Australian Open
Federer nährt mit Sieg Hoffnungen und Träume

Roger Federer besiegt Tomas Berdych (31, ATP 10) mit 6:2, 6:4, 6:4 und steht bei den Australian Open in den Achtelfinals. Sein Gegner dort ist der Japaner Kei Nishikori (27, ATP 5)

Simon Häring
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Roger Federer steht bei den Australian Open in den Achtelfinals.

Roger Federer steht bei den Australian Open in den Achtelfinals.

AP

Ein Härtetest hätte es werden sollen. Ein Duell auf Augenhöhe. Es wurde ein Schaulaufen für Roger Federer (35, ATP 17). Der Baselbieter bezwingt in der dritten Runde der Australian Open den Tschechen Tomas Berdych (31, ATP 10) mi 6:2, 6:4, 6:4. Nach seinen ersten beiden Auftritten nach überstandener sechsmonatiger Rekonvaleszenz hatte er zuweilen zögerlich und eingerostet gewirkt. Manche stellten die Frage in den Raum: Ist er es wirklich?

Selber war ihm immer bewusst, dass es gegen Berdych, gegen den er inzwischen eine Bilanz von 17 zu 6 Siegen aufweist, eine Leistungssteigerung braucht. Aber auch, dass ihm der Tscheche liegt, obwohl ihm dieser einst in Wimbledon eine empfindliche Niederlage zugefügt hat. Aber eben auch, dass ihn Berdych nicht überraschen wird. Dass dessen Spiel ihm liegt und für Federer ein offenes Buch ist. Trotzdem überrascht die Deutlichkeit des Verdikts.

Melbourne war und ist für ihn nur eine Wegmarke. Es sei schon schön, überhaupt dabei zu sein, «denn es hätte auch anders sein können. Dass das Knie nicht mehr wieder gut wird», wie er vor dem Turnier zu bedenken gegeben hatte. «Heute habe ich mich selber ein wenig überrascht», gesteht er nun. Dass die Erwartungen des Publikums zwar hoch, seine eigenen aber so tief wie schon lange nicht mehr sind, sei für ihn «erfrischend», sagt Federer.

Federer: «Ja, ich habe noch Träume und Ziele»

Dass er im gesamten Match keine einzige Breakchance abwehren musste, sei aber nicht nur sein Verdienst gewesen. «Berdych war beim Return schwach. Von einem Topspieler erwarte ich dort schon mehr», sagte er, euphorisiert von den Ovationen des Publikums, in den Katakomben zum «SRF». Da war es wieder: dieses Selbstbewusstsein. Diese Überzeugung, die ihn überhaupt angetrieben hat, zurückzukehren. Der Glaube an grosse Turniersiege.

Ab sofort in der zweiten, dritten Runde jeweils die Segel zu streichen, das würde ihn auf Dauer unglücklich machen, hatte Federer gesagt. «Ja, ich habe noch Träume und Ziele. Und wenn ich eines davon nennen müsste, dann wäre das ein Sieg in Wimbledon oder bei den US Open. Und klar: Auch die Nummer 1 wäre ich gerne.» Es sind Hoffnungen und Träume, die in der lauen Melbourner Nacht, beim Sieg gegen Berdych, unerwartete Nahrung erhalten.

Glacé und Schokolade als Vorbereitung

Mit jedem Schlag, mit jedem Sieg, mit jeder Minute auf dem Platz wächst das Vertrauen in den Körper und die Form und schwindet die Unsicherheit, die für ihn in den letzten Wochen enger Begleiter waren. Entsprechend gelöst und entspannt zeigt sich Federer nach der Partie. Angesprochen auf sein Nachtessen sagte er: «Ich mag Glacé und Schokolade. Und hey, ich habe dabei nicht einmal ein schlechtes Gewissen.» Es wäre auch völlig verfehlt.

Nach seinem souveränen Sieg sind sanfte Träume von einem Traumcomeback in Australien - sie sind erlaubt, auch wenn der Weg lange und steinig ist. Gegner in den Achtelfinals ist der Japaner Kei Nishikori (27, ATP 5), gegen den Federer eine 4:2-Bilanz aufweist. «Ein netter Junge», urteilt Federer. Schon jetzt darf er seine Rückkehr als Erfolg verbuchen. Und wie sagte Ex-Profi und Freund Yves Allegro vor dem Turnier? «Bei Roger ist alles möglich.»

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