Charlene und Eugenie haben es geschafft. Um elf Uhr, eine halbe Stunde vor Spielbeginn, legen sie 25 Pfund auf den Tisch, rund 37 Schweizer Franken, und erhalten dafür einen Groundpass. Damit dürfen sie 15 der 18 Plätze besuchen, auf denen in den ersten Tagen in Wimbledon gespielt wird. Roger Federer gibts dafür allerdings nicht zu sehen. Die drei grössten Plätze sind für die Groundpassbesucher tabu. Da hilft nur ein Gang zum Trainingsplatz und die Hoffnung, dass der Star dort am Werk ist und noch ein paar Autogramme schreibt, bevor er verschwindet.

Wer in Wimbledon Tennis schauen will, braucht Geduld, ausser er ist Mitglied des Klubs oder kennt sonst eine Quelle, um ein Ticket zu ergattern. Der gemeine Fan aber steht an. Viereinhalb Stunden, wie Charlene und Eugenie, die um 6.30 Uhr in die Schlange stellten. Viel später darf es nicht sein. Eine Stunde später heisst es bereits, es dauert mindestens acht, eher neun Stunden bis Sie dran kommen. Freundliche Stewards stehen den Menschen in der Schlange mit Rat und Tat zur Seite.

Wer eines der raren Tickets für Centre Court, Court 1 oder Court 2 ergattern, der muss einen Tag opfern. Um 9 Uhr morgens bauten zwei junge Engländer ihr Zelt im Park neben der Anlage auf. Der Lohn waren Tickets für Court 1, für den Centre Court standen sie einen Platz zu weit hinten. Zelten hat in Wimbledon Tradition, ist Kult, auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel geändert hat. Früher standen die Zelte auf dem Trottoir an der Church Road, heute sind die Plätze vorgegeben, es geht durch den Park und über den Golfplatz.

Anleitung zum Schlange stehen

Und es gibt strikte Regeln, extra einen «Guide to Queueing.» Unter anderem darf ein Zelt nicht mehr als zwei Leuten Platz bieten, jeder muss persönlich da sein, es gibt nur ein Ticket pro Person. Vordrängen gibt es nicht. Immerhin gibt es jetzt Nummern. Damit können die Fans die Schlange verlassen, auf die Toilette gehen, sich verpflegen oder auch mal eine kurze Runde Fussball spielen. Länger als 30 Minuten aber sollte niemand seinen Platz verlassen. Musik und Ballspiele sind ab 22 Uhr verboten, Grillieren ist ebenso verboten wie übermässiger Alkoholgenuss. Um sechs Uhr morgens ist dann die Nacht vorbei, die Zelte müssen abgebaut werden, nun heisst es anstehen.

Einmal an der Kasse im Besitz des Tickets geht die Warterei weiter. Um 9.30 Uhr dürfen die Besucher ein paar Schritte auf die Anlage warten, hinter einer Kette geht es nicht mehr weiter. Dann endlich, stellen sich die Stewards vor die Menge, um 10.30 Uhr folgt das Kommando - open the gates. «Zu ihrer eigenen Sicherheit, rennen sie nicht«, tönt es aus dem Lautsprecher. Langsam laufen die Stewards los, die Meute folgt, wird immer ungeduldiger. Es geht in geschlossener Formation um den Centre Court, dann geben die Stewards den Weg frei. Und nun sprinten die ersten los, sie wollen sich einen Platz ergattern. Sie haben sich natürlich informiert, wer wo spielt.

Der Alkohol fliesst

Andere nehmen es ruhiger, marschieren direkt an die Bar. Das erste Bier fliesst, der erste Pimm’s, ein Cocktail aus Limonade, garniert mit Früchten und Gurke, der Likör ist auf Ginbasis. Eine Jazzband spielt neben der Champagnerbar. 22 Franken kostet ein Champagnercocktail, über 100 Franken die Flasche. Fast 44 000 Besucher verstopfen die Wege auf der Anlage. Knapp neun Franken legen sie für einen kleinen Pimm’s hin, unwesentlich weniger für ein Sandwich.

Geschäftsführer Richard Lewis meldet sich über Lautsprecher: «Geniessen Sie den Tag, es wird heiss, trinken Sie viel Wasser und tragen sie einen Hut.» Die Warnung erfolgt nicht ohne Grund. Es gibt kaum Schatten auf den kleinen Plätzen und dem Henman Hill, vor dem grossen Bildschirm. Krebsrot verlassen viele Besucher am Abend die Anlage, gezeichnet von Sonne und Alkohol.