach gewesen, sie hätten sich überhaupt nicht auf dieses Turnier vorbereiten können. Er habe seine Chancen gehabt, sie nicht genutzt, als Djokovic seine Probleme gehabt habe. Einige gute Dinge könne er aus dem Match mitnehmen, aber zu viele Fehler seien ihm unterlaufen. «Es ist langsam hier. Im ersten Match passieren automatisch mehr Fehler», sagt Federer. Djokovic findet allerdings die Bedingungen schneller als letzte Woche in Paris-Bercy.

Federer geht dennoch zuversichtlich in die nächsten Matches, heute gegen den Franzosen Gasquet und übermorgen gegen den Argentinier Juan Martin del Potro. Die Partie gegen Djokovic habe ihm gezeigt, dass er durchaus bereit sei. «Der Kopf entscheidet jetzt», betont er. Er dürfe wegen dieser Niederlage nicht negativ denken, schliesslich habe er gegen Djokovic verloren und nicht gegen irgendeinen Gesellen. «Ich glaube, ich kann noch zwei gute Matches abliefern», sagt er.

Federer sei seiner Meinung nach etwas langsamer geworden, hatte Djokovic vor dem Match gesagt. «Er hat sicher nicht unrecht, ich bin tatsächlich nicht mehr so schnell wie in meinen besten Jahren», gibt Federer offen zu. Aber auch so könne er noch mithalten, und das stimme ihn zuversichtlich.

Dass er sich nicht so gut bewege, hänge mit fehlendem Selbstvertrauen und dem fehlenden Training zusammen. «Sechs Monate lang spielte ich mit Angst», sagt er. Angst, wegen der Rückenschmerzen. «Da habe ich mir manchen Blödsinn angewöhnt», gibt er zu. Er habe taktisch falsch gespielt, nicht das Spiel aufgezogen, wie er es eigentlich sollte. Diese Zeit sei aber vorüber.

Denken wie ein Hobbyspieler

Doch auch ein Federer muss Basisarbeit betreiben. Neben fünf Assen schlug er gegen Djokovic auch fünf Doppelfehler. Der Aufschlag, einst eine grosse Stärke, lässt ihn öfters im Stich als ihm lieb ist.

Gerade zum Ende einer Partie serviert er nun schlechter – im Gegensatz zu seinen letzten Bezwingern. Die steigerten sich dann immer. «Die Automatismen, die früher einfach funktionierten, gehen mir manchmal ab», sagt er. «Vielleicht muss ich mir vor dem Service mehr Zeit lassen, mir sagen, wirf den Ball höher, geh richtig in die Knie», sucht er nach einer Lösung. Eine Lösung, wie sie jeder Hobbyspieler braucht.» Es ist eine mentale Frage», sagt Federer. Wie so vieles im Moment bei ihm.