Tennis

Fedcup-Traum geplatzt – doch die Schweiz hat einen neuen Tennis-Star

Viktorija Golubic und Martina Hinggis unterliegen im entscheidenden, fünften Spiel gegen die Tschechinnen Pliskova und Hradecka in zwei Sätzen mit 2:6 und 2:6. Somit scheidet die Schweiz im Fedcup-Halbfinale aus.

Am Ende durften sie doch noch jubeln, die Gäste aus Tschechien. Ein Ende, welches aus Sicht der Schweizer extrem bitter und noch schmerzhafter war. Im entscheidenden Doppel unterlagen Martina Hingis und Viktorija Golubic gegen das tschechische Duo Lucie Hradecka/Karolina Pliskova klar in zwei Sätzen (2:6, 2:6).

Nach genau einer Stunde platzte der Traum der Schweizerinnen, den grossen Coup zu schaffen und sich für den Final zu qualifizieren. Wie unwahrscheinlich es war, dass sie den letzten Schritt noch schaffen würden, zeigt ein Blick auf die Statistik: Die Tschechinnen gewannen zum siebten Mal in Serie ein entscheidendes Doppel im Fed-Cup.

Golubic, die grosse Entdeckung

Dass die Schweizerinnen überhaupt von der Teilnahme am Endspiel träumen durften, dafür war die grosse Figur und die noch grössere Entdeckung dieses Wochenendes verantwortlich: Viktorija Golubic.

Selbst wenn der Schmerz über das knappe Ausscheiden in der Schlussabrechnung überwiegt: Was die Zürcherin in ihren beiden Einzeln gegen Karolina Pliskova (am Samstag) und vor allem gestern gegen Barbora Strycova zeigte, war schlicht sensationell.

Die 23-Jährige hatte selbstredend zunächst Mühe, ihre Emotionen einzuordnen: «Ich war nach meinem Sieg gegen Strycova im Hoch. Jetzt, nach der Niederlage, bin ich enttäuscht. Es ist schwierig, das alles zu verdauen. Ich werde noch eine Weile brauchen.»

Teamcaptain Heinz Günthardt brachte die Leistungen der Überraschungsfrau jedoch wie gewohnt auf den Punkt: «Ich bin nicht überrascht, wie gut Viktorija gespielt hat. Aber man konnte solche Leistungen nicht erwarten. Gegen Strycova sahen wir FrauenTennis der höchsten Klasse. Das war nicht nur für die Zuschauer speziell, sondern auch für mich. Dass ich in meinem Alter noch solche Emotionen wie hier in Luzern erleben darf, hätte ich nicht gedacht.»

Immerhin: Auch Viktorija Golubic sah im allgemeinen Nebel der Traurigkeit ein paar Sonnenstrahlen betreffend ihrer Zukunft: «Ich habe immer gewusst, dass ich grosses Potenzial besitze. In den letzten Monaten ist es mir gut gelaufen. Aber ich bin eine Spielerin, die vom Typ her lange braucht, bis sie die nötige Klarheit bezüglich ihrer Spielweise hat. Dieses Wochenende wird mir punkto Selbstvertrauen für die Zukunft sicher helfen.»

Wo Licht ist, ist aber auch Schatten. Das musste an diesem Wochenende besonders Timea Bacsinszky auf ganz bittere Art und Weise erfahren. Nach der Schmach vom Samstag gegen Strycova (0:6, 2:6) war die Lausannerin, die nominelle Nummer eins, auch am Sonntag gegen Pliskova auf verlorenem Posten.

Bis zum 4:4 im ersten Satz hielt sie mit, verlor aber dann sechs Games in Serie. Diese Schwächephase besiegelte ihr Schicksal. Die Teamleaderin konnte nichts dazu beitragen, dass den Schweizerinnen gegen den Titelverteidiger der Überraschungscoup gelingt. «In Polen vor einem Jahr habe ich den Druck ausgehalten. Aber diesmal war ich mit mir selber nicht im Reinen.

Ich konnte nicht wie gewünscht reagieren auf die Umstände.» Bacsinszky sprach damit private Probleme an, auf die sie aber nicht im Detail eingehen wollte. Offensichtlich war, dass die 26-Jährige weit von ihrer Bestform entfernt war und nie auch nur annähernd ihr Potenzial auszuschöpfen vermochte. «Ich habe viel mit Heinz gesprochen am Samstagabend. Ich wollte mich befreien, war sehr konzentriert. Aber ich habe viel Energie verloren», bedauerte die Weltranglisten-17.

Auch wenn das erträumte Happy-end nicht zustande kam: Das Schweizer Quartett wurde von den begeisterten Zuschauern mit einem herzlichen Applaus verabschiedet. Und Heinz Günthardt fand zum Abschluss die richtigen Worte: «Die Reise mit diesem Fed-Cup-Team ist noch lange nicht zu Ende. Wir greifen im nächsten Jahr wieder an.» Zumal dann mit Belinda Bencic auch wieder der grösste Schweizer Trumpf mit dabei sein dürfte.

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