ATP-Präsident muss gehen
Djokovic übergeht Federer und Nadal: «Wenn sie etwas wollen, können sie sich auch selber melden»

Der Ende Jahr auslaufende Vertrag mit ATP-Präsident Chris Kermode wird nicht verlängert. Das wurde am Rande des Masters-Turniers in Indian Wells bekannt. Sein Hauptgegner Novak Djokovic machte über Monate Stimmung gegen den Briten. Mit Roger Federer und Rafael Nadal sprach er nie.

Simon Häring
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Novak Djokovic ist machthungrig und hört auf Spieler, die gleicher Meinung sind.

Novak Djokovic ist machthungrig und hört auf Spieler, die gleicher Meinung sind.

EPA/AP

Bitterbös, beissend, bedauernd sind sie, die Kommentare zum nahenden Aus von Chris Kermode als Präsident der Profi-Spielervereinigung ATP. Es ende ein Regime von «Armut und Terror», schreibt einer zu einer Tabelle, die illustriert, wie stark die Preisgelder in den letzten Jahren in der Ära Kermode gestiegen sind. Gleichwohl beschloss das Direktorenboard, den auslaufenden Vertrag nach sechs Jahren nicht mehr zu verlängern. Trotz Opposition aus Spielerkreisen.

Als Drahtzieher hinter der Absetzung Kermodes gilt Novak Djokovic, der den ATP-Spielerrat präsidiert. Schon Anfang Jahr während der Australian Open hatte das Thema für Dissonanzen gesorgt. Während Djokovic die Absetzung Kermodes orchestrierte, beschwerte sich Rafael Nadal, dass er in der Sache gar nicht erst angehört worden sei. Kermode genoss in Spielerkreisen offenbar grossen Rückhalt. Doch gegen die Machtgier Djokovics konnte ihn das nicht schützen.

Von langer Hand geplant

Denn die Abstimmung im Spielerrat ist konsultativer Natur. Sie hat für die drei Spielervertreter, die sich einstimmig gegen Kermode ausgesprochen haben sollen, keine Bedeutung. Hier stellte Djokovic die Weichen im November, als er für die Absetzung von Roger Rasheed sorgte. Ersetzt wurde er durch David Edges, der als Vertrauter von Justin Gimelstob gilt, der im Board sitzt und der Ambitionen auf die Nachfolge Kermodes haben soll. Er ist ein Verbündeter Djokovics.

Dass er mit seinen Machenschaften einen Keil zwischen die Spieler treibt, scheint Djokovic nicht zu kümmern. Roger Federer, der ein Jahrzehnt dem Spielerrat angehörte, hatte auf die Frage von «CH Media» in Melbourne gesagt, ihm liege die Zukunft des Sports am Herzen und signalisierte Gesprächsbereitschaft. Doch Djokovic, dessen Aufgabe als Ratspräsident es wäre, die Interessen seiner Kollegen zu vertreten, hat auch mit ihm nie das Gespräch gesucht.

Angriff auf Federer und Nadal

In Indian Wells sagte der 31-jährige Djokovic: «Wir sprachen mit vielen Spielern und versuchen, sie zu repräsentieren. Aber es gibt individuelle Meinungen, und ich respektiere auch die von Rafa.» Heisst übersetzt: Djokovic mag Gespräche geführt haben, aber eben nur mit jenen, die seine Meinung teilen. Stattdessen setzte der Serbe zum Gegenschlag an, als er sagte: «Wenn sie (Nadal und Federer; die Red.) etwas wollen, können sie sich auch selber melden.»

