Davis-Cup-Final
Gaël Monfils rechnet mit einem 100 Prozent gesunden Federer

Arnaud Clément hatte die Qual der Wahl. Der Davis-Cup-Captain der Franzosen setzt auf Jo-Wilfried Tsonga und Gaël Monfils. Monfils rechnet mit einem gesunden Gegner: «Ich kenne Roger, wenn der auf den Platz kommt, dann ist er zu 100 Prozent fit.»

Michael Wehrle
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Gaël Monfils und Roger Federer vor dem Showdown in Lille.

Gaël Monfils und Roger Federer vor dem Showdown in Lille.

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Tsonga stand kaum zur Diskussion. Der 29-Jährige ist als Weltnummer sieben die klare Nummer eins der Franzosen und weist auch eine beeindruckende Bilanz im Davis-Cup aus. Erst vier Einzel hat er verloren, bei 16 Siegen, in allen fünf Doppeln verliess er den Platz als Sieger.

«Unsere Matches sind immer sehr eng», sagte Tsonga vor dem Duell mit Stan Wawrinka. «Ich weiss, wenn ich auf den Platz komme, macht nicht das Tennis den Unterschied zwischen uns aus, sondern einzig die Entschlossenheit, der Wille zu siegen», betont er. Seine lange Pause ohne Matchpraxis beunruhige ihn nicht. Er brauche nicht lange, um in Form zu kommen, und sei so sicher nicht müde.

Clément hielt sich bedeckt

Einiges hatte in den letzten Tagen darauf hingedeutet, Clément würde sich für Richard Gasquet als Nummer zwei entscheiden. Der hatte im zehntägigen Trainingslager geglänzt, in Trainingsmatches Monfils fast immer dominiert. Clément hielt sich bedeckt, weshalb genau er Monfils gewählt habe. «Monfils ist extrem gut drauf, physisch und in Sachen Tennis», sagte er. Allerdings gelte das auch für seine anderen Spieler. Er habe irgendwann entscheiden müssen, es gebe keine objektiven Gründe. Er habe den Luxus, für Sonntag einen Spieler auszuwechseln, falls es notwendig sei.

Möglich, dass Clément den extrovertierten Monfils bevorzugt, damit der die Emotionen der 27 200 Fans im Stade Pierre-Mauroy weckt. Roger Federer ist sehr beliebt in Frankreich, dagegen fliegen die Herzen der Franzosen Gasquet nicht gerade zu. Und das Team setzt sehr auf die Fans. «Für uns ist es ein Vorteil, zu Hause spielen zu können, wir wollen daraus positive Energie schöpfen, wir brauchen die Fans», betonte Clément. Die Stimmung in Frankreich sei im Davis-Cup immer unglaublich gut, wie bei einem Fussballspiel. Vielleicht spekuliert Clément auch, dass Monfils seinen Gegner in lange Ballwechsel zwingt und Federer dann irgendwann das Benzin ausgeht oder der Rücken wieder Probleme macht. Überrascht, dass Federer spiele, sei er allerdings nicht.

Monfils: «Ich kenne Roger»

Monfils rechnet mit einem gesunden Gegner: «Ich kenne Roger, wenn der auf den Platz kommt, dann ist er zu 100 Prozent fit.» Es sei für ihn schon etwas Besonderes, gegen Federer zu spielen. Es seien immer gute Matches und Federer sei eine Legende. Auftrieb gebe ihm, dass er zuletzt beim US Open so gut ausgesehen habe. Mit 2:0 Sätzen führte der Franzose damals, hatte sogar zwei Matchbälle. Aber diesmal sei es doch anders. Er habe jemanden, mit dem er während des Matches seine Emotionen teilen könne. «Der Captain kann mir helfen, wenn es eng wird, wenn mein taktischer Plan nicht aufgeht», sagte er. Allerdings gab er ganz offen zu, dass er noch lieber auf einem Hartplatz als auf Sand gegen Federer spielen würde. Denn an die drei Duelle in Roland Garros habe er keine guten Erinnerungen, zweimal habe er ganz schlecht ausgesehen. «Aber all diese anderen Matches zählen nun nicht mehr», sagte Monfils. Es sei eine ganz andere Atmosphäre, ein ganz anderer Moment in seinem Leben. «Ich vertraue ganz auf mein Team und meinen Captain», betonte er. Noch viel lieber aber hätte er das erste Match gespielt: «Es kostet mich immer sehr viel Energie, wenn ich meinen guten Freunden zusehe.»

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