Korruption im Tennis

Federer: «Ich würde gerne einmal Namen hören»

Roger Federer an der Pressekonferenz der Australian Open in Melbourne.

Roger Federer an der Pressekonferenz der Australian Open in Melbourne.

Was für ein Auftakt zum Australian Open! Ein riesiger Wettskandal mit 50 involvierten Spielern – die Hälfte davon sei auch in Melbourne am Start – erschüttert die Tenniswelt. Alle sind betroffen. Nur ein französischer Fan atmet durch.

Eine 16-köpfige Kerngruppe manipuliere mutmasslich die Tenniselite. Unter ihnen seien auch Sieger von Einzel- und Doppel-Titeln an Grand-Slam-Turnieren (wir berichteten).

Bei diesem Punkt beweist ein französischer Fan immerhin Humor zum bösen Spiel. Franzosen können in dem Fall nicht betroffen sein. Denn der letzte Major-Sieger der Grande Nation war Yannick Noah 1983.

Wettskandal: Tennis-Fan atmet auf

Grand-Slam-Sieger betroffen? Immerhin sind wir jetzt sicher, dass es sich nicht um Franzosen handelt.

Topspieler nicht auf zusätzliche Einnahmen angewiesen

Unter Grand-Slam-Sieger fallen natürlich die absoluten Stars wie Roger Federer, Novak Djokovic, Rafael Nadal, Andy Murray oder Stan Wawrinka. Bei ihnen scheint der Verdachtsmoment allerdings sehr klein, da sie nicht auf zusätzliche Einnahmen angewiesen sind. Novak Djokovic erklärt scheinbar gelassen: «Das sind nur Spekulationen. Es gibt keine Beweise gegen aktive Spieler.»

Auch Roger Federer wurde nach seiner Auftaktpartie gegen Nikoloz Basilaschwili darauf angesprochen: «Ich wurde am Samstag bei einem Spieler-Meeting informiert, dass diese Geschichte wieder aufgewärmt wird», sagte Federer.

Er finde das Timing für das Australian Open bedauerlich: «Aber ich kenne die Mechanismen. Es gibt überhaupt nichts Neues in dem, was nun veröffentlicht worden ist. Ich würde gern einmal Namen hören. Wurde ein Spieler kontaktiert? Oder seine Entourage? Man spricht von Grand-Slam-Siegern, die verwickelt seien. Aber an welchem Turnier? Im Einzel oder im Doppel?»

Es sei «Nonsense», auf Fragen zu antworten, die reine Spekulation seien, so der Maestro weiter.

- Gilles Simon: «Da wollte doch einfach jemand am ersten Tag eines Grand Slams eine Bombe hochgehen lassen.»

Weitere Major-Sieger der letzten Jahre, die noch aktiv sind: Marin Cilic, Juan Martin Del Potro und Lleyton Hewitt. Auf die Frage ob Match-Absprachen auf der ATP-Tour vorkommen, sagt Cilic am Rande der Australian Open: «Ich habe keine Ahnung. Ich hoffe nicht. Ich bin weit weg von alldem.»

Die Tennis Integrity Unit (TIU), welche seit 2008 Unregelmässigkeiten untersucht, habe das Bewusstsein der Spieler geschärft: «Wir werden wöchentlich vor Matchabsprachen gewarnt. Die Strafen sind enorm. Ich glaube nicht, dass jemand, der den Sport liebt, dies riskiert.»

Mit Tomas Berdych wurde noch ein weiterer Kandidat, der seit Jahren in den Top 20 zu finden ist, zu den Enthüllungen befragt: «Ich kam da nie in Kontakt damit. Das ist etwas aus der Vergangenheit.»

Mit Gilles Simon – Vizepräsident der Spielervereinigung – äussert sich noch ein weiterer Spieler, der zwar nie die ganz grossen Siege feiern konnte, aber trotzdem schon über 10 Millionen Preisgeld einstrich: «Die Vorwürfe sind unbrauchbar. Da wollte jemand einfach am ersten Tag eines Grand Slams eine Bombe hochgehen lassen.»

Auch Kei Nishikori gibt sich nach seinem Startsieg gegen Philipp Kohlschreiber ahnungslos: «Das kommt überraschend. Ich weiss nichts davon. Ich wurde nie angesprochen.»

Logisch, dass sich da jetzt keiner der Spieler gross äussern möchte. Auch die ATP und die Tennis Integrity Unit (TIU), welche die Zero-Tolerance-Devise im Tennis durchsetzen soll, halten sich zurück. «Es wäre unprofessionell, wenn wir sagen würden, dass aktuelle Spieler unter besonderer Beobachtung stehen.»

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