Nach seinem Fünfsatzsieg gegen Stan Wawrinka versucht Roger Federer gar nicht, einen Hehl daraus zu machen, dass ihm die zwei Tage Pause bis zum Final vom Sonntag mehr als gelegen kommen. «Das kann Wunder wirken. Vielleicht bin ich dann im Final doch noch topfit», sagt der 35-Jährige kurz nach dem Finaleinzug. Obwohl er sich nach seiner sechsmonatigen Pause bisher in bester Verfassung präsentiert, bleiben Fragezeichen, wie sein Körper im fortgeschrittenen Sportleralter auf die Belastungen reagiert. Auch für ihn.

Federer hat in seiner fast zwanzigjährigen Karriere zwar immer mal wieder mehrere Wochen Pause gemacht, doch selbst an ihm gehen die über 1300 Spiele auf höchstem Niveau nicht spurlos vorbei. «Wo immer es eine Baustelle gibt, wird es danach nie mehr so gut wie zum Zeitzpunkt, als du geboren wurdest», sagte Fitnesstrainer Pierre Paganini Anfang Jahr im «Tages-Anzeiger». Der Romand ist nicht nach Australien gereist, er hat seine Arbeit mit Federer während der Rekonvaleszenz und zuletzt in der Vorbereitung in Dubai gemacht.

Dafür, dass Federer sich bis zum Final am Sonntag optimal erholt, ist er verantwortlich: Daniel Troxler, Physiotherapeut mit jahrelanger Erfahrung im Spitzensport. «Seine Hände sind magisch», sagt Federer über Troxler, der zuvor Marathonläufer Viktor Röthlin betreute und zu einem so engen Vertrauten wurde, dass Röthlin ihn später zu seinem Trauzeugen und zum Götti seines Sohnes Ben machte. Troxler war selber Leichtathlet, ist zudem medizinischer Masseur und gehört seit zwei Jahren dem Schweizer Davis-Cup-Team an.

Der Feuerwehrmann

Troxler bleibt gerne im Hintergrund, seine Expertise aber hat Gewicht. Gemeinsam mit Paganini, den Trainern Severin Lüthi und Ivan Ljubicic, Manager Tony Godsick sowie Ehefrau Mirka entschied Federer im letzten Juli, seine Saison vorzeitig abzubrechen, weil er «immer wieder Feuerchen» hatte löschen müssen. Troxler ist es auch, der am Ursprung des sorgfältig geplanten Wiederaufbaus steht. Nach einer Pause arbeitete Federer im letzten Herbst während dreier Wochen ausschliesslich mit Troxler an der Stärkung der Muskulatur.

Zwar wird Troxler erst im Oktober 2014 fester Bestandteil von Federers Entourage, im Dunstkreis des vierfachen Melbourne-Siegers bewegt er sich aber schon seit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney, wo er der Delegation von Swiss Olympic angehörte. Massgeblich beteiligt ist er auch am Schweizer Davis-Cup-Sieg 2014. Damals blieben ihm und dem extra nach London eingeflogenen Teamarzt Roland Biedert nur wenige Tage, um Federer nach einer Rückenblockade für den Final gegen Frankreich in Form zu bringen.

Physiotherapeut Daniel Troxler bleibt gerne im Hintergrund.

Physiotherapeut Daniel Troxler bleibt gerne im Hintergrund.

Eingreifen muss Troxler auch beim Halbfinal in Melbourne, als Federer nach dem vierten Satz für eine Behandlung in der Kabine verschwindet. Federer sagt, er habe seit einer Woche eine kleine Blessur am Bein, die er ab dem zweiten Game wieder gespürt habe. Präziser konnte oder wollte er nicht werden. «Wenn du vom Platz in die Kabine gehst, dann darum, weil es etwas tiefer geht. Das will keiner sehen», scherzt Federer. Primär sei es ein taktischer Schachzug gewesen. «Ich hoffe, Stan ist mir deswegen nicht böse.»

Gestern stösst Federer noch auf den Sieg an, «nach der Massage», wie er zu verstehen gibt. Heute Freitag will er sich ansehen, ob ihm Erzrivale Rafael Nadal (30) gegen Grigor Dimitrov (26) in den Final folgt. Auf Grand-Slam-Stufe lautet seine Bilanz 2:9, die beiden einzigen Siege konnte er in Wimbledon feiern, den letzten vor fast zehn Jahren. Bei den Australian Open trafen die beiden dreimal aufeinander – dreimal gewann Nadal, darunter 2009 im Final in einem Fünfsätzer, nach dem der Baselbieter bittere Tränen vergiessen musste.

Auch Nadal hat eine lange Verletzungshistorie hinter sich und hat seine Saison nach den US Open für beendet erklärt. Noch im Oktober hätten sie bei der Eröffnung von Nadals Akademie auf Mallorca mit Junioren Mini-Tennis gespielt. Dass sie jetzt, drei Monate später, so weit gekommen seien, sei fast ein Wunder. Es ist nach 2009 erst das zweite Mal, dass Federer auf dem Weg in seinen 28. Grand-Slam-Final zweimal über fünf Sätze gehen musste.

Die Parallelen zu damals sind erstaunlich: Damals hatte Federer im Achtelfinal gegen Tommy Haas und im Halbfinal gegen Juan Martin Del Potro über die volle Distanz gehen müssen, im Viertelfinal gegen Gaël Monfils aber keinen Satz abgeben müssen. «Ich
werde im Final am Sonntag alles rauslassen. Und wenn ich danach fünf Monate nicht mehr gehen kann, ist das auch in Ordnung», verspricht Federer noch auf dem Platz und sorgt damit für Jubelstürme bei den Zuschauern. Dank der magischen Hände von Daniel Troxler wird das aber wohl kaum eintreffen.