Tennis

Das Feministen-Doppel: Andy Murray tritt in Wimbledon mit Serena Williams an

Rückkehr auf die grosse Bühne: Andy Murray tritt in Wimbledon im Doppel und im Mixed an.

Andy Murray hatte seine Karriere eigentlich schon fast beendet, zu gross waren die Hüftprobleme. Doch inzwischen sieht alles wieder besser aus und Hüftpatient Murray probt in Wimbledon mit Serena Williams seine Rückkehr. Ein Duo, das sich auch gerne für die Rechte von Frauen einsetzen.

Als Andy Murray Anfang Jahr unter Tränen ankündigte, dass er seine Karriere wegen anhaltender Hüftprobleme spätestens im Sommer in Wimbledon beenden werde, da überraschte das kaum mehr jemanden. Die Kollegen hatten nette Grussbotschaften vorbereitet. Roger Federer, Rafael Nadal oder Novak Djokovic – sie alle gratulierten dem Schotten für eine aussergewöhnliche Karriere.

Eine Karriere, in der Murray drei Grand-Slam-Titel gewann, darunter zwei Mal in Wimbledon (2013 und 2016) und für 41 Wochen die Nummer 1 der Welt war. Das ist bemerkenswert in einer Ära, in der mit Roger Federer (20), Rafael Nadal (18) und Novak Djokovic (15) jene drei Spieler mit den meisten Grand-Slam-Titeln aktiv sind.

In das Loblied stimmten aber vor allem auch die Frauen ein, für deren Rechte sich Andy Murray immer eingesetzt hatte. 2014 machte er mit der homosexuellen Amelie Mauresmo als erster männlicher Top-Spieler eine Frau zu seiner Trainerin. Das löste zum Teil heftige Reaktionen aus.

Es gab Kollegen, die ihm vorwarfen, es handle sich nur um eine PR-Aktion. Einer schrieb: «Ich liebe das Spiel, das du mit den Medien spielst, Andy. Vielleicht solltest du ihnen sagen, dass du dir überlegst, mit einem Hund zu arbeiten.» Doch Murray verteidigte die Französin gegen jegliche Kritik.

Was er zu hören bekommen habe, sei an Absurdität nicht zu überbieten gewesen, blickte Murray später zurück. «Wenn ich mit einem Mann als Trainer verliere, bin ich schuld. Als ich mit ihr arbeitete, war es immer ihr Fehler.» Die Erfahrungen, die er in dieser Zeit machte, formten Murray, ein Scheidungskind, aufgewachsen ohne Vater, unter den Fittichen der renommierten, oft als verbissen porträtierten Judy Murray, und mit dem älteren Bruder Jamie, der als Doppel-Spieler zur Weltspitze gehört. Sie hat aus Murray einen Feministen gemacht.

Liebeserklärung an die Frauen

In einem Essay prangerte er Sexismus in Gesellschaft und Sport an. «Ich setze mich dafür ein, dass eine Frau gleich behandelt wird wie ein Mann. Wenn mich das zum Feministen macht, dann sage ich mit Stolz: Ja, ich bin ein Feminist!», schrieb Murray.

Ende 2018 wurde mit der Norwegerin Ada Hegerberg erstmals eine Frau mit einem Ballon d’Or als beste Fussballerin der Welt ausgezeichnet. Der DJ Martin Solveig fragte die Siegerin, ob sie twerken könne – und sorgte damit für Entrüstung. «Ein weiteres Beispiel für den lächerlichen Sexismus, der im Sport noch immer existiert», kritisierte Murray. «Ich kam dank meiner Mutter zum Tennis und war immer von grossen Frauen umgeben. Es fällt mir leichter, mich ihnen gegenüber zu öffnen», sagte er.

Im Frühling unterzog sich Murray einer Operation an der Hüfte, bei der ihm eine Metallplatte eingesetzt wurde. Geleitet von der Hoffnung, künftig schmerzfrei mit seinen beiden Kindern spielen zu können. Doch es kam viel besser. Vor drei Wochen gewann er in Queen’s mit Feliciano Lopez bei seiner Rückkehr das Doppel.

Vorbereitung auf die Rückkehr

Murray sagt, er habe keine Schmerzen. In Wimbledon bestreitet er mit dem Franzosen Pierre-Hugues Herbert das Doppel. Und weil die Lust auf Tennis nach dem Martyrium besonders gross ist, tritt Murray auch noch im gemischten Doppel an. Seine Partnerin ist die Amerikanerin Serena Williams, auch sie eine selbst ernannte Feministin.

Murray sagt, mit Williams im Doppel zu spielen, sei eine einmalige Chance. Denn das Doppel ist für ihn nur der Testlauf für die Rückkehr im Einzel. Im Fall des Erfolgs bestreitet er in den beiden Doppel-Konkurrenzen in elf Tagen zwölf Spiele. «Auf dem Papier scheinen sie unschlagbar zu sein», sagt Murrays Mutter Judy. «Aber im Mixed kann alles passieren.»

Und sie gibt ihrem Sohn gleich das Erfolgsrezept mit auf den Weg. «Der Schlüssel ist es, dafür zu sorgen, dass die Lady glücklich bleibt. Ich würde Andy raten: Lass Serena den Boss spielen.» Murray selber dürfte das indes etwas anders sehen. Sie und er – die Feministin und der Feminist – werden sich auf Augenhöhe begegnen. Als Gleichberechtigte.

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