Wimbledon
«Belinda war verloren» – Erst seit Vladimir Platenik an ihrer Seite ist kann sie wieder strahlen

Seit Vladimir Platenik bei Belinda Bencic die Zügel in den Händen hält, strahlt die 21-Jährige wieder. Der ganze Druck habe die Schweizerin depressiv gemacht.

Simon Häring, Wimbledon
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Vladimir Platenik (links)

Vladimir Platenik (links)

Keystone

So, wie Vlado Platenik die Geschichte erzählt, muss es so etwas wie Schicksal tatsächlich geben. Schon vor zwei Jahren habe Ivan Bencic, der Vater von Belinda Bencic, ihn gefragt, ob er ihre Tochter trainieren wolle. Bencic gehörte damals zu den Top Ten, sie war die Zukunft des Frauentennis.

Doch Platenik arbeitete bereits mit Daria Kassatkina zusammen, die heute die beste Freundin von Bencic ist. Während er die Russin in die Top 20 führte, kämpfte Bencic mit Verletzungen, mit gestiegenen Erwartungen und nicht zuletzt mit sich selbst. «Es ging alles so schnell. Die Leute haben dann erwartet, dass es immer so weitergeht. Auch ich habe das gedacht», sagte Bencic. «Die letzten zwei Jahre waren sehr frustrierend.»

Auch Platenik machte im letzten Jahr schwierige Zeiten durch. Der Erfolg mit Kassatkina weckte Begehrlichkeiten. «Plötzlich kam ihr Bruder, der mir sagen wollte, was ich zu tun habe.» Es kam zur Trennung. «Das tat weh, weil ich viel für sie geopfert habe. Ich war auch depressiv», sagt der Weitgereiste.

«Wir treffen die Entscheidungen»

Dann kam der Anruf von Bencic. «Ich bin in meinen 42 Jahren auch schlauer geworden. Ich habe Belinda klar gesagt, dass wir die Entscheidungen treffen», sagt Platenik. Über Bencic sagt er, sie habe den Spass am Tennis verloren, «der ganze Druck macht dich depressiv. Belinda war ein bisschen verloren.»

«Ich sagte ihr: Du musst schätzen, dass du diese Chance hast.» Eine Chance, die er selber nie hatte. Platenik gehörte zu den besten Junioren der Welt, «aber ich war jung, hatte kein Geld und war einsam. Das macht dich depressiv.» Er schaffte es als Profi immerhin auf Rang 392 der Weltrangliste. Als Junior weilte er fünf Jahre in Folge für mehrere Monate in der Schweiz.

«Ich wohnte bei Bekannten in Herisau, trainierte mal mit Martina Hingis, lernte Severin Lüthi und Roger Federer kennen», erzählt Platenik in gutem Deutsch, das er sich angeeignet hat, weil er in der kommunistischen Tschechoslowakei die Filme verstehen wollte, die das österreichische Fernsehen ausstrahlte.

Erfolg ist nur im Team möglich

Das Stahlbad, durch das er selber gegangen ist, hat ihn auch zu einem erfolgreichen Trainer gemacht. «Denn ich weiss, was die Spieler durchmachen», sagt Platenik, der auch Dominika Cibulkova in die Weltspitze führte. Obwohl Tennis ein Einzelsport ist, glaubt er, dass Erfolg nur im Team möglich ist.

«Du musst professionell arbeiten: vom Konditionstrainer über den Physio bis zum Trainer», sagt er. Bencic wolle daran arbeiten, sagt er. «Sie vertraut dem Konditionstrainer, und ich hoffe, dass sie auch mir ein wenig vertraut.» Ihm sei wichtig, dass Bencic lerne, im Leben und auf dem Platz Entscheidungen zu treffen. «Aber Belinda soll auch Spass haben und verstehen, dass sie keine Maschine ist.»

Am Spiel wolle er nichts Elementares verändern, «warum auch? Belinda war in den Top Ten, es geht darum, Details zu verfeinern.» Bencic müsse das Vertrauen in ihr Spiel zurückgewinnen, sagt der Vater einer 14-jährigen Tochter und eines 9-jährigen Sohnes. Ihm ist anzumerken, dass ihm die Trennung von der Familie schwerfällt, doch er sagt auch: «Tennis ist mein Leben.»

Er selber stehe nicht gerne im Mittelpunkt, also lobt er die Verdienste von Konditionstrainer Martin Hromkovic: «Er hat gute Arbeit geleistet. Ich denke, Belinda hat mindestens fünf Kilo abgenommen. Es wird immer besser», sagt Platenik. Seit seiner Profi-Zeit hat er selber das eine oder andere Kilo zu viel auf den Rippen. «Wir gehen zusammen laufen, auch ich muss etwas machen», sagt er mit einem Schmunzeln. Es muss eben doch das Schicksal sein.