French Open
Erfolglose Tenniszeit: Das Leiden der Franzosen

Auf Gaël Monfils und Jo-Wilfried Tsonga ruhen die Hoffnungen. Einer von ihnen soll die Durststrecke der Gastgeber beim French Open beenden.

Michael Wehrle aus Paris
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Der Mann der Emotionen: Gaël Monfils reisst die Fans mit. key

Der Mann der Emotionen: Gaël Monfils reisst die Fans mit. key

KEYSTONE

Schon seit 32 Jahren warten die Franzosen auf einen Heimsieg bei ihrem Turnier. 1983 stemmte Yannick Noah als letzter Franzose den 14 Kilogramm schweren Coupe des Mousquetaires in die Höhe. 21 Zentimeter hoch und 19 Zentimeter breit ist der Pokal, den der Sieger in Roland Garros jeweils aus den Händen eines ehemaligen Stars erhält. Der Pokal soll die Siege der vier berühmten französischen Tennisspieler symbolisieren, die als die vier Musketiere bekannt sind: Jacques Brugnon, Jean Borotra, Henri Cochet und René Lacoste.Zwischen 1922 und 1932 dominierten sie die Szene. Nun träumen die Franzosen davon, dass der dreifache Sieger Gustavo Kuerten in einer Woche endlich wieder einmal einem Franzosen die Trophäe überreicht.

Am liebsten wäre ihnen wohl Gaël Monfils, der in Paris geboren ist. Er gilt als der Sehnsuchtstiller Nummer eins der Grande Nation. Wie kein anderer spielt der Sohn eines Fussballspielers aus Guadeloupe und einer Krankenschwester aus Martinique mit den Emotionen der Fans. Monfils, mal Clown, mal konzentrierter Tennisprofi, immer ein grosser Kämpfer, der auch schon mal auf Sand zum Hechtsprung ansetzt, lässt keinen kalt.

Kämpferherz

Zuletzt zeigte er das wieder in der dritten Runde gegen Pablo Cuevas. Eigentlich war «Lamonf», wie sie ihn in Frankreich liebevoll nennen, bereits ausgeschieden. 1:2 in den Sätzen und 1:4 mit einem Doppelbreak lag er zurück. Dann begann seine grosse Show. «Danke, danke, danke», rief er. Das Publikum habe ihn nach vorne getrieben und ihm einen Energieschub verliehen: «Das ist unglaublich.»

«Paris ist anders, Paris ist magisch», sagte er. Alles könne hier passieren. «Ich kann hier neue Emotionen zeigen, neues Tennis, eine Seite von mir, die ich noch gar nicht kenne», erklärte er: «Ich kann müde sein, ich spüre es nicht, weil mir so viel Adrenalin durch den Körper jagt.»

Nun soll es also der 1,93 Meter lange Schlaks richten. Der 28-Jährige, der trotz seines grossen Talentes erst fünf kleine Turniere gewonnen hat. Schon elf Jahre ist es her, da war er die unbestrittene Nummer eins der Junioren, gewann die Titel in Australien, Roland Garros und Wimbledon und gab dabei insgesamt zwei Sätze ab. Auf das US Open hatte er keine Lust. Das passt zu Monfils, der eine grössere Karriere vielleicht leichtfertig verschenkte. Manchmal gehe ihm das alles auf den Geist, dann sei ihm das Tennis «scheissegal». Er sehe Tennis nur als Sport, keinesfalls als Beruf. «Wenn ich anders glücklicher bin, lass ich es lieber», sagte er im September beim US Open vor seinem Viertelfinal gegen Roger Federer.

«Aber ich glaube schon, dass ich ein guter Arbeiter bin», betonte er damals, als er noch ohne Trainer unterwegs war. Den hat er inzwischen gefunden. Seit Ende 2014 arbeitet Monfils mit dem Deutschen Jan de Witt und dem Franzosen Gaetan Olivier als Fitnesscoach. «Wir haben ein paar kleine Sachen geändert, um mehr wichtige Partien zu gewinnen», sagte de Witt. Vielleicht zahle Monfils den Preis dafür, dass ihm etwas die Konstanz fehle. Denn wie gegen Cuevas startete er schon in der Runde zuvor gegen den Argentinier Diego Schwartzman schlecht. «Da fiel er in alte Muster zurück», erklärte de Witt. Er habe sich gesagt, er sei fit, er verteidige sich gut und sei damit zufrieden gewesen. «Dabei muss er doch nur auf meine Ratschläge hören», betonte de Witt und sagte: «Er ist in Form, er kann sehr gut spielen, er muss es nur auf dem Platz zeigen.»

Rekordmann

Möglich ist aber, dass Monfils auf dem Weg zum Titel wie schon so oft das Benzin ausgeht. Einmal kämpfte er sich in den Halbfinal vor, scheiterte vor sieben Jahren an Federer. Seine Spielweise kostet viel Kraft und in seinen drei bisherigen Partien musste er bereits 14 Sätze spielen. Schon zehnmal ging er in seiner Karriere beim French Open über fünf Sätze. Das ist Rekord.

Haushälterischer geht da Jo-Wilfried Tsonga mit seinen Kräften um. Der zweite Hoffnungsträger der Franzosen hat noch keinen Satz abgegeben und spielt sich langsam in Form. Drei Siege in Folge gelangen dem 30-Jährigen zuletzt beim US Open. Nun wartet mit dem Tschechen Tomas Berdych aber ein wirklich harter Brocken. Wie Monfils weckte auch Tsonga in den vergangenen Jahren immer mal wieder die Hoffnungen der Franzosen. Doch bisher schaffte es die aktuelle Nummer 15 der Welt nur einmal bis in den Halbfinal, vor zwei Jahren unterlag er David Ferrer.

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