Tennis
Er bringt den Wimbledon-Rasen wieder auf Vordermann

Zum Ende des Turniers präsentiert sich der heilige Rasen von Wimbledon braun. Doch zum Glück gibt es den Rasenflüsterer: Eddie Seaward bringt das Grün zurück.

Michael Wehrle
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Eddie Seawardho

Eddie Seawardho

Keystone

Braun, dreckig, so präsentierte sich der Centre-Court von Wimbledon am 8. Juli, als Roger Federer zum siebten Mal die Trophäe in die Höhe stemmte. An der Grundlinie war nichts mehr zu sehen, vom satten Grün, als zwei Wochen zuvor Novak Djokovic das Turnier eröffnet hatte.

Doch wenn am 28. Juli das olympische Tennisturnier auf der Anlage an der Church Road beginnt, wird der Centre-Court wieder genauso jungfräulich erscheinen, wie knapp fünf Wochen zuvor. Jeder Hobbygärtner würde verzweifeln, müsste er diese Aufgabe lösen, aus einem brauen Acker in 20 Tagen einen satten, grünen Rasen zu zaubern, der erst noch der Belastung durch die Tenniscracks standhält.

Geheimnis = Vorkeimen

Doch Wimbledons Chefgärtner Eddie Seaward, er trägt den Übernamen Rasenflüsterer, ist sicher, dass er und seine 20 Mannen die Herausforderung meistern. Schon seit zwei Jahren arbeiten sie daran und haben eine Lösung gefunden. Vorkeimen heisst ihr Geheimnis. Gut 300 Kilometer nördlich von London liegt das Testgebiet, sogar einen kleinen Centre-Court haben sie dort massstabsgetreu nachgebaut. Dort testet Seaward, er ist seit 1990 für den Wimbledon-Rasen zuständig, laufend auch neue Mischungen. Mit dem strapazierfähigen Weidelgras hat er seine Rasensorte schon vor Jahren gefunden.

Doch in diesem Sommer muss alles schnell gehen. Rund vier Wochen lassen sich die Rasenpfleger normalerweise nach dem Turnier Zeit. Diesmal war am Montag nach dem Final alles abgebaut, der neue Rasen wurde eingesät.

Löcher werden mit «Rasenbotox» ausgebessert

In grossen Containern wurde das Saatgut in einer Lösung mit warmem Wasser eingeweicht. Nach zwei Stunden war das Wasser aufgesogen, die Container wurden zwei Tage lang in einen 40 Grad warmen Raum gestellt, dort keimten die Saatkörner. Sobald sie einen weissen Punkt aufwiesen, waren sie bereit und wurden auf die defekten Rasenstellen gesät. Vorher weichten die Gärtner den Boden auf. Anschliessend sprühten sie flüssigen Dünger drauf. Mit einer speziellen Plane deckten sie den ganzen Platz ab, damit er nicht zu schnell austrocknete. Vier Tage später kam die Plane weg, darunter sprossen fünf Millimeter lange Halme. Zwölf Tage vor dem Turnier, die Plätze wurden sehr feucht gehalten, kürzten die Gärtner den Rasen auf zehn Millimeter und begannen die Plätze zu trocknen. Drei Tage vor dem Turnierstart folgt der Schnitt auf die acht Millimeter, auf denen gespielt wird.

Seaward pflegt die Courts noch bis zum Ende der Spiele unter anderem bessert er Löcher mit «Rasenbotox» wie er sagt, einer Lehmmischung, aus. Dann geht er mit 68 Jahren in Rente und kümmert sich nur noch um seinen eigenen Rasen. «Mähen, mähen, mähen», lautet sein Tipp. Doch nie mehr als zwei Millimeter und mit ganz scharfen Messern.

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