Serena Williams hatte die Junggesellinnenparty schon durchgeplant für ihre Freundin Caroline Wozniacki. Doch dann kam alles anders. Die 24 Jahre alte Dänin erhielt einen Anruf von ihrem Verlobten, dem nordirischen Golfstar Rory McIlroy.

Wenige Tage zuvor hatten sie gerade ihre Hochzeitseinladungen verschickt, aber nun teilte er ihr knapp mit, dass es aus und vorbei sei. «Es kam aus heiterem Himmel», gab Wozniacki später preis, «und ich war völlig schockiert. So, als wäre direkt vor meinen Augen jemand gestorben.»

Der Verlobte brach ihr das Herz

Drei Monate ist er her, jener Anruf, der ihr das Herz brach. Das Paar hatte sich während der letzten drei Jahre immer gerne in der Öffentlichkeit gezeigt und auch via Twitter die Welt an ihrem Miteinander teilhaben lassen. Doch nun wäre Wozniacki ein wenig mehr Privatsphäre lieb gewesen.

Sie fühlte sich zutiefst verletzt, die Demütigung war auch so schon schlimm genug. Erst begann sie sich zu fragen: «Was ist schief gelaufen? Was habe ich falsch gemacht?» Dann stürzte sich Wozniacki in die Arbeit. Vater Piotr, der sie coacht, sagte, er habe seine Tochter noch nie derart schuften sehen.

Sie wollte nach vorne schauen, auf ein Leben ohne McIlroy. Aber eben auch nicht zuschauen, wie er die Pokale abräumt, während sie leidet. Denn nach zwei Major-Titeln im Sommer und dem Sprung auf Rang eins wispert man in Golf-Kreisen schon von einer «Rory-Ära».

Der Leidensdruck spornte Wozniacki ungemein an, seit Wochen spielt sie besser als je zuvor und steht nun wieder im Final des US Open. Nur ihre Freundin Serena Williams kann ihr noch den ersten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere verderben.

Der Anruf als Weckruf

«Diese Trophäe würde mir so viel bedeuten», erklärte die Dänin nach ihrem 7:6 und 4:3-Sieg über die Chinesin Peng Shuai, die von Krämpfen geplagt verletzt aufgeben musste. «Dann würden mich die Medien auch endlich nicht mehr danach fragen», fügte Wozniacki lächelnd hinzu, wie sie momentan so vieles weglächelt.

Doch die Zeit, als sie Ende 2010 mit 20 Jahren für 67 Wochen die Nummer eins der Welt wurde, hatte spürbar Narben hinterlassen. Williams fehlte damals verletzt, die eigentliche Regentin im Frauentennis. Und Wozniacki war zwar die konstanteste Spielerin der Tour, hatte jedoch noch keinen Grand Slam Titel vorzuweisen.

So musste sich die Dänin mit dem ersten Tag auf dem Thron stetig rechtfertigen und vorwerfen lassen, sie habe diese Position gar nicht verdient. Das nagte an Wozniacki. Lange Zeit schwankte ihre Form. Sie hielt sich zwar in den letzten zwei Jahren auf Rang zehn, spielte aber nicht mehr oben mit. In der Defensive ist kaum eine Konkurrentin stärker als Wozniacki, doch Aufschlag und Konterspiel verlangten Nachbesserung. Dann kam im Frühjahr jener unheilvolle Anruf und wurde im Nachhinein ein Weckruf.

«Ich war nur noch im Fitnesscenter, bin die ganze Zeit gelaufen», sagte Wozniacki, «das half meiner Laune.» Das Laufen, es wurde zu einer Art Selbsttherapie. Laufen gegen den Schmerz. Doch weglaufen würde sie nicht, das betont Wozniacki.

Wie schädlich ist der Marathon?

Obwohl ihr Plan, im November am New York City Marathon teilzunehmen, mit einiger Sorge betrachtet wird. Nicht nur, weil Wozniacki immer mehr abnimmt. Denn Tennis lebt von Explosivität, von Sprints und schnellen Richtungswechseln. Und nun so exzessiv für eine Ausdauersportart zu trainieren, könnte schaden, fürchten viele.

«Caroline sucht nach neuen Herausforderungen in ihrem Leben», glaubt indes die 18-malige Grand-Slam-Siegerin Chris Evert, «das Jahr war für sie emotional sehr hart.» Dass Wozniacki so versessen auf den Marathon ist, verwundert kaum. In dieser Zeit wäre ihre Hochzeit gewesen. «Das Laufen macht meinen Kopf frei und lässt mich auch freier auf dem Platz sein», argumentiert Wozniacki, «ich freue mich so auf den Marathon. Und man lebt ja nur einmal. Man muss zusehen, dass man so viel wie möglich auf seiner Liste abhakt.»

Dazu zählt unbedingt der Gewinn der Major-Trophäe. Mit ihrem Sieg über Maria Scharapowa im Achtelfinal hatte sich Wozniacki endgültig zurückgemeldet, nach einem furiosen Sommer, in dem ihr nur Serena Williams zweimal in die Quere kam. «Ich hatte Serena schon gesagt, dass ich sie nicht mehr sehen kann», scherzte Wozniacki.

Doch abseits des Platzes hatten sie seit der Trennung viel Zeit miteinander verbracht, dabei sind für Williams Freundschaften auf der Tour bisher selten gewesen. Während des Endspiels wird diese ruhen. Die Weltranglistenerste will mit Everts 18 Major-Titeln gleichziehen, und Wozniacki sucht nach Bestätigung. Sie wolle nicht, dass ihr Name auf ewig mit dem von McIlroy verbunden bliebe, sagte sie. Der Zusatz «Grand-Slam-Siegerin» ist ihr lieber.