Nach drei Stunden und 24 Minuten fliegt der Ball an Roger Federer vorbei. Der registriert, dass der Ball im Aus landet, dass die Partie zu Ende ist. Er lässt sich zu Boden fallen. Es ist vollbracht. Er hat seinen siebten Titel in Wimbledon gewonnen, sein 17. Grand-Slam-Turnier, sein 75. Turnier überhaupt, sein fünftes in diesem Jahr, und er ist deshalb seit heute wieder die Nummer eins der Welt. Er stellt damit den Rekord von Pete Sampras, 286 Wochen der beste Tennisprofi der Welt zu sein. Und weil ihn diese Woche niemand überholt, ist er in acht Tagen sogar alleiniger Rekordhalter.

Hier weint Andy Murray beim Interview nachdem er gegen Roger Federer den Final in Wimbledon verloren hat

Der weinende Verlierer Andy Murray

Die Tränen des Andy Murray

Andy Murray aber verliert auch sein viertes Grand-Slam-Endspiel, zum dritten Mal gegen Federer. Tränen vergiesst der Schotte, ihm versagt die Stimme, als er die Trophäe des Verlierers in den Händen hält. «Roger hat diesen verdient», bringt er noch heraus. Und bedankt sich bei den Fans, die ihm den Druck genommen hätten, als erster Brite nach 74 Jahren den Titel holen zu müssen.

Federer nimmt Murray nochmals in den Arm, tröstet ihn und verspricht: «Du wirst ein Grand-Slam-Turnier gewinnen.» In der Federer-Box sitzen inzwischen die Zwillinge auf der Brüstung, klatschen begeistert und trommeln mit den Beinen. Zum ersten Mal sehen sie den Papa nach dem Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier. Vor zweieinhalb Jahren hat er in Australien seinen 16. Titel geholt. Und auch die Briten feiern Federer. Schliesslich ist er ihr Liebling. «Das ist ein magischer Moment», sagt Federer, der diesmal keine Tränen vergiesst.

«Ein grosser Moment als Mensch, vor allem als Papi. Vor drei Jahren war Mirka schwanger. Jetzt sind die kleinen dreijährig und können an an der Siegerehrung teilnehmen. Als Vater ist das sehr, sehr speziell», wird Federer später sagen. 

Zwischendurch Zaubertennis

«Toll, dass ich diese Trophäe wieder in den Händen halten darf», sagt er strahlend. Er habe immer an sich geglaubt. «Es ist fast so, als ob die Trophäe nie weggewesen wäre.»

Nach den eher schwachen Auftritten in Paris hat er in Wimbledon wieder sein bestes Tennis gezeigt. «Er ist besser denn je», meint sogar sein ehemaliger Konkurrent Tim Henman. In Paris hatte sich Federer überhaupt nicht wohl gefühlt, das Turnier war irgendwie an ihm vorübergezogen. In Wimbledon aber kehrte er zu alter Stärke zurück.

Dass er wieder die Nummer 1 werden könnte, war Federer spätestens seit 2011 in Paris klar. «Ich war im Final sehr nahe an Nadal dran», sagt er. Die Siege in Paris-Bercy und am abschliessenden Masters haben ihm klar gemacht, «dass 2012 vieles möglich sein wird». Da ist nun eingetreten. (mic/rsn)

Wie Federer Djokovic aus dem Turnier warf und die Zuschauer aus dem Häuschen brachte

Federer Sieg gegen Djokovic