Tennis

Bei Roger Federer fliessen wieder ein paar Tränen

Mit einem satten Smash holte sich Roger Federer seinen fünften Titel bei den Swiss Indoors. Mit 6:1 und 6:3 schlug er den Japaner Kei Nishikori. 9200 Fans feierten ihren Helden in der Basler St.Jakobshalle mit Standing Ovations.

Nur 71 Minuten benötigte der Favorit bis zu seinem 68.Turniersieