Tennis
Die fabelhafte Welt der Caroline hat noch immer einen Makel

Caroline Wozniacki steht an der Spitze der Weltrangliste und fühlt sich in der High Society zu Hause. Mit Tennis harter Arbeit will sich die Dänin endlich den Traum vom ersten Grand-Slam-Sieg erfüllen.

Ulrike Weinrich, Stuttgart
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Die fabelhafte Welt der Caroline Wozniacki
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 Caroline Wozniacki bei einer zweihändigen Rückhand.
 Caroline Wozniacki setzte sich gegen Francesca Schiavone durch.
 Elfter Turniersieg der Karriere für die Dänin Caroline Wozniacki.
 Caroline Wozniacki siegte in New Haven.

Die fabelhafte Welt der Caroline Wozniacki

In der fabelhaften Welt der Caroline ist der Glamour inzwischen zu Hause. Die beste Tennisspielerin des Universums schwebte per Privatjet eines Freundes aus Monte Carlo zum Turnier in Stuttgart ein, nachdem sie in Monaco zuvor in edelster Robe mit Fürst Albert gespeist hatte. Der Abschluss eines weiteren Mega-Vertrages mit einem Hersteller von Luxusuhren geriet da fast zur Nebensache. Keine Frage: Caroline Wozniacki ist en vogue.

Doch die 20-jährige Dänin, die in ihrer Karriere bereits rund 6,6 Millionen Euro an Preisgeld verdiente, hat auch ein anderes Gesicht. Eines, das sie als harte Arbeiterin auf dem Court zeigt. «Ich bin schon ein Morgenmuffel. Aber ich stehe jeden Tag um 6.15 Uhr auf, gehe dann laufen und zum Training. Wenn du den Fokus auf den Sport legst, muss das so sein», sagte Wozniacki, die in Stuttgart durch ein 6:1, 6:2 gegen Zuzana Kucova mühelos in den Viertelfinal einzog.

«Dabei habe ich doch immer meine Nägel schön lackiert»

Der Blondschopf mit polnischen Wurzeln wirkt angenehm unbekümmert in diesen Tagen, beantwortet jede Frage und gibt sogar Einblicke in private Dinge. Wozniacki verriet beispielsweise, dass sie mit der Weltranglisten-Fünften, der Weissrussin Viktoria Asarenka, einen Wettstreit hatte, wer von beiden denn besser flirten könne. Und Wozniacki musste eine ihrer seltenen Niederlagen hinnehmen. «Viktoria hat gewonnen. Denn sie hat einen Freund, ich nicht», sagte Wozniacki und witzelte: «Dabei habe ich doch immer meine Nägel schön lackiert.» So offen und gewitzt ging die Branchenführerin nicht immer mit der Presse um. Noch bei den Australian Open im Januar fühlte sie sich von den Journalisten unverstanden und ahnte wohl, dass ihr der Makel der langweiligen Gesprächspartnerin anhaftete. Und die in Tennisoutfits von Modeschöpferin Stella McCartney spielende Wozniacki reagierte auf ihre Weise.

Die Tochter eines ehemaligen Profifussballers erfand kurzum eine putzige Geschichte von einem hilflosen, verletzten Baby-Känguru, dem sie in einem Naturpark in Melbourne helfen wollte. Das Tier schlug aus und erwischte die weltbeste Tennisspielerin angeblich. «Ich habe einen bösen Kratzer abbekommen.» So jedenfalls erzählte es Wozniacki in der Pressekonferenz. Nachher deckte Caro den Schwindel per Twitter auf: «Ich hoffe, euch hat die Geschichte gefallen. Manchmal merkt man eben, dass ich blond bin.» Die deutsche Spitzenspielerin Andrea Petkovic hat nur Lob für die Konkurrentin parat. «Caroline ist immer freundlich, jeder mag sie. Auch ihr Vater ist sehr relaxt und bodenständig», sagte Petkovic. Genervt reagiert Wozniacki, die bei der Fashion Week am Rande der US Open 2010 in New York mit der berühmt-berüchtigten «Vogue»-Chefredakteurin Anna Wintour in der ersten Reihe sass, nur auf die immer wiederkehrende Frage nach dem Wann. Wann sie denn endlich ihr erstes Grand-Slam-Turnier gewinnen werde? Wozniacki zieht die akkurat gezupften Augenbrauen hoch und setzt ihr Pokerface auf: «Ach, ich verdiene es einfach, da zu stehen, wo ich stehe. All das Gerede interessiert mich nicht.» Basta.

Ruhig sitzen geht nicht

Bei der Jagd nach dem Premierensieg bei einem der vier Major-Turniere setzt die Indian-Wells-Siegerin vor allen Dingen auf den Fitness- und Fleiss-Faktor. Am Montag hatte die Wahl-Monegassin bereits um zehn Uhr am Morgen zwei Übungseinheiten absolviert. Die Nummer eins scheint die richtige Balance zwischen Pflichtprogramm und Kür gefunden zu haben. Wozniacki: «Ich lebe nach dem Motto: Erlebe und geniesse den Moment. Ich habe natürlich wenig Zeit, aber ich kann sowieso nicht lange ruhig sitzen.» Sagts und entschwindet lächelnd in ihrer giftgrünen Trainingsjacke. Die fabelhafte Welt wartet.