US Open
Federers Freud und Leid beim Turnier in New York

Roger Federer trifft im Halbfinal des US Open auf den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic. Doch auch mit der Tennispolitik muss er sich beschäftigen. Als Präsident des ATP-Spielerrats kritisiert er die Veranstalter.

Jörg Allmeroth, New York
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Als Mann der späten New Yorker Stunden hatte er gerade wieder einmal im Arthur-Ashe-Stadion brilliert, doch nach dem berauschenden 6:4, 6:3, 6:3-Sieg über Jo-Wilfried Tsonga war es eher die höhere Tennispolitik, mit der sich Roger Federer zu befassen hatte: Auch nachdem der Frauenfinal des US Open auf Sonntag und der Männerfinal auf Montag verlegt wurde, ist der Zorn der Spieler über das inzwischen notorische Grand-Slam-Terminchaos im Big Apple noch nicht verraucht.

Federer, der Präsident des ATP-Spielerrats, sieht sich inzwischen unmissverständlich gefordert, die Besorgnisse und den Ärger seiner Kollegen auszusprechen: «Das Turnier kommt jedes Jahr in der Schlussphase in Schwierigkeiten. So kann man das nicht weitermachen», sagte Federer und forderte die Veranstalter zum Umdenken auf: «Die erste Runde über drei Tage zu spielen, ist genauso wenig zeitgemäss wie der Super Saturday, also die Halbfinals einen Tag vor dem Endspiel.»

Lange schwelender Konflikt

Hinter dem akuten Konflikt von New York verbirgt sich allerdings auch eine schon länger andauernde Konfrontationslage zwischen den Profis und den Grand-Slam-Turnieren, die ihre gewaltige Machtposition ziemlich ungeniert ausleben und kaum einmal zum Dialog mit den Spielergewerkschaften bereit sind. Federer wies in seinem abendlichen Pressegespräch auch darauf hin und deutete etwa auf das French Open hin, das gegen den Spielerwillen das Turnier um einen Tag verlängert hätte und nun schon am Sonntag beginne: «Wir waren dagegen. Aber es wurde gemacht.»

Die Verschiebung des Finales in New York betrachtete der Maestro derweil mit gemischten Gefühlen – einerseits sei es ein Gebot der Fairness im laufenden Turnier gegenüber den Spielern, die im Zeitplan hinterherhinkten, aber «die meisten von uns müssen am nächsten Wochenende schon wieder im Davis Cup ran. Und das wird eine richtige Hatz.» Er selbst hat dabei die weiteste Tour vor sich, den Marathon-Trip nach Australien.

Gerüstet für die Djokovic-Partie

An einem der vielleicht letzten Super-Samstage steht Federer, der sentimentale Publikumsfavorit, aber erst einmal im Grand-Slam-Blickpunkt, wenn er gegen Nummer-eins-Mann Djokovic antritt – zum nun schon vierten Mal hintereinander im US-Open-Halbfinal. «Ich fühle mich gerüstet», sagte Federer nach dem souveränen Sieg über Tsonga, bei dem er weiteren Treibstoff fürs Ego tankte.

Im direkten Vergleich mit dem Franzosen, der ihn zuletzt sowohl in Wimbledon als auch in Montreal aus dem Turnier geworfen hatte, führt der Baselbieter damit wieder mit 5:3 Siegen. Selbst eine 90-minütige Regenpause nach der 3:2-Führung im ersten Satz konnte den 30-Jährigen nicht beirren, der genau das aggressive, zupackende Spiel aus dem Tsonga-Duell auch gegen Frontmann Djokovic braucht.

Der sechste Rekordtitel ist für Federer keinesfalls utopisch in New York, an einem langen US-Open-Wochenende, das aufs Neue mit einem 15. Turniertag am Montag endet: «Mein Spiel ist da», sagt Federer, «und ich habe grosse Lust auf diese letzten Matches.» Was er gegen Djokovic besser machen müsse als zuletzt, wurde Federer gefragt. Und der blickte dabei sofort weit zurück, aufs vergangene Jahr, auf den Halbfinal hier in New York: «Nur den Matchball verwandeln.» Zwei Siegpunkte hatte er damals gehabt – und beide vergeben.

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