Damit deutet nach dem ersten Tag fast alles auf einen Davis-Cup-Final in der zweiten Novemberhälfte in Lille zwischen Frankreich und der Schweiz hin. Auch die Franzosen führen in ihrem Halbfinal im Stade Roland-Garros von Paris gegen Tschechien bereits mit 2:0; auch die "équipe tricolore" gab noch keinen Satz ab. In beiden Halbfinals kann die Entscheidung schon am Samstag im Doppel fallen.

In Genf begann dank Roger Federer (ATP 3) das Davis-Cup-Spektakel nach Plan: Eine Gala legte Federer nicht hin. Simone Bolelli (ATP 76), der vorher noch nie mehr als vier Games in einem Satz gegen Federer gewonnen hatte, schaffte es im ersten Satz ins Tiebreak und ärgerte seinen Gegner auch während der Fortsetzung. Vor allem dank seiner Aufschlagleistung (neun Asse) kontrollierte Federer die Partie permanent. Der 33-jährige Basler brachte 69 Prozent seiner ersten Aufschläge ins Feld. Alleine im zweiten Satz realisierte er mit dem Aufschlag mehr als 20 direkte Punkte.

In der Schlussphase des zweiten Satzes realisierte Federer die Vorentscheidung. Zum 4:3 gelang ihm nach fast anderthalb Stunden der erste Aufschlagdurchbruch des Spiels. Bolelli schnupperte zwar vor und nach dem Break bei 3:2, 3:4 und 4:5 ebenfalls an einem Break, vermochte seine Möglichkeiten jedoch nicht zu nutzen. Dieses Bild änderte sich auch im dritten Satz nicht mehr. Schon früh (zum 1:3) kassierte Bolelli nach einem Doppelfehler, einem groben Grundlinienfehler und einem äusserst glückhaften NetzrollerFederers zum Abschluss ein weiteres Break. Seine einzige Möglichkeit, nochmals ins Spiel zurückzufinden, vergab Bolelli beim Breakball zum 3:3-Ausgleich fahrlässig.

Bei zwei seiner drei Breakbälle im gesamten Spiel verschlug Bolelli Aufschlag-Returns nach äusserst langsamen und kurzen zweiten Aufschlägen Federers (141 und 140 km/h). Nach zwei Stunden und 19 Minuten nutzte Federer seinen zweiten Matchball.

Wawrinka zitterte nur kurz

Mit der 1:0-Führung im Rücken liess auch Stan Wawrinka (ATP 4) nichts anbrennen. Er deklassierte Fabio Fognini (ATP 17), den italienischen Team-Leader, in nur anderthalb Stunden mit 6:2, 6:3, 6:2. Nach 50 Minuten musste Wawrinka für kurze Momente um den Sieg bangen. Nach einer 6:2, 3:1, 30:0-Führung verspielte er den Break-Vorsprung und musste einen weiteren Breakball Fogninis zum 4:3 abwehren. Zehn Minuten später hatte sich Wawrinka mit 6:3 aber auch den zweiten Satz gesichert. Und weitere fünf Minuten später führte er auch im dritten Durchgang bereits wieder mit einem Break.

Weil sich Fabio Fognini ausser Rand und Band präsentierte, und weil Italiens Starspieler schon seit Wochen der Bestform hinterher läuft, erscheint eine Wende in dieser Davis-Cup-Begegnung fast nicht mehr möglich. Die Schweizer werden sich sogar Gedanken machen, ob man am Samstag tatsächlich mit Federer und Wawrinka zum Doppel antreten soll. "Diese Gedanken machen wir uns immer", so Federer. "Die Frage lautet: Ist das Doppel das wichtigste Spiel, oder ist es intelligenter, allenfalls Kräfte für die Einzel vom Sonntag zu schonen."

Nominiert sind für das Doppel derzeit Roger Federer und Stan Wawrinka für die Schweiz, respektive Paolo Lorenzi und Andreas Seppi für die Italiener. Die Aufstellung kann jedoch bis Samstagmittag ohne Angabe von Gründen gewechselt werden.

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