100. Titel, Dubai 2019 Stefanos Tsitsipas. 6:4, 6:4
100 Bilder
99. Titel, Basel 2018 Marius Copil, 7:6, 6:4
98. Titel, Stuttgart 2018 Milos Raonic, 6:4, 7:6
97. Titel, Rotterdam 2018 Grigor Dimitrov, 6:2, 6:2
96. Titel, Australian Open 2018 Marin Čilić, 6:2, 6:7, 6:3, 3:6, 6:1
95. Titel, Basel 2018 Juan Martín del Potro, 6:7, 6:4, 6:3
94. Titel, Shanghai 2017 Rafael Nadal, 6:4, 6:3.
93. Titel, Wimbledon 2017 Marin Cilic, 6:3, 6:1, 6:4
92. Titel, Halle 2017 Alexander Zverev, 6:1, 6:3
91. Titel, Miami 2017 Rafael Nadal, 6:3, 6:4
90. Titel, Indian Wells 2017 Stan Wawrinka, 6:4, 7:5.
89. Titel, Australian Open 2017 Rafael Nadal, 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3.
88. Titel, Basel 2015 Rafael Nadal, 6:3, 5:7, 6:3.
87. Titel, Cincinnati 2015 Novak Djokovic, 7:6 (7:1), 6:3.
86. Titel, Halle 2015 Andreas Seppi, 7:6 (7:1), 6:4
85. Titel, Istanbul 2015 Pablo Cuevas, 6:3, 7:6 (13:11)
84. Titel, Dubai 2015 Novak Djokovic, 6:3, 7:5.
83. Titel, Brisbane 2015 Milos Raonic, 6:4, 7:6, 6:4. - Es war Federers 1000. ATP-Karriere-Sieg.
82. Titel, Basel 2014 David Goffin, 6:2, 6:2.
81. Titel, Schanghai 2014 Gilles Simon, 7:6 (8:6), 7:6 (7:2)
80. Titel, Cincinnati 2014 David Ferrer, 6:3, 1:6, 6:2.
79. Titel, Halle 2014 Alejandro Falla, 7:6, 7:6
78. Titel, Dubai 2014 Tomas Berdych, 3:6, 6:4, 6:3.
77. Titel, Halle 2013 Michail Juschni, 6:7 (5:7), 6:3, 6:4.
76. Titel, Cincinnati 2012 Novak Djokovic, 6:0, 7:6 (9:7)
75. Titel, Wimbledon 2012 Andy Murray 4:6, 7:5, 6:3, 6:4
74. Titel, Madrid 2012 Tomas Berdych 3:6, 7:5, 7:5.
73. Titel, Indian Wells 2012 John Isner, 7:6, 6:3.
72. Titel, Dubai 2012 Andy Murray, 7:5 6:4.
71. Titel, Rotterdam 2012 Juan Martin Del Potro, 6:1, 6:4.
Federer feiert 2011 an den ATP World Tour Finals in London den 70. Titel im 100. Final Jo-Wilfried Tsonga, 6:3, 6:7, 6:3
69. Titel in Paris-Bercy Jo-Wilfried Tsonga, 6:1, 7:6
68. Titel in Basel 2011 Kei Nishikori, 6:1, 6:3
67. Titel in Doha 2011 Nikolay Davydenko, 6:3, 6:4
66. Titel an den World Tour Finals in London 2010 Rafael Nadal, 6:3, 3:6, 6:1
65. Titel in Basel 2010 Novak Djokovic, 6:4, 3:6, 6:1
64. Titel in Stockholm 2010 Florian Mayer, 6:4, 6:3
63. Titel in Cincinnati 2010 Mardy Fish, 6:7, 7:6, 6:4
62. Titel: Federer gewinnt die Australian Open 2010 Andy Murray, 6:3, 6:4, 7:6
61. Titel in Cincinnati 2009 Novak Djokovic, 6:1, 7:5
60. Titel: Wimbledon 2010 Andy Roddick, 5:7, 7:6, 7:6, 3:6, 16:14
59. Titel: Ein emotionaler Titel! Federer gewinnt 2009 endlich die French Open in Paris Robin Söderling, 6:1, 7:6, 6:4
58. Final in Madrid 2009 Rafael Nadal, 6:4, 6:4
57. Final in Basel 2008 David Nalbandian, 6:3, 6:4
56. Titel: Federer gewinnt die US Open 2008 Andy Murray, 6:2, 7:5, 6:2
55. Titel in Halle 2008 Halle. Philipp Kohlschreiber, 6:3, 6:4
54. Titel in Estoril 2008 Nikolay Davydenk0, 7:6, 1:2 (w.o.)
53. Titel in Schanghai 2007 David Ferrer, 6:2, 6:3, 6:2
52. Titel in Basel 2007 Jarkko Nieminen, 6:3, 6:4
51. Titel: US Open-Sieg 2007 Novak Djokovic, 7:6, 7:6, 6:4
50. Titel in Cincinnati 2007 James Blake, 6:1, 6:4
49. Titel: Skpektakulärer Wimbledon-Triumph 2007 Rafael Nadal, 7:6, 4:6, 7:6, 2:6, 6:2
48. Titel in Hamburg 2007 Rafael Nadal, 2:6, 6:2, 6:0
47. Titel in Dubai 2007 Mikhail Juschni, 6:4, 6:3
46. Titel: Federers Sieg an den Australian Open 2007 Fernando Gonzalez, 7:6, 6:4, 6:4
45. Titel in Schanghai 2006 James Blake, 6:0, 6:3, 6:4
44. Titel in Basel 2006 Fernando Gonzalez, 6:3, 6:2, 7:6.
43. Titel in Madrid 2006 Fernando Gonzalez, 7:5, 6:1, 6:0
42. Titel in Tokio 2006 Tim Henman, 6:3, 6:3
41. Titel: Federer gewinnt 2006 auch die US Open Andy Roddick, 6:2, 4:6, 7:5, 6:1
40. Titel in Toronto 2006 Richard Gasquet, 2:6, 6:3, 6:2
39. Titel, Federer gewinnt 2006 Wimbledon Rafael Nadal, 6:0, 7:6, 6:7, 6:3
38. Titel in Hamburg 2006 Tomas Berdych, 6:0, 6:7, 6:2
37. Titel in Miami 2006 Ivan Ljubicic, 7:6, 7:6, 7:6
36. Titel in Indian Wells 2006 James Blake, 7:5, 6:3, 6:0
35. Titel: Ein emotionaler Titel: Federer gewinnt 2006 die Australian Open Marcos Baghdatis, 5:7, 7:5, 6:0, 6:2
34. Titel in Doha 2006 Gaël Monfils, 6:3, 7:5
33. Titel in Bangkok 2005 Andy Murray, 6:3, 7:5
32. Titel: Federer gewinnt 2005 die US Open Andre Agassi, 6:3, 2:6, 7:6, 6:1
31. Titel in Cincinnati 2005 Andy Roddick, 6:3, 7:5
Federer gewinnt Wimbledon 2005, sein 30. Titel Andy Roddick, 6:2, 7:6, 6:4
29. Titel in Halle 2005 Marat Safin, 6:4, 6:7, 6:4
28. Titel in Hamburg 2005 Richard Gasquet, 6:3, 7:5, 7:6
27. Titel in Miami 2005 Rafael Nadal, 2:6, 6:7, 7:6, 6:3, 6:1
26. Titel in Indian Wells 2005 Lleyton Hewitt, 6:2, 6:4, 6:4
25. Titel in Dubai 2005 Ivan Ljubicic, 6:1, 6:7, 6:3
24. Titel in Rotterdam 2005 Ivan Ljubicic, 5:7, 7:5, 7:6
23. Titel in Doha 2005 Ivan Ljubicic, 6:3, 6:1
22. Titel in Houston 2004 Lleyton Hewitt, 6:3, 6:2
21. Titel in Bangkok 2004 Andy Roddick, 6:4, 6:0
Federer gewinnt zum ersten Mal die US Open, sein insgesamt 20. Titel Lleyton Hewitt, 6:0, 7:6, 6:0
19. Titel in Toronto 2004 Andy Roddick, 7:5, 6:3
18. Titel in Gstaad 2004 Igor Andrejev, 6:2, 6:3, 5:7, 6:3
Der zweite Wimbledon-Titel 2004: Sein insgesamt 17. Titel Andy Roddick, 4:6, 7:5, 7:6, 6:4
16. Titel in Halle 2004 Mardy Fish, 6:0, 6:3
15. Titel in Hamburg 2004 Guillermo Coria, 4:6, 6:4, 6:2, 6:3
14. Titel in Indian Wells 2004 Tim Henman, 6:3, 6:3
13. Titel in Dubai 2004 Feliciano Lopez, 4:6, 6:1, 6:2
Der erste Autralian Open-Sieg: Jahr 2004, sein 12. Titel Marat Safin, 7:6, 6:4, 6:2
11. Titel in Houston 2003 Andre Agassi, 6:3, 6:0, 6:4
10. Titel in Wien 2003 Carlos Moya, 6:3, 6:3, 6:3
Federers erster Grand Slam-Sieg: Wimbledon 2003 Mark Philippoussis, 7:6, 6:2, 7:6
8. Titel in Halle 2003 Nicolas Kiefer, 6:1, 6:3
7. Titel in München 2003 Jarkko Nieminen, 6:1, 6:4
6. Titel in Dubai 2003 Jiri Novak, 6:1, 7:6
5. Titel in Marseille 2003 Jonas Bjorkman, 6:2, 7:6
4. Titel in Wien 2002 Jiri Novak, 6:4, 6:1, 3:6, 6:4
3. Titel in Hamburg 2002 Marat Safin, 6:1, 6:3, 6:4
2. Titel in Sydney 2002 Juan Ignacio Chela, 6:3, 6:3
Roger Federers erster Titel auf der ATP-Tour, Mailand 2001 Julien Boutter, 6:4, 6:7, 6:4

100. Titel, Dubai 2019 Stefanos Tsitsipas. 6:4, 6:4

Keystone

Kolportierte 260 Millionen Franken erwirtschaften die Australian Open, 44 Millionen davon fliessen den Spielern in Form von Preisgeldern zu. Seit Kermodes Amtsantritt 2013 hat sich das Preisgeld verdoppelt. Gleichwohl erneuerte Djokovic seine Kritik, die Spieler würden nicht genug am Reibach partizipieren. Es gehe ihm nicht darum, mehr zu verdienen, sondern darum, dass mehr Menschen vom Tennis leben könnten, sagte er in Australien.

Djokovic plötzlich wortkarg

Zur Absetzung Kermodes wollte sich der sonst so redselige Djokovic nicht äussern und berief sich auf die «Vertraulichkeit» der Besprechungen und Abstimmungen. «Ich werde mich hier nicht für oder gegen ihn positionieren, denn das käme einem Bruch der Vertraulichkeit gleich.» Er bestätigte nur, dass der ATP-Spielerrat beschlossen habe, dass es Zeit sei, eine neue Führung zu suchen. Wer Kermodes Nachfolger wird, ist offen. Der Bewerbungsprozess beginnt demnächst.

Eindrückliche Machtdemonstration: Novak Djokovic liess Rafael Nadal im Final des Australian Open nicht den Hauch einer Chance.
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Der Serbe Novak Djokovic gewinnt zum siebten Mal das Australian Open und macht sich damit zum alleinigen Rekordhalter in Melbourne.
In einem einseitigen Final, der nur gerade 2:04 Stunden dauerte, liess die Weltnummer 1 dem Spanier Rafael Nadal mit 6:3, 6:2, 6:3 nicht den Hauch einer Chance.
Australian Open Final: Djokovic schlägt Nadal klar und ist jetzt alleiniger Rekordsieger
Er ist mit nun 15 Grand-Slam-Titeln die Nummer 3 der ewigen Rangliste hinter Federer mit 20 und Nadal mit 17.
Die Weltnummer 2 hatte den Final ohne Satzverlust und äusserst überzeugend erreicht.
Dort war Djokovic aber zu dominant und nahe an der Perfektion.
Im achten Grand-Slam-Final der beiden glich Djokovic auf 4:4 Siege aus.
Es war der erste, der in drei Sätzen entschieden war.
Nadal hatte überhaupt noch nie einen Major-Final derart deutlich verloren.
Der Serbe drückte der Partie gleich von Beginn weg den Stempel auf.
Djokovic gewann die ersten sechs Punkte und führte nach neun Minuten 3:0.
Im zweiten Satz hielt Nadal bis zum 2:2 mit, ehe er Djokovic die nächsten beiden Breaks zugestehen musste.
Im dritten Durchgang gelang dem Serben der frühe Aufschlagdurchbruch zum 2:1.
Danach kam Nadal zwar noch zu seinem einzigen Breakball der gesamten Partie, von einer Wende war er aber weit entfernt.
Djokovic unterstrich eindrücklich, dass er nach seiner Schaffenskrise und einer Operation am Ellbogen vor zwölf Monaten...
... wieder der Überflieger und unangefochtene Primus des Männertennis ist.
In Melbourne gewann er nach Wimbledon und dem US Open sein drittes Grand-Slam-Turnier in Folge, nachdem er noch im letzten Frühling aus den Top 20 gefallen war.

Eindrückliche Machtdemonstration: Novak Djokovic liess Rafael Nadal im Final des Australian Open nicht den Hauch einer Chance.

KEYSTONE/EPA AAP/DAVID CROSLING

Djokovic hat sein erstes Etappenziel erreicht, damit aber viele Kollegen gegen sich aufgebracht. Stan Wawrinkas Coach, Magnus Norman, schrieb: «Das ist ein trauriger Tag für das Tennis. Dieser Mann hat hervorragende Arbeit geleistet für die Spieler und die Turniere. Ich empfinde grossen Respekt vor ihm.» Kermode bewahrte Haltung. Es sei ein Privileg gewesen, für die ATP gearbeitet zu haben. Er werde seiner Arbeit bis zum Schluss mit Hingabe nachgehen.

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