Swiss Indoors
Federer will mehr Geld: Kehrt er deshalb seinem Heimturnier den Rücken?

Roger Federer will mehr Geld, wenn er auch künftig das Aushängeschild der Swiss Indoors in Basel sein soll. Bis jetzt konnte sich der Publikumsliebling jedoch noch nicht mit den Veranstaltern einigen. Kann sich Basel Federer noch leisten?

Michael Wehrle
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Turnierdirektor Roger Brennwald will Roger Federer auch nächstes Jahr als Aushängeschild haben.

Turnierdirektor Roger Brennwald will Roger Federer auch nächstes Jahr als Aushängeschild haben.

Keystone

Roger Brennwald, Präsident und Turnierdirektor der Swiss Indoors, kam am Mittwochabend ins Schwitzen. Sein Star und Aushängeschild Roger Federer quälte sich auf dem Centre-Court gegen Thomaz Bellucci mehr, als ihm lieb war. Am Ende atmete Brennwald tief durch, Federer blieb dem Turnier erhalten. Zumindest in diesem Jahr.

Ob die Nummer eins der Welt aber auch in den kommenden Jahren in der St. Jakobshalle die Fans verzaubert, steht noch in den Sternen. Zwar betont der Baselbieter immer wieder, wie sehr ihm das Turnier am Herzen liegt, wie sehr er diese Woche geniesse, wie sehr er sich auf sein Heimturnier freue. Aber Profitennis ist schliesslich auch ein Geschäft, sein Beruf. Und Federer ist nicht nur ein begnadeter Tennisspieler, er ist auch Geschäftsmann, ein knallharter Geschäftsmann, wenn es sein muss.

Sein Vertrag mit den Swiss Indoors läuft nach vier Jahren aus. Die Verhandlungen um einen neuen Vertrag ruhen während des Turniers. Doch es ist bekannt, dass die beiden Parteien finanziell nicht auf der gleichen Linie liegen. Die Vorstellungen klaffen sehr weit auseinander. Federer kassierte bisher jährlich etwa eine halbe Million Franken für sein Engagement. Als neue Summe steht nun aber eine siebenstellige Zahl zur Diskussion im Raum. Dass Roger Brennwald da keine Freudensprünge macht, und seinem Star gleich einen mehrjährigen Kontrakt zur Unterschrift vorlegt, ist klar. Kommt dazu, dass die Laufzeit wohl auch ein Thema ist. Niemand weiss, wie lange Federers Karriere noch dauert.

Hoffnung auf die gute Beziehung

Die Situation ist nicht ganz einfach. Vor einigen Monaten trennten sich Federer und sein Manager Tony Godsick von der Marketingagentur IMG. Anfang Jahr hatte Godsick, noch als IMG-Vertreter, den Swiss Indoors eine Offerte gemacht. Brennwald wurde dann von der Trennung überrascht. ««Ich wurde kalt erwischt», sagte Brennwald, im Juni in Paris beim French Open. Er stecke mitten in Verhandlungen mit Federer über dessen Engagement ab dem kommenden Jahr. «Und dann ruft mich Tony Godsick an und sagt, er sei nicht mehr Federers Manager», sagte Brennwald damals. Er wisse nicht, an wen er sich wenden müsse, solange Federer keinen offiziellen Manager habe. «Vielleicht muss ich das mit Roger persönlich regeln», sagte Brennwald in Paris.

Inzwischen ist klar, dass sich Godsick wohl um Federers Belange wieder kümmert, aber wie deren Beziehung genau aussieht, ist offen. Es gab schon Spekulationen, dass sie gemeinsam eine Firma gründen.

«Federer ist für uns das Top-Thema», sagt Brennwalds Berater Jürg Vogel. Aber wenn auch ihre finanziellen Vorstellungen weit auseinander lägen, bestehe nach wie vor ein enger Kontakt zu Federer. Der trainiere immer wieder in Brennwalds Sportcenter Paradies in Allschwil. Brennwald setzt natürlich auf die enge Beziehung: «Ich hoffe, dass nicht allein das Geld, sondern auch die emotionale Bindung entscheiden wird. Denn, wenn es nur um das Geld geht, können wir nicht mithalten», sagte er der «NZZ am Sonntag».

Kein Davis-Cup in Basel

Möglicherweise spielen Brennwalds Argumente, auch wenn Federer seine Emotionen manchmal ausschaltet, wie im Davis-Cup. Dort mussten seine Kollegen zur Kenntnis nehmen, dass er im Februar in der ersten Runde gegen Tschechien nicht dabei ist. Enttäuscht sind die Teamkollegen Wawrinka und Co., offene Kritik übt niemand.

Dafür musste Erik Keller, als Vizepräsident von Swiss Tennis für den Davis-Cup zuständig, seine Pläne über den Haufen werfen. Er hatte schon alles geregelt, damit die Partie in der Basler St. Jakobshalle über die Bühne gehen konnte. Mit Federers «Nein» musste er natürlich absagen. Davis-Cup in Basel und Federer bleibt fern, das geht ganz einfach nicht. Federer wäre wohl schwer unter Druck gekommen, doch zu spielen. Das Thema ist inzwischen vom Tisch, die Schweiz und Tschechien spielen in Genf.