Start-Up-Unternehmen
Diese beiden Aargauer revolutionieren das Schweizer Tennis

Sie sind die Schweizer Tennis-Revolutionäre: Radan Dabetic aus Staufen und Thierry Barbey aus Lenzburg. Mit ihrer Online-Plattform «GotCourts» wollen die beiden Aargauer Tennisspieler die Leute häufiger auf die Tennisplätze locken – mit Erfolg.

Silvan Hartmann
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Radan Dabetic aus Staufen (links) und Thierry Barbey aus Lenzburg möchten mit ihrem Start-Up-Unternehmen «GotCourts» die Leute häufiger und einfacher auf die Tennisplätze locken.

Radan Dabetic aus Staufen (links) und Thierry Barbey aus Lenzburg möchten mit ihrem Start-Up-Unternehmen «GotCourts» die Leute häufiger und einfacher auf die Tennisplätze locken.

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Das Schweizer Tennis erlebt derzeit eine goldene Ära. Zumindest kommt man zu diesem Schluss, wenn man die jüngsten Erfolge der Schweizer Superstars Roger Federer und Stanislas Wawrinka betrachtet. Und glaubt man den Experten, wird mit Belinda Bencic eine Schweizerin die Zukunft des Frauentennis mitprägen.

Doch so gut es an der Weltspitze auch aussehen mag – auf Clubebene stagniert das Schweizer Tennis. Viele Tennisvereine kämpfen mit sinkenden Mitgliederzahlen, die Mitglieder sind überaltert und die Vereine haben oftmals grosse Mühe, genügend Vorstandsmitglieder zu finden.

Die Wurzel des Übels liegt dabei meist darin, dass die Clubs nicht mit der Zeit gehen und an der heutigen Generation vorbei wirtschaften. Kommt hinzu, dass sie mit einem weltweiten Problem zu kämpfen haben: Umfragen verschiedener Nationalverbände zeigen, dass viele Tennisstunden nicht zustande kommen, weil der Platz oder ein Spielpartner fehlt.

«Wenn die Vereine sich diesen Problemen nicht bald mit Hilfe der Möglichkeiten der modernen Technologien annehmen, werden wohl einige nicht mehr allzu lange überleben können.»

Dieser Meinung sind Radan Dabetic aus Staufen und Thierry Barbey aus Lenzburg. Beide sind begeisterte Tennisspieler und haben sich entschlossen, mit ihrem Start-Up eine mögliche Lösung für die Probleme vieler Tennisvereine zu entwickeln: Sie wollen den Tennissport der breiten Öffentlichkeit einfacher zugänglich machen.

Auf der Online-Plattform «GotCourts» – die sich nicht zuletzt auch über eine App auf dem Smartphone bedienen lässt – können Tennisspieler mit wenigen Klicks nach freien Plätzen und potenziellen Spielpartnern in ihrer Region suchen.

Neun Mal ins Leere telefoniert

Die Idee für das Projekt entsprang einem Ärgernis: An einem Sommertag vor fünf Jahren wollte Radan Dabetic einen Tennisplatz reservieren. Er telefonierte zwischen Freunden und Tenniscentern hin und her. Insgesamt neun Mal – ohne Erfolg. Frustriert gab er auf, die Tennisstunde fiel ins Wasser. Dafür aber war die Idee für das Online-Reservationssystem geboren.

In Eigenregie hatte der 35-jährige IT-Spezialist Radan Dabetic eine erste Version des Produkts – damals unter dem Namen MYtins – ins Leben gerufen.

Innerhalb von drei Jahren konnte er 20 Anlagen von seinem System überzeugen, darunter alle öffentlichen Anlagen der Stadt Zürich und der Akademischen Sportverband Zürich.

Gelungener Start

Doch mit dem Erfolg stand Dabetic vor einem Problem: Das MYtins-Projekt wurde immer grösser. Dabetic holte Verstärkung: Thierry Barbey – ein alter Tennisfreund und langjähriges Vorstandsmitglied des Tennisclubs Lenzburg -, sowie ein professionelles Programmiererteam gehörten neu zum Start-Up-Unternehmen.

Aus «MYtins» wurde «GotCourts» und aus dem Hobbyprojekt eine Aktiengesellschaft mit rund 15 Mitarbeitenden mit Sitz in Schlieren.

Im Frühjahr 2014 wurde die erste Version des ausgeklügelten Online-Reservationssystems GotCourts veröffentlicht. Ihre vorherigen Berufe haben Dabetic und Barbey zugunsten ihres Unternehmens aufgegeben.

Der Erfolg gibt ihnen bisher Recht: Innerhalb eines Jahres stieg die Anzahl der Vereine, die GotCourts angehören, von 20 auf über 100. Tendenz steigend. Und auch die Statistiken der Mitglieder-Vereine geben Anlass zur Freude: Der administrative Aufwand für die Clubführung ist nach der Einführung der GotCourts-Software gesunken, während die Platzauslastung und die Einnahmen praktisch bei allen Anlagen merklich angestiegen sind. So lässt sich auch der jährliche Betrag von 179 Franken pro Platz, den die Anlagen für die Benutzung der Software-Lösung bezahlen müssen, verkraften.

Tool für Jung und Alt

Für die Tennisspieler ist die Benutzung von «GotCourts» gratis. Und so passt auch der Slogan «Just add game»: Die Spieler müssen auf der Plattform nur noch das Spiel hinzufügen, alles andere erledigt «GotCourts». «Unsere Plattform muss möglichst einfach zu bedienen sein, denn sowohl ein 10-Jähriger als auch ein Senior muss sich zurecht finden», sagt Dabetic.

Heute nutzen bereits zehntausende Tennisspieler aktiv das Angebot von «GotCourts» und gegen 100 Vereine verwalten ihre Plätze mit der Software-Lösung der beiden Aargauer.

Die Marschroute des Start-Ups ist klar: Möglichst viele Tennisspieler und Vereine sollen die Plattform nutzen – auch im Ausland: Mittlerweile ist «GotCourts» bereits in fünf Sprachen verfügbar.

Mehr Informationen zum Start-Up-Unternehmen entnehmen Sie hier