Nichts deutet auf Probleme hin, als das Schweizer Davis-Cup-Team seinen ersten Auftritt in Lille hat. Die Stimmung bei der Presskonferenz ist gut, dabei verläuft längst nicht alles in den gewünschten Bahnen. Roger Federers Rücken spielt noch immer nicht mit. Immerhin ist der Konflikt mit Stan Wawrinka ausgeräumt. Das betonen beide, auch wenn Wawrinka irgendwann einmal lachend meinte: «Es ist gut, wenn wir nicht mehr miteinander reden, sondern nur noch über Severin Lüthi kommunizieren.»

Der Davis-Cup-Captain hatte schliesslich geholfen, die Wogen zwischen den beiden zu glätten. Sauer war Wawrinka gewesen, weil ihn Federers Frau Mirka am Samstag gegen Ende des Halbfinals der ATP World Tour Finals in London als «Heulsuse» bezeichnet hatte.

Letzte Tage waren nicht einfach

«Die letzten Tage mit dem Verzicht auf den Final in London waren nicht einfach für mich», sagte Federer. Am besten wäre wohl gewesen, Wawrinka hätte bei 5:3 den Match beendet: «Dann hätte ich kein Rückenproblem und diese andere Diskussion wäre erst gar nie entstanden.»

So aber bangt das Schweizer Team um seine Nummer eins. «Es geht zwar etwas besser, aber an ein Training war noch nicht zu denken», sagte Federer. Er gehe spazieren, lasse sich behandeln, massieren. «Ich hoffe schon, dass ich spielen kann», sagte er. Der Körper erhole sich ja. Aber erst auf dem Platz erhalte er die Antworten, die er brauche. «Alles andere sind nun Spekulationen im luftleeren Raum», sagte er. Was genau das Problem seines Rückens sei, wolle er nicht sagen, um nicht unnötige Spekulationen anzuheizen.

Alt genug, das zu klären

Überflüssige Diskussionen habe es ja zuletzt genug gegeben. «Wir sprachen nach dem Match miteinander», sagte Federer. Und wegen dieser Szene sei alles geklärt. Er selbst sei ja auf der anderen Seite des Platzes gewesen, weit weg. «Wir sind alt genug, wir haben Severin als Trainer, Davis-Cup-Captain und Freund, der uns beistand», erklärte Federer. Sie hätten keine Probleme miteinander, sondern jetzt zusammen eine gute Zeit. «Wir sind Freunde, nicht Feinde», betonte Federer. Das alles sei im Affekt passiert. Und mehr wolle er dazu nicht mehr sagen.

Schiedsrichter Cédric Mourier gab gestern noch ein Interview zu diesem Thema, erwähnte dabei ausdrücklich Mirka Federer, wollte aber auch nicht dramatisieren. «Ich denke er hat dazu gar nichts zu sagen», erklärte Wawrinka. Wie Federer schon erwähnt habe, hätten sie kein Problem miteinander. «Wir haben direkt nach dem Match miteinander gesprochen, nicht nur über dieses Thema, sondern auch über andere Sachen.

Keine grosse Sache

Wir wissen, wie wir damit umgehen müssen, wenn solche kleine Probleme anstehen», erklärte Wawrinka. Vieles sei in diesem Match passiert, der Schiedsrichter habe keinen guten Job gemacht, so zu Beginn des dritten Satzes, als er Wawrinkas Fehlschlag gut gegeben habe. «Ich habe nicht mehr zu sagen, weil es von der Presse aufgebauscht wurde», so Wawrinka. Fünf Minuten lang hätten sie darüber gesprochen und ihre Gedanken zum Hauptziel des Wochenendes, zum Davis-Cup, ausgetauscht.

«Zunächst einmal hat der Schiedsrichter keine Interviews zu geben», stimmte Federer seinem Kumpel bei. Und ob der nun den Namen seiner Frau erwähnt habe, spiele für ihn überhaupt keine Rolle.

«Solch kleine Dinge können passieren, für uns ist es nicht wichtig», sagte Wawrinka. Sie hätten gleich dafür gesorgt, dass es gar nicht erst an Bedeutung gewinne. Solche Diskussionen gebe es: «Wir hatten noch nie grosse Probleme miteinander, obwohl wir uns schon lange kennen.» Sie seien Freunde: «Wir wissen, dass es in einem einzelnen Tennismatch, besonders in einem Halbfinal, Spannungen geben kann.» Jeder wolle gewinnen, doch danach sei es vorbei, egal wie der Sieger heisse. So gratulierte Wawrinka seinem Bezwinger am Sonntagnachmittag noch einmal per Twitter. Federer dagegen teilte tags darauf mit, wie sehr er sich freue, im Team zu sein.

Mehr zusammengeschweisst

«Das alles hat uns noch mehr zusammengeschweisst», sagte Lüthi. Sie hätten kurz zusammen über diese Gerüchte geredet. Für sie sei es nie eine grosse Geschichte gewesen. Sondern eine Geschichte, die von der Presse aufgebauscht worden war.

Am Ende verbreiteten Wawrinka und Federer noch einmal gute Laune. «Wir warten, bis ihr alle draussen seid», sagte Wawrinka zu den Journalisten: «Sonst bekommt ihr noch mit, dass Roger nicht einmal mehr aufstehen kann.» Der konterte: «Ich bleibe hier sitzen bis morgen, ich bewege mich nicht.»