In der ziemlich perfekten Welt des Tennis ist es eher ungewöhnlich, wenn mal etwas nicht so ganz passt. Während also der Moderator der Fed-Cup-Auslosungszeremonie in Luzern konsequent vom «Team Czechia» sprach, liefen die Spielerinnen und der Trainerstab mit ihren offiziellen Tenues ein, auf denen auf dem Rücken die Aufschrift «Czech Republic» prangte. Des Rätsels Lösung: Während sich der Moderator den aktuellen Gegebenheiten anpassen konnte, hatte die tschechische Delegation keine Chance, auf die neusten Entwicklungen zu reagieren. Genau gestern wurde nämlich bekannt, dass die Tschechische Republik in Zukunft nur noch Tschechien heissen wird.

Auf die Performance der Tschechinnen wird dieser Wechsel freilich keinen Einfluss haben. Sie werden für die Schweizerinnen so oder so eine hohe Hürde auf dem Weg in den Final darstellen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Nummer eins der Tschechinnen, Karolina Pliskova, ist satte 1,86 Meter gross und überragt die beiden Einzelspielerinnen der Schweiz, Timea Bacsinszky (1,70m) und Viktorija Golubic (1,70m) fast um eine Haupteslänge.

Für die Schweizerinnen jedoch kein Grund, in Ehrfurcht zu erstarren. Während Golubic noch nie gegen Pliskova antrat und entsprechend unvoreingenommen in die Begegnung geht («Ich werde auf dem Platz sehen, was auf mich zukommt und versuchen, Lösungen zu finden»), vertraut Bacsinszky ganz auf ihre eigenen Fähigkeiten: «Ich kann mich gegen jede Gegnerin anpassen. Das ist meine Stärke. Und ich bin wirklich hundertprozentig fit. Meine Beine fühlen sich sehr gut an. Das macht mir Mut.» Deshalb bereitet der Schweizer Teamleaderin auch die Tatsache kein Kopfzerbrechen, dass sie gegen ihre erste Gegnerin, Barbora Strycova, in bisher drei Begegnungen dreimal als Verliererin vom Platz gegangen ist. Wobei sie die ersten beiden Niederlagen während ihrer «ersten Karriere» (2008 und 2010) kassierte. Bei der letzten Begegnung im vergangenen September an den US-Open (5:7, 0:6) war Bacsinszky gemäss eigener Aussage gesundheitlich nicht auf der Höhe. Klar ist: Sie wird sich vor dem wegweisenden Eröffnungsspiel noch eingehend mit ihrem Heimcoach Dimitri Zavialoff und dem Schweizer Team-Captain Heinz Günthardt austauschen, um die richtige Taktik gegen die unspektakulär, aber sehr solide agierende Strycova zu finden. Immerhin haben beide Schweizerinnen gegen die 30-Jährige einen kleinen Grössenvorteil: sie ist lediglich 1,64m gross.

Für Heinz Günthardt soll für seine beiden Einzelspielerinnen sowieso sekundär sein, wer als Gegnerin auf dem Feld steht. «Wir müssen uns zu 95 Prozent auf unsere eigenen Stärken verlassen können.» Der Teamcaptain sieht die Schweizerinnen gegen den Titelverteidiger in der Aussenseiterrolle, zumal mit Belinda Bencic die Nummer eins des Teams verletzungsbedingt ausfällt: «Wir sind nicht der Favorit, aber wir starten aus einer Position der Stärke», sagt der 57-Jährige.

Ein nicht zu unterschätzender Risiko-Faktor bleibt aus Sicht der Schweizerinnen, dass nach Bencics Forfait keine Ersatzspielerin nachnominiert wurde. Im Falle einer weiteren Verletzung könnte Günthardt also nicht mehr reagieren. Er sagt dazu: «Wir haben drei Spielerinnen, die sowohl Einzel als auch Doppel spielen können.» Nach den Absagen der nicht hundertprozentig fitten Stefanie Vögele und Romina Oprandi sah der Schweizer Teamcaptain keinen Anlass, eine weitere Spielerin zu nominieren, nur damit man vier Frauen zur Auswahl hätte. Darum war für ihn auch «im Moment von Belinda Bencics Absage» klar, dass Viktorija Golubic für sie zum Einsatz kommen würde. Zweifel sind gegen die Tschechische Republik, pardon, Tschechien, sowieso fehl am Platz.