Kommentar
Das Swiss Indoors haben den Stresstest bestanden

Die Swiss Indoors 2016 werden nicht als sportliches Highlight in die Annalen des grössten Sportanlasses der Schweiz eingehen. Wenn Figuren wir Roger Federer oder Rafael Nadal fehlen, dann lassen sich diese Lücken unmöglich schliessen. Trotzdem: Die Swiss Indoors haben in diesem Jahr ihren «Stresstest» bestanden.

Marcel Kuchta
Marcel Kuchta
Merken
Drucken
Teilen
Marin Cilic ist der Sieger des diesjährigen Swiss Indoors - das auch ohne die Anwesenheit der Topstars eine positive Bilanz ziehen kann.

Marin Cilic ist der Sieger des diesjährigen Swiss Indoors - das auch ohne die Anwesenheit der Topstars eine positive Bilanz ziehen kann.

Keystone

Viele Tennisturniere unseres Planeten würden sofort unterschreiben, wenn man ihnen einen Final zwischen der Weltnummer 5 und der 12 anbieten würde. Der Japaner Kei Nishikori und der Kroate Marin Cilic duellierten sich gestern in Basel um die Nachfolge von Roger Federer als Titelhalter der Swiss Indoors. Sie zeigten Tennis auf höchstem Niveau, erfüllten sämtliche Erwartungen. Und trotzdem fehlte an diesem wunderbaren Sonntag-Nachmittag irgendwie der Hauch des Zaubers.

Vor einem Jahr standen sich im Final in der St. Jakobshalle mit Roger Federer und Rafael Nadal zwei der grössten Figuren der Tennisgeschichte gegenüber. Eine bessere Affiche kann man sich als Turnier nicht wünschen. Mehr geht nicht. Und darum ist alles, was danach kommt, gefühlsmässig nur noch halb so viel wert. Unfair? Natürlich.

Aber trotz allem die Realität. Die Swiss Indoors 2016 werden nicht als sportliches Highlight in die Annalen des grössten Sportanlasses der Schweiz eingehen. Es wurde grossartiger, spannender (Tennis-) Sport geboten. Aber eben nicht mehr. Wenn Figuren wir Roger Federer oder Rafael Nadal fehlen, dann lassen sich diese Lücken unmöglich schliessen. Auch nicht durch Stan Wawrinka, der sich in diesem Jahr nach Kräften bemühte, aber seinen Basel-Komplex trotz allem nicht besiegen konnte.

Trotzdem: Die Swiss Indoors haben in diesem Jahr ihren «Stresstest» bestanden. In ein paar Jahren, wenn die Weltstars Feder und Nadal die grosse Bühne verlassen haben, dann muss die Show weitergehen. Dass man in Basel bereit ist, diese Herausforderung zu bewältigen, zeigte die diesjährige Ausgabe. Die Organisation ist top, das Drumherum passt perfekt.

Die Spieler kommen gerne. Deshalb glaubt man Turnierpräsident Roger Brennwald, wenn er davon träumt, dass die Swiss Indoors im Rahmen der ATP-Reform im Hinblick auf das Jahr 2019 in eine neue, höhere Kategorie eingestuft werden – auch wenn er es gestern als nicht mehr als eine «vage Idee» bezeichnete. Mit der umgebauten St. Jakobshalle werden dannzumal auch die Rahmenbedingungen noch professioneller, als sie es jetzt schon sind.

Vorderhand steht aber die Vorfreude auf das Turnier 2017 im Vordergrund. Dann hoffentlich wieder mit Roger Federer und Rafael Nadal.