French Open
Federers Sand-Flirt mit Paris: «Es ist mein Traum, Roland Garros noch einmal zu gewinnen»

Vor drei Jahren spielte Roger Federer letztmals bei den French Open in Paris. Nun nährt er die Hoffnungen des französischen Publikums auf eine Rückkehr.

Simon Häring
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Ein Bild, das um die Welt ging: Roger Federers Jubel nach dem French-Open-Sieg 2009.

Ein Bild, das um die Welt ging: Roger Federers Jubel nach dem French-Open-Sieg 2009.

Keystone

Ein Mikrofon hier, eine Selfie da, eine Frage dort. Bei den Laureus World Sports Awards in Monte Carlo, im mondänen «Salle des Etoiles», dem Saal der Sterne, auf der Larvotto-Halbinsel, steht er im Mittelpunkt.

Er wird für das Comeback des Jahres geehrt und zum fünften Mal nach 2004 bis 2007 zum Weltsportler des Jahres gekürt. Kein Athlet vor ihm wurde im gleichen Jahr in zwei verschiedenen Kategorien mit dem «Sport-Oscar» geehrt.

Warum Federer über allen steht

Gewählt von Miguel Indurain, von Martina Navratilova, von Boris Becker. Federer ist dort nur eine von vielen Ikonen der Sportgeschichte; und offenbar doch viel mehr. Der italienische Journalist Fabrizio Biasin beschreibt das am Tag danach so: «Federer schüttelte Hände. Er umarmte Leute, machte Selfies, sprach mit jedem. Und er lächelte immer. Den ganzen Abend.»

Es waren auch andere da: ein grosser Radchampion. Er sagte: «Hört auf mit den Fotos, ich muss gehen.» Nicht Federer. Jetzt verstehe er, wieso Federer über allen stehe.

Federer, und das ist nicht neu, fühlt sich auf dem Roten Teppich so wohl wie auf einem Tennisplatz. Er parliert mit Staatschefs ebenso entspannt wie mit seinen Anhängern, die zuweilen in Tränen ausbrechen und sprachlos werden, wenn sie ihm begegnen.

Er hat, so wird es oft beschrieben, die Gabe, jedem seiner Gesprächspartner das Gefühl zu geben, dass jetzt nur dieser Moment und seine Geschichte zählen. Dabei geht fast unter, was Federer in eines der vielen Mikrofone sagte, das ihm an diesem Tag vor die Nase gehalten wurde.

Die Tür zu den French Open ist aufgestossen

Wieder einmal ging es darum, worum es seit seit Wochen geht: die Sandsaison. Und ob er auf seiner schwächsten Unterlage spielen würde. Federer sagte, er werde sich erst Ende April entscheiden. «Bis dahin wird noch viel Tennis gespielt.»

Und doch stiess er, gekleidet in Frack und mit Fliege, eine Tür weit auf, die bisher verschlossen schien, als er sagte: «Es ist mein Traum, in Roland Garros noch einmal zu gewinnen. Noch einmal diese Emotionen von 2009 zu erleben.» Damals hatte er seinen Karriere-Grand-Slam komplettiert.

Frankreich war für ihn schon immer Schauplatz grosser Emotionen. 2000 verlor er in Marseille seinen ersten ATP-Final gegen Landsmann Marc Rosset und weinte danach bittere Tränen, weil er dachte, es sei vielleicht seine einzige Chance gewesen.

2009, als er schon fast selber nicht mehr daran geglaubt hatte, gewann er im 13. Anlauf erstmals in Roland Garros. Vier Mal war er zuvor an Rafael Nadal gescheitert, drei Mal im Final. Letztmals spielte Federer 2015 bei den French Open. 2016 fehlte er verletzt, im Vorjahr verzichtete er.

In Indian Wells muss Federer die Halbfinals erreichen

Inzwischen ist Roger Federer in den USA, wo er ab kommender Woche in Indian Wells als Titelverteidiger antritt. Obwohl Rafael Nadal (32, ATP 2) fehlt, muss der Baselbieter dort die Halbfinals erreichen, um die Führung in der Weltrangliste über den 19. März hinaus zu verteidigen.

Doch in Frankreich ist das derzeit nur eine Randnotiz, zu emotional wäre die Rückkehr nach Paris. Dass sein Ausrüster Nike am Sonntag das Outfit präsentierte, das Federer während der Sandsaison tragen soll, werten viele als weiteres Indiz.