Tennis
Federer nach hartem Tursunov-Kampf: «Meine Kids sind meine Inspiration!»

Roger Federer erreicht in Paris wie immer in den letzten zehn Jahren die Achtelfinals. Der 32-Jährige gewinnt gegen einen hartnäckigen Dimitri Tursunov (ATP 32) 7:5, 6:7 (7:9), 6:2, 6:4.

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Der Russe Dimitri Tursunow schenkte Federer nichts.
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Roger Federer bekundete Mühe mit dem Spiel von Tursunow.
Federer Fans in Aktion.
Auch Federers Zwillings-Töchter Myla Rose und Charlene Riva schauten aus der Box dem Spiel des Papi zu.
Nach 3 Stunden und 7 Minuten war es soweit...
Roger Federer steht nach dem Sieg gegen Dimitri Tursunow im Achtelfinal des French Open in Paris
Auch die Ehefrau von Roger Federer Mirka war beim Match dabei.
Der 27-jährige Tursunow zeigte ein starkes Spiel.

Der Russe Dimitri Tursunow schenkte Federer nichts.

Keystone

Ohne zu brillieren bestand Roger Federer am French Open den ersten Härtetest. Der 32-jährige Basler bezwang Dimitri Tursunow (ATP 32) 7:5, 6:7 (7:9), 6:2, 6:4. Gegen Ernests Gulbis muss er sich morgen im Achtelfinal aber steigern.

Den in 3:06 Stunden hart erkämpften Erfolg über Tursunow hätte Federer auch etwas einfacher haben können. Im verlorenen zweiten Durchgang vergab er insgesamt vier Satzbälle (drei bei 6:5, 0:40, einen im Tiebreak), und auch in der Folge liess die Effizienz einiges zu wünschen übrig. Bis zum Ende konnte der Schweizer nur gerade 4 von 21 Breakchancen nützen.

Sein Fazit fiel denn auch gemischt aus: "Kurz zusammengefasst: Es war hart, den zweiten Satz so zu verlieren. Aber ich bin zufrieden, dass ich das Spiel letztlich sicher gewonnen habe."

Verlassen konnte sich Federer auf seinen Aufschlag, den er nie abgeben musste. Beim Return ortet er jedoch auch selber noch viel Verbesserungspotenzial. "Da hapert es noch etwas", gab er zu.

"Irgendwie komme ich nicht so richtig gut in die Ballwechsel rein." Der Slice springe meistens zu hoch ab.

Gegen Tursunow habe er ab dem dritten Satz versucht, weiter hinten zu returnieren. "Das hat besser funktioniert."

Allerdings wurde der 31-jährige Russe zunehmend durch eine leichte Verletzung an der Leiste behindert, die vor allem seine Bewegungen beim Return und in der Defensive einschränkten. Mit seinem Aufschlag und der Vorhand blieb er jedoch bis zum Schluss gefährlich. "Ich habe dann versucht, die Ballwechsel etwas länger zu halten", nützte Federer die Probleme Tursunows.

Federer zeigte sich durchaus zufrieden, dass er noch zu einem echten Test kam, nachdem die ersten beiden Runden ohne wirkliche Aussagekraft waren. Die positive Erkenntnis ist, dass der Basler wie jedes Jahr seit 2004 (Drittrunden-Niederlage gegen Kuerten) die Achtelfinals erreicht hat.

Insgesamt steht er in Paris zum zwölften Mal in der Runde der letzten 16, das hat vor ihm noch keiner geschafft. Mit seinem 61. Sieg hat er auch wieder zum erst heute im Einsatz stehenden Rafael Nadal als erfolgreichstem Spieler bei Roland Garros aufgeschlossen.

Allerdings ist auch ihm klar, dass er sich nun gegen den Letten Ernests Gulbis (ATP 17), der sein enormes Potenzial immer besser ausschöpft, steigern muss. Der 25-jährige Millionärssohn aus Riga gewann vergangene Woche in Nizza sein sechstes ATP-Turnier und überzeugte auch in Paris mit seinem enorm druckvollen Grundlinienspiel und einem fast nicht zu returnierenden Aufschlag.

"Gegen Gulbis wird es sicher noch schwieriger als heute", sagte Federer gestern. "Denn er serviert besser als Tursunow." Alle drei bisherigen Duelle der beiden gingen über drei Sätze, zweimal gewann der Schweizer, einmal Gulbis (vor vier Jahren in Rom). In den Achtelfinals hat der 17-fache Grand-Slam-Champion in Paris allerdings von den zwölf Partien nur eine (2000 bei der zweiten Teilnahme gegen Alex Corretja) verloren.

Spass mit den Kids

Daneben plauderte Federer auch ein wenig aus dem Nähkästchen was den Einfluss seiner zwei Zwillingspaare angeht. Die rund drei Wochen alten Söhne Leo und Lenny würden ihn in seiner Konzentration überhaupt nicht stören.

"Wenn überhaupt, bin ich als Mensch zufriedener, und das kann sich höchstens positiv auf mein Tennis auswirken. Auch, dass die knapp fünfjährigen Mädchen Myla und Charlene während seinen Matches lieber in Comics blättern, als ihm konzentriert bei der Arbeit zuzuschauen, störe ihn nicht im Geringsten. "Egal, ob sie zehn Minuten oder fünf Sätze lang da sind, ich habe immer Freude daran. Sie sind meine Inspiration."

In einem Interview mit der Sportzeitung "L'Equipe" erzählte er ausserdem, wie emotional er die kürzliche Geburt von Lenny und Leo miterlebt habe.

"Ich habe geweint, bevor wir ins Spital gefahren sind, und auch während der Geburt und danach. Am Schluss war ich völlig erschöpft."

Er sei froh darüber, seinen Emotionen so ihren Lauf zu lassen, denn dadurch werde er sich immer an diesen gewaltigen Moment erinnern können. Wegen Niederlagen habe er hingegen schon lange keine Tränen mehr vergossen. "Heute weine ich eher aus Freude."