Davis Cup
Der verrückte Italiener will die Schweiz im Davis-Cup stoppen

Fabio Fognini hat am Wochenende ein klares Ziel: Er will Federer und Co. besiegen. Ab Freitag spielt die Schweiz im Davis-Cup-Halbfinal in Genf gegen Italien um den Einzug in den Final, dem Duell um die hässlichste Salatschüssel der Welt.

Michael Wehrle
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Ein Badboy: Fabio Fognini.

Ein Badboy: Fabio Fognini.

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In Sachen Davis-Cup haben die Italiener den Schweizern einiges voraus. 1976 gewannen sie die hässlichste Salatschüssel der Welt, das haben die Schweizer noch nie geschafft. Sechs weitere Male erreichten sie den Final, zuletzt unterlagen sie Schweden im Jahr 1998.

Mit einem einzigen Finaleinzug, 1992 gegen die USA, fällt die Bilanz der Schweizer Tenniscracks deutlich bescheidener aus. Diese Bilanz will das Schweizer Team von Freitag bis Sonntag in Genf aufbessern, nicht nur der zweite Finaleinzug ist das Ziel, nein, Roger Federer, Stan Wawrinka und ihre Kollegen wollen endlich den Cup in die Höhe stemmen. Zwei Siege trennen sie noch davon. Aber vom Endspiel spricht niemand, zunächst stehen die Italiener im Halbfinal im Weg.

Lausbub und noch schlimmer

Auf dem Papier ist das eine klare Sache, doch die Tennisfans erinnern sich, wie schwer sich die Schweizer im Viertelfinal gegen Kasachstan taten. «Und die Italiener sind stärker», sagt Federer. «Wir sind der Favorit, wir haben Heimvorteil, aber das garantiert noch keinen Sieg.»

Im Ranking des Davis-Cups liegen die Italiener als Nummer sechs sogar einen Platz vor den Schweizern, schon das zeigt, dass sie nicht nur ein Sparringspartner sind. «Wir spielen gegen zwei Champions, aber wir versuchen, zu gewinnen», sagt Italiens Captain Corrado Barazzutti, einst die Nummer sieben der Welt.

Dabei setzt der inzwischen 61-Jährige auf eine Wundertüte: Fabio Fognini, im Moment wohl der verrückteste Tennisprofi auf der Tour, manchmal ein Lausbub, manchmal aber noch viel schlimmer. «Manche finden ihn lustig und mit ihm im Ausgang ist es sicher lässig, aber ich kenne ihn zu wenig, um mir ein genaues Urteil zu erlauben», sagt Marco Chiudinelli, die Nummer drei im Schweizer Team.

Chiudinelli hat Fognini schon bezwungen

Vor vier Jahren hat er ihn geschlagen, auf Sand in Nizza, der Lieblingsunterlage von Fognini. «Ich schlug stark auf, gewann den ersten Satz 7:5, schaffte ein Break im zweiten und es war gelaufen», erinnert sich Chiudinelli. Das ist typisch für Fognini. Wenn es ihm nicht läuft, hört er auf zu kämpfen. «Ich verstehe das nicht, wir arbeiten schliesslich alle hart und dann schenkt er ab und zu die Matches einfach her», sagt Chiudinelli.

Fognini spielte lange ohne grosse sportliche Ausrufezeichen auf der Tour. 2009 siegte die Schweiz in Genua im Davis-Cup gegen Italien, Fognini durfte nicht spielen und war extrem sauer. Für den nun 27-Jährigen aus San Remo wär es ein richtiges Heimspiel gewesen.

Im vergangenen Jahr startete der Italiener plötzlich durch. Er siegte in Stuttgart und eine Woche später in Hamburg. Er kratzte an den Top Ten. Inzwischen ist er zwar wieder die Nummer 17 der Welt. «Er kann das Top-Level aber wieder erreichen», sagt Federer.

Fognini, seit einigen Monaten mit seiner Berufskollegin Flavia Pennetta liiert, rastet auf dem Platz auch mal aus, beleidigt Gegner und Schiedsrichter. Als «Scheiss-Zigeuner» beschimpfte er im Sommer den Serben Filip Krajinovic. Später entschuldigte er sich via Twitter: «Ich habe einen Fehler gemacht, ich wollte niemanden angreifen», schrieb er. «Ich kenne Filip sehr gut und alle, die im Sport sind, wissen, dass man manchmal ausrastet und dumme Sachen sagt.»

Formtief oder nicht?

27’500 Dollar Busse kassierte Fognini dieses Jahr in Wimbledon, weil er sich unter anderem mit dem Oberschiedsrichter anlegte: «Nächstes Mal haue ich mein Racket auf deinem Kopf kaputt, nicht auf dem Boden.» Zuletzt schied Fognini beim US Open gegen den Franzosen Adrian Mannarino sang- und klanglos aus.

Das muss aber nicht unbedingt viel heissen. Auch wenn Fognini in diesem Jahr keine Topspieler an den Turnieren geschlagen hat, so stellte er mit dem Erfolg über Andy Murray im Viertelfinal des Davis-Cups die Weichen auf Erfolg. «Und ich habe Stan ja im letzten Jahr geschlagen», sagt er.

Komplettiert wird das italienische Team durch Andreas Seppi, Nummer 48 der Welt, Simone Bolleli, vor Jahren als die italienische Antwort auf Federer gefeiert, heute die Nummer 76. Gar ein Heimspiel hat der Vierte im Team: Paolo Lorenzi. Die Nummer 78 wurde zuletzt mit Genf-Cologny Schweizer Meister im Interclub.