Swiss Indoors
Ein kroatisches Powerplay verzückte am Swiss-Indoors-Finale

Marin Cilic gewinnt die Swiss Indoors und macht damit einen grossen Schritt Richtung London. Dank seines Swiss-Indoors-Triumphs hat der Kroate in der Jahreswertung den Sprung unter die Top 9 geschafft und wäre somit für London qualifiziert.

Marcel Kuchta
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Marin Cilic küsst den Siegerpokal, Finalgegner Kei Nishikori muss ihm dabei zusehen.

Marin Cilic küsst den Siegerpokal, Finalgegner Kei Nishikori muss ihm dabei zusehen.

KEYSTONE

Kei Nishikori musste sich bisweilen vorkommen, als wäre er in Unterzahl. Aufs Eishockey übertragen: Sein Gegner Marin Cilic spielte oft minutenlang Powerplay. Der Kroate prügelte den Ball immer wieder mit Urgewalt in die Platzhälfte des Japaners – ganz zu schweigen von den donnernden, über 200 Stundenkilometer schnellen Aufschlägen. Am Ende war das Muskelspiel des fast zwei Meter grossen Cilic zu viel für den flinken und fleissigen Nishikori. Mit 6:1 und 7:6 (5) holte sich Marin Cilic den Sieg in Basel nach 97 Minuten. Es ist der erste 500er-Turniertitel für den 28-Jährigen.

Doppelfehler zum Abschluss

Nach dem klar verlorenen Auftaktsatz hatte sich Nishikori zwar noch einmal zurück in die hochklassige Partie gekämpft und beim Stand von 5:4 im zweiten Satz bei Aufschlag Cilic sogar drei Satzbälle zum Ausgleich. Doch mit drei leichten Fehlern vergab der Japaner die Chance, noch einmal in diesen Final zurückzukehren.

Es passte irgendwie zum heterogenen Auftritt der Weltnummer 5, dass sie Marin Cilic den Sieg im Tiebreak schliesslich mit einem Doppelfehler schenkte. Nishikori war an diesem Sonntag ganz einfach nicht auf der Höhe seines Könnens. Die Batterien nach dem anstrengenden Weg ins Basler Endspiel, der für den 26-Jährigen fast eineinhalb Stunden länger dauerte als für Cilic (432 zu 346 Minuten), waren ziemlich leer. Immerhin: Trotz seiner zweiten Finalniederlage am Rheinknie – 2011 war er Roger Federer unterlegen – hat sich der Japaner in der Weltrangliste auf Kosten von Milos Raonic auf Platz vier verbessert.

Unmittelbar nach dem verlorenen Final setzte sich Kei Nishikori in seinen Privatflieger Richtung Paris, wo ab heute das 1000er-Masters stattfindet. Es ist das letzte Turnier vor dem Saisonabschluss in London, wo Mitte November die World Tour Finals der besten acht Spieler der laufenden Saison über die Bühne gehen.

Während sich Nishikori für den grossen Abschluss des Tennisjahres bereits qualifiziert hat (neben Novak Djokovic, Andy Murray, Stan Wawrinka und Milos Raonic), muss Marin Cilic trotz seines Siegs in Basel noch um sein Ticket kämpfen. Dank seines Swiss-IndoorsTriumphs hat er in der Jahreswertung den Sprung unter die Top 9 geschafft und wäre, Stand jetzt, dank des Forfaits von Rafael Nadal, für London qualifiziert. Sein Vorsprung auf den ersten Verfolger Tomas Berdych beträgt 210 Punkte. Cilic muss in Paris-Bercy also mindestens gleich gut abschneiden wie der Tscheche, wenn er sich seinen Platz im Teilnehmerfeld sichern will. Dass er in London einer der beiden Ersatzleute ist, die im Verletzungsfall zum Einsatz kommen, steht seit gestern praktisch fest.

«Es war eine harte Woche für mich hier in Basel. Es ging um sehr viel für mich. Aber ich habe unter grossem Druck sehr gutes Tennis gespielt und war vor allem in den kritischen Augenblicken immer sehr fokussiert», zeigte sich Cilic sehr zufrieden mit seinen Auftritten.

Im Davis-Cup-Final

Das Turnier in der britischen Metropole ist für Marin Cilic allerdings nicht der ultimative Höhepunkt des Tennisjahres. Er steht mit Kroatien im Davis-Cup-Final gegen Argentinien. In Zagreb wird er Ende November versuchen, zusammen mit seinem Team den zweiten Titel nach 2005 zu erkämpfen. Mit seinem Powerplay à la Basel wird er für die Argentinier um Juan-Martín del Potro auf jeden Fall ein äusserst unangenehmer Gegner sein.

Hier können Sie den Live-Ticker nachlesen.