Wimbledon

Die Spielverderber für Roger Federer lauern überall

128 Tennisprofis greifen von Montag und Dienstag an nach der Krone von Wimbledon. Echte Chancen auf den Titel hat aber wohl etwas mehr als eine Handvoll von ihnen.

Für die Buchmacher ist die Sache klar: Novak Djokovic ist der grosse Favorit. Beim Wettanbieter «bwin» beträgt die Quote 2,40 bei einem Sieg der Weltnummer eins. Ihm am nächsten kommt Andy Murray mit 3,60. Gewinnt Roger Federer, gibt es immerhin schon das Siebenfache des Einsatzes zurück und Stan Wawrinka bringt es auf eine Quote von 16, noch deutlich vor Rafael Nadal mit 23.

Natürlich gibt es da auch noch Spieler wie den Tschechen Tomas Berdych, den Japaner Kei Nishikori, den Kanadier Milo Raonic oder den Bulgaren Grigor Dimitrov. Doch wäre es schon eine grössere Überraschung, würde einer von ihnen in zwei Wochen als neuer Wimbledon-Sieger den berühmten Centre Court verlassen.

Djokovic, Murray, Nadal und Wawrinka haben eines gemeinsam. Jeder von ihnen hat schon mindestens zwei Grand-Slam-Turniere gewonnen, mit Ausnahme von Wawrinka hat auch jeder bereits einen Wimbledontitel. Sie dürften wohl die grössten Spielverderber für Federer auf dessen Weg zum achten Triumph werden.

Djokovic nicht mehr unbesiegbar

Bis vor zwei Wochen schien Titelverteidiger Djokovic unschlagbar. Seit November hatte der Serbe kein grosses Turnier mehr verloren, in dieser Zeit bei den World-Tour-Finals triumphiert, das Australian Open gewonnen und fünf Titel bei den Turnieren der Serie ATP-Masters-1000 geholt. Souverän hatte er in Paris Rafael Nadal in die Schranken gewiesen. Doch dann scheiterte er im Final an Wawrinka. Er sagt, diese Niederlage habe keine Spuren hinterlassen.

Djokovic hat seit Paris pausiert, kein ernsthaftes Match auf Rasen bestritten. Und in einem Showmatch unterlag er am Freitag dem Deutschen Talent Alexander Zverev. Doch ist dem 28-Jährigen zuzutrauen, dass er dieses Handicap wegsteckt, wie das auch schon Federer in früheren Jahren tat. Djokovic fühlt sich inzwischen auf dem Rasen wohl, hat schon zweimal in Wimbledon gewonnen.

Mit Philipp Kohlschreiber hat er zwar einen sehr unangenehmen Erstrundengegner, den ersten nicht gesetzten Spieler. Aber der Deutsche ist nicht gerade als Riesentöter bekannt. Er ärgert zwar manchmal die Stars mit richtig gutem Tennis, wenns aber dann drauf ankommt, packt er nicht zu.

Murray mit Heimvorteil

Der ganz grosse Druck auf Murray ist weg, seit er vor zwei Jahren endlich wieder einmal die Trophäe auf die Insel holte – 77 Jahre nach Fred Perry. Natürlich erwarten die Briten dennoch, dass dieser Erfolg keine Eintagesfliege bleibt. Und ein weiterer Erfolg könnte der Beziehung zwischen dem Schotten und den Fans wirklich nicht schaden. So richtig gross ist die Liebe noch immer nicht. Murray scheint bereit. Er gewann vor einer Woche das Turnier im Londoner Queen’s Club.

Mit einem Turniersieg auf Rasen im Gepäck kommt auch Rafael Nadal. Er siegte in Stuttgart, wo allerdings die Konkurrenz nicht so gross war wie in Queen’s. Die beste Zeit des Spaniers auf Rasen scheint aber vorüber. Fünf Mal stand er schon im Final, zwei Mal hat er gewonnen. Doch in den vergangenen drei Jahren war immer früh Schluss. Niederlagen kassierte er in der zweiten Runde, in der ersten und im Achtelfinal.

Konkurrenz auch aus den eigenen Rängen

Weiter als bis in den Viertelfinal hat es Wawrinka in Wimbledon bisher noch nicht gebracht. Vor einem Jahr allerdings brachte er dort Federer gehörig ins Schwitzen, bis ihm das Benzin ausging. Wawrinka musste wegen Regens an drei Tagen in Folge gegen den ausgeruhten Kollegen spielen.

«Seit drei Jahren läuft es auf Rasen immer besser und im vergangenen Jahr habe ich den Weg gefunden, mein bestes Tennis auf Rasen zu spielen», sagte er. Grundsätzlich habe er sein Spiel auf allen schnellen Belägen in den vergangenen Jahren sehr verbessert. Inzwischen fühle er sich überall wohl.

Ein paar kleine Änderungen gelte es auf Rasen zu beachten, der Ball springe nicht so hoch ab, er müsse schneller reagieren. Dank des Sieges beim French Open sei er auch voller Selbstvertrauen und nach vielen Trainings mit seiner Form zufrieden.

«Super gehts mir im Moment», sagte er lächelnd auf dem Weg ins Training. Auch weil er die Zeit geniesst, statt im Hotel vier Wochen lang im eigenen, gemieteten Haus zu wohnen, dort zu kochen und sich zu entspannen.

Meistgesehen

Artboard 1