Tennis

Federers Gala und Nadals Enttäuschung

Der Traum-Viertelfinal in Wimbledon platzte schon am Starttag. Roger Federer bezwang zwar Victor Hanescu, Rafael Nadal scheiterte aber sensationell an Steve Darcis (ATP 135).

Ausgeschieden sind die beiden anderen Schweizer, die gestern im Einsatz standen. Stanislas Wawrinka blieb gegen die frühere Weltnummer 1 Lleyton Hewitt mit 4:6, 5:7, 3:6 ebenso ohne Satzgewinn wie Stefanie Vögele gegen Sorana Cirstea (5:7, 6:7). Heute startet Romina Oprandi gegen Alison Riske ins Turnier.

Federers Blitzsieg in 69 Minuten

Victor Hanescu brachte in drei Sätzen 85 Prozent erster Aufschläge ins Feld. Wenn dies einem Spieler mit einer Körperlänge von 198 Zentimetern gelingt, hat er damit im Normalfall die Basis zu einem guten Resultat gelegt, sowieso auf einer Unterlage wie Rasen. Ausser der Gegner heisst Roger Federer.

Die anderen Matchzahlen sind für den Rumänen denn auch deutlich weniger schmeichelhaft. Bei Aufschlag Federers totalisierte der einstige Gstaad-Sieger gerade einmal sieben Punkte, im dritten Durchgang verbuchte Hanescu in 18 Minuten total vier Pünktchen. Das Punkteverhältnis von 81:36 spiegelt die Stärkeverhältnisse auf dem Centre Court ziemlich exakt wieder.

Federer demonstrierte von Anbeginn, dass ihn die Kombination aus der Rückkehr auf seine Lieblingsunterlage und an den Ort seiner grössten Erfolge sowie das Selbstvertrauen vom Titelgewinn in Halle beflügelt. Er zeigte sein ganzes immenses Schlagrepertoire, variierte nach Belieben Tempo und Spin, gewann 21 von 25 Netzpunkten und bewies bei den vielleicht wichtigsten Rasenschlägen Service und Return, dass das Timing stimmt. Seine Aufschlagsspiele dauerten durchschnittlich kaum länger als eine Minute. "Ich fühle mich auf jedem Boden wohl, aber auf Rasen ganz besonders", so Federer nach dem Auftakt nach Mass.

Nächster Gegner des siebenfachen Champions ist Sergei Stachowski (ATP 116). Gegen den Ukrainer hat Federer erst einmal gespielt und gewonnen. Er hat ihn aber als unangenehmen Gegner in Erinnerung: "Er spielt mit dem ersten Ball Aufschlag-/Volley und manchmal auch mit dem zweiten. Zudem kommt er mit Slicebällen jeweils gut in den Ballwechsel zurück. Er fühlt sich auf Rasen sicher wohler als Hanescu."

Nadals erste Startniederlage an einem Major

Fast drei Stunden lang wehrte sich Rafael Nadal gegen Steve Darcis, stand aber am Schluss mit leeren Händen und ohne Satzgewinn da. 7:6 (7:4), 7:6 (10:8), 6:4 lautete das Resultat für den Belgier, der zuletzt in Rosmalen bei zwei Niederlagen gegen Schweizer gleich drei Tiebreaks verloren hatte. In der letzten Qualifikationsrunde hatte Darcis gegen Stéphane Bohli zwei Kurzentscheidungen verloren, als Lucky Loser ein weiteres gegen Stanislas Wawrinka.

Diesmal hatte er aber keine Angst vor der eigenen Courage und nutzte seine Chancen gegen einen sichtlich angeschlagenen Nadal. Im zweiten Satz verwertete er seinen fünften Satzball und zuletzt blieb er auch angesichts des sich abzeichnenden grössten Sieges cool. Darcis, bei 12 von 18 Majors in der Startrunde gescheitert, hatte bereits bei den Olympischen Spielen mit Tomas Berdych einen Top-ten-Crack eliminiert.

Für Nadal blieb nur eine riesige Enttäuschung. Statt weiter das dritte "Double" Paris/Wimbledon anzupeilen, musste er über seine erste Startniederlage an einem Major überhaupt Auskunft geben. Das Knie, das ihm offensichtlich Schmeren bereitete, wollte er anschliessend nicht thematisieren: "Alles, was ich heute Nachmittag sagen könnte, würde als Ausrede tönen. Das wäre meinem Gegner gegenüber nicht fair. Ich kann ihm nur gratulieren, er war besser und hat seine Chancen genutzt."

Einmal mehr zeigte sich, dass Nadal viel Matchpraxis benötigt, um zu glänzen. Anfangs Turnier selten mit viel Selbstvertrauen steigert er sich zumeist im Turnierverlauf, oft bis in einen regelrechten Rausch. Das war diesmal nicht möglich, wegen seiner strapaziösen und erfolgreichen Sandsaison hatte er auf den Start in Halle verzichtet. "Ich wusste deshalb, dass es für mich schwer wird. rasen ist vielleicht der schwerste Belag für mich", so Nadal, der aber immerhin erste Befürchtungen es drohe wie im Vorjahr eine lange Pause, zerstreute: "Ich werde viel früher zurückkommen." Überhaupt wollte der achtmalige Roland-Garros-Gewinner nicht dramatisieren: "So geht es im Sport. Die Niederlage ist keine Tragödie."

Vergebene Chancen von Wawrinka...

Zwei Tage nach der Final-Niederlage in s'Hertogenbosch gegen Nicolas Mahut verschlief Wawrinka den Start völlig und gab dem Queens-Halbfinalisten Hewitt so zusätzliches Selbstvertrauen. Im zweiten Durchgang hatte dann Wawrinka die Partie lange im Griff und sogar die Möglichkeit auf 5:1 davonzuziehen. Hewitt, der zuletzt so oft verletzte Sieger von 2002, spielte aber wie in alten Zeiten, kämpfte sich zurück und hatte auch im dritten Satz Oberwasser. Er revanchierte sich damit für die beiden letzten Niederlagen gegen Wawrinka (im Davis Cup 2011 und heuer in Indian Wells). "Ich war mental viel zu negativ heute", erklärte Wawrinka, "und wenn man ein wenig zögert, ist es enorm schwierig, gerade gegen einen Spieler wie Hewitt."

Zwischen Wawrinka und dem Grand-Slam-Turnier auf Rasen entsteht damit weiterhin keine Liebesbeziehung. Bei neun Teilnahmen im Londoner Südwesten ist das jüngste Mitglied der Top Ten nun zum fünften Mal in der Startrunde ausgeschieden, seine Matchbilanz fällt mit 9:9 vergleichsweise mager aus. Hewitt feierte hingegen bereits seinen 40. Matchgewinn in Wimbledon

...und Vögele

Von einem Match der verpassten Chancen muss man auch bei Stefanie Vögele reden. Die Aargauerin unterlag Sorana Cirstea (Rum/22) 5:7, 6:7 (3:7), obwohl sie in beiden Durchgängen ihre Chancen und im ersten sogar zwei Satzbälle hatte. Bei der in den letzten Jahren konstantesten Schweizerin tönte die Analyse gleich wie bei Wawrinka: "Ich war im gesamten Match zu negativ und dies ohne Grund." (sda)

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