Mit seinen 37 Jahren müsste es für Roger Federer eigentlich fast nur noch Generationen-Duelle geben. Die von der ATP viel gehypte "Next Gen(eration)" zeigt zwar immer wieder erfolgversprechende Ansätze, der Durchbruch will aber (noch) nicht so recht gelingen. Und so duelliert sich Federer meist mit anderen Ü30-Vertretern wie am Donnerstag Kevin Anderson um die höchsten Ehren.

Am Samstag (15.00 Uhr) ist es aber für einmal anders. Alexander Zverev wird von den jüngeren Spielern den Vorschusslorbeeren am ehesten gerecht - und strebt nun bei seiner zweiten Teilnahme den ersten Masters-Final an. Für den Basler ist es hingegen bereits der 15. Halbfinal; viermal verlor er diesen (2002 gegen Lleyton Hewitt, 2009 gegen Nikolai Dawydenko, 2013 gegen Rafael Nadal und letztes Jahr gegen David Goffin). Mit sechs Titeln ist Federer auch Rekordsieger am Turnier der besten acht des Jahres.

Während er bei den Grand-Slam-Turnieren bislang erst einen Viertelfinal (in diesem Jahr in Paris) im Palmarès hat, brilliert Zverev auf der nächsthöheren Stufe regelmässig. In Madrid gewann er dieses Jahr bereits seinen dritten Masters-1000-Titel - das sind zwei Titel mehr als zum Beispiel Stan Wawrinka oder Juan Martin Del Potro bislang errungen haben. Und in dieser Saison hat keiner mehr Spiele (56) gewonnen als Zverev.

Während er mit den langen Matches auf drei Gewinnsätze noch Mühe bekundet, ist Zverev für den 16 Jahre älteren Federer im "Kurzformat" auf jeden Fall sehr gefährlich. Immerhin hat er zwei von fünf Duellen gewonnen. Die letzte Direktbegegnung verlor er allerdings vor einem Jahr in der O2 Arena in der Gruppenphase in drei Sätzen - und verpasste in der Folge die Halbfinals. Nun will er es besser machen. "Das wird eine schwierige, aber auch schöne Aufgabe", denkt der Sohn des ehemaligen sowjetischen Profis Alexander senior. "In den letzten Wochen hat Federer auch wieder unglaublich gut gespielt. Das täuscht ein wenig, weil jetzt Novak wieder top ist."

Die Kraft der freien Tage

Federer hat nach akuten Startschwierigkeiten zu alter Stärke gefunden. "Ich bin happy mit meiner Woche", sagte der Schweizer am Donnerstagabend zu später Stunde. "Vor 72 Stunden hat das vielleicht noch nicht so ausgesehen." Federer versuchte in seinem hohen Tennisalter nochmals etwas Neues - auf Anraten seiner Coaches Severin Lüthi und Ivan Ljubicic. "Sie fragten: Wie wäre es mit einem freien Tag?" Und da Federer, wie er selber sagt, ein grosser Anhänger von genügend Ferien und genügend Auszeit ist, war er sofort einverstanden.

Damit traf das Team den absolut richtigen Entscheid. Der freie Tag machte Federer zufrieden und brachte ihn in die richtige Stimmung, um wieder gross aufzuspielen. Deshalb nahm er sich nach dem Montag auch den Mittwoch und den Freitag frei.

Am Freitag und vor allem am Samstag musste er seine Routine dennoch anpassen. Federer muss diesmal ja bereits um 14 Uhr Lokalzeit (15 Uhr in der Schweiz) ran. Schlafen bis 11 Uhr ist am Samstag also nicht angesagt. Am Abend spielt Topfavorit Novak Djokovic in der Neuauflage des Wimbledon-Finals gegen den Südafrikaner Anderson.