Tennis
Federer verabschiedet sich aus Basel: «Hoffentlich bis nächstes Jahr»

Roger Federer verliert den Final bei den Swiss Indoors gegen Juan Martin del Potro und verpasst damit den sechsten Titel am Heimturnier. Weiter unklar ist, ob Federer im nächsten Jahr wieder in Basel antritt. Die Verhandlungen stehen zur Zeit still.

Michael Wehrle
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Roger Federer unterliegt in Basel Juan Martin del Potro
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Federer unterliegt del Potro
Federer ist enttäuscht
Federer am Boden
Roger Federer in Basel
Federer unterliegt in Basel dem Argentinier del Potro
Juan Martin del Potro
Federer unterliegt in Basel dem Argentinier del Potro
Juan Martin del Potro besiegt Roger Federer in Basel

Roger Federer unterliegt in Basel Juan Martin del Potro

Keystone

Auf den sechsten Sieg bei seinem Heimturnier muss Roger Federer warten. In seinem neunten Final bei den Swiss Indoors kassierte er die vierte Niederlage. Juan Martin del Potro setzte sich in einer hochklassigen Partie durch. Nach zwei Stunden und 43 Minuten landete eine Vorhand Federers neben der Linie: 6:4, 6:7 (5:7), 7:6 (7:3) hiess es für den Argentinier.

Drei Turniere in nur drei Wochen

Noch ist offen, ob es im nächsten Jahr überhaupt zum Wiedersehen in Basel mit Federer kommt. Er deutete aber noch auf dem Platz an, dass er gerne wieder bei seinem Heimturnier dabei wäre. «Hoffentlich bis zum nächsten Jahr», rief er seinen Fans zu. Nach den World Tour Finals in London gehen wohl die Verhandlungen zwischen Federer und den Swiss Indoors weiter. «Doch den Fahrplan diktiert Federers Manager Tony Godsick», betonte Turnierdirektor Roger Brennwald.

«Das Geld fällt nicht vom Himmel»

«Wir kämpfen Tag und Nacht, um das Turnier auf die Beine zu stellen», sagt Roger Brennwald, Präsident und Turnierdirektor der Swiss Indoors. 18,7 Millionen Franken betrug das Budget in diesem Jahr. Noch sei das Loch, das der erzwungene Ausstieg des ehemaligen Titelsponsors Davidoff hinterlassen habe, nicht gefüllt. Rund 4 Millionen Franken steuerte Davidoff pro Jahr bei. Das neue Konzept ohne Titelsponsor sieht 10 Premium- und 10 National-Partner vor. Jeweils 8 hat das Turnier inzwischen unter Vertrag. «Wir suchen nicht aktiv nach einem Titelsponsor, sagen aber nicht Nein, wenn einer kommt», sagt Brennwald. Lieber wäre ihm aber ein Hauptsponsor, der die erste Geige spiele, das bestehende Konzept aber nicht über den Haufen werfe. 2 bis 2,5 Millionen sollte der bezahlen. «Denn das Geld fällt nicht vom Himmel», sagt Brennwald. Um fünf Prozent muss er im nächsten Jahr das Preisgeld erhöhen, es wird um 2 Millionen Euro betragen. (mic)

Probleme macht auch Federers Fahrplan. Er verzichtet nächste Woche auf das Turnier in Paris-Bercy. «Ich brauche die Zeit, um die World Tour Finals in London vorzubereiten, ich will nicht halb kaputt dahin», sagte er. Und im nächsten Jahr sehe der Kalender gleich aus, mit den drei Turnieren Basel, Paris und London innerhalb von drei Wochen. «Da muss ich über die Bücher», sagte er. Wie er das löse, sei noch offen. «Für mich ist nun die Absage von Paris der einzig richtige Entscheid, auch wenn ich so am Ende des Jahres nicht mehr die Nummer eins sein kann», erklärte er. Heute führt er das Ranking nochmals an, in Woche 302. In einer Woche aber löst ihn Novak Djokovic wieder ab.

Ein Break entschied Partie

Trotz der Finalpleite zeigte sich Federer mit seiner Leistung in Basel zufrieden. «Ich habe mein Level gesteigert.» Del Potro zeigte vor allem im ersten Satz eine beeindruckende Leistung, spielte praktisch fehlerlos und stellte vor allem mit seiner Vorhand Federer vor unlösbare Probleme. Totenstille herrschte in der mit 9200 Zuschauern ausverkauften St. Jakobshalle, als del Potro zwei Vorhandfehler seines Gegners zum einzigen Break der ganzen Partie nutzte. Er selbst geriet im ersten Durchgang nie in Gefahr, seinen Aufschlag zu verlieren. Der Satzverlust nach 34 Minuten war logisch.

Federer steigerte sich, del Potro liess ein wenig nach. Seine einzige Breakchance im zweiten Satz vergab der Schweizer mit einem schwachen Return auf den zweiten Aufschlag seines Kontrahenten. Beim Stand von 5:5 drohte Federer das schnelle Ende. Mit einem mutigen Winner mit der Vorhand wehrte er den Breakpunkt von del Potro ab. Mehr als eine Stunde dauerte der zweite Satz, dann segelte im Tiebreak die letzte Rückhand del Potros ins Aus. Es konnte von Neuem beginnen.

Federer eigentlich besser

Und nun war Federer der etwas bessere Mann. Del Potro streute Fehler ein, Federer nutzte seine Chancen nicht. Drei Breakbälle hatte er beim Stand von 1:1, je ein Vorhand- und ein Rückhandfehler kosteten ihn zwei davon. Bei 3:3 verschlug er den vierten Breakball im letzten Satz mit einer Vorhand. Er selbst schlug bärenstark auf, liess del Potro bei seinem Service nur vier Punkte. Doch im Tiebreak wars dann mit der Herrlichkeit des Baselbieters vorbei. Drei Mal musste del Potro zu Beginn über den zweiten Service, Federer konnte mit diesen Chancen nichts anfangen. Mit einem weiteren Vorhandfehler schenkte er seinem Gegner den Punkt zum 4:2, der liess sich diesen Vorsprung nicht mehr nehmen. «Juan Martin hat den Sieg verdient, er spielt ein wenig konstanter», sagte Federer.

Er kassierte damit im siebten Duell mit der Nummer acht der Welt in diesem Jahr die erste Niederlage. «Es war sehr eng, doch diesmal war ich etwas glücklicher», sagte del Potro.