Als Belinda Bencic nach knapp zwei Stunden Spielzeit ihren ersten Matchball mit einem Vorhandwinner verwertet hatte, schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen, drehte sich um und schaute ungläubig zu ihrer Box. Noch im September, als sie nach ihrer Operation am Handgelenk auf die Tour zurückgekehrt und in der Weltrangliste weit abgesackt war, hatte sie nicht daran geglaubt, dass sie in Melbourne überhaupt im Hauptfeld stehen würde.

Auch wenn Bencic wie im vergangenen Jahr, als sie zum Auftakt gegen die spätere Siegerin Serena Williams antreten musste, vom Los nicht begünstigt worden war, freute sie sich auf die Aufgabe gegen die Nummer 5 der Welt auf dem grössten Court im Melbourne Park und auf eine neuerliche Chance gegen eine Spielerin, die sie einst im Fernsehen bewundert hatte. Und warum sollte sie diese diesmal nicht nutzen?

Fünftes Duell mit Williams

Es schien, als hätte Bencic ein Vorahnung gehabt, was sie in der Rod Laver Arena erwarten würde. Unter der Beobachtung der Eltern von Roger Federer knüpfte sie an die starken Leistungen zum Auftakt des Jahres beim Hopman Cup in Perth an und liess sich auch durch eine kurze Regenpause Mitte des ersten Satzes nicht aus dem Konzept bringen. Im Gegenteil: Nachdem das Dach geschlossen war, gewann Bencic sechs Punkte in Serie und sicherte sich im fünften Duell mit Venus Williams den ersten Satzgewinn.

Auch im zweiten Durchgang spielte Bencic gross auf. Auf ihr erstes Break reagierte sie cool und schaffte gleich das Rebreak. Und auch als sie später erste Chancen zur Vorentscheidung verpasste, liess sich dadurch nicht verunsichern. Nach knapp zwei Stunden feierte sie ihren ersten offiziellen Sieg gegen eine Top-Ten-Spielerin seit knapp zwei Jahren, als Bencic mit Rang 7 ihr bislang höchstes Ranking erreicht hatte.

Serena und Venus besiegt

Früher habe sie ein bisschen zu viel Respekt gehabt vor Venus, sagte Bencic nach dem Match. "Dieses Mal versuchte ich, raus zu gehen und einzuschlagen." Dank des Siegs hat sie nun beide Williams-Schwestern einmal geschlagen. 2015 gewann sie gegen die damalige Weltnummer 1 Serena in Toronto. An der Pressekonferenz sagte Bencic nach dem Match: "Es gibt nur wenige Spielerinnen, denen es gelungen ist, beide Schwestern zu schlagen. Ich bin  stolz darauf."

Von Venus gab es an der Pressekonferenz Lob: "Ich habe nicht schlecht gespielt. Sie wuchs einfach über sich hinaus. Sie spielte fantastisch."

Dank dem Sieg gegen die siebenfache Grand-Slam-Siegerin Venus Williams eröffnen sich der Achtelfinalistin von 2016 in Melbourne schöne Perspektiven. In der 2. Runde trifft Bencic auf die Siegerin der Partie zwischen der thailändischen Qualifikantin Luksika Kumkhum (WTA 125) und der Schwedin Johanna Larsson (WTA 80). Als nächste gesetzte Spielerin würde frühestens im Achtelfinal die Deutsche Julia Görges oder die Australierin Daria Gavrilova warten.

Diverse Gesetzte gescheitert

Neben Venus Williams scheiterten am ersten Turniertag diverse weitere gesetzte Spielerinnen. Die US-Open-Siegerin Sloane Stephens unterlag der Chinesin Zhang Shuai 6:2, 6:7 (2:7), 2:6. Auch die Amerikanerin Coco Vandeweghe (WTA 10), die Slowakin Dominika Cibulkova, die 2014 in Melbourne den Final erreicht hatte, und die Russin Jekaterina Makarowa schieden aus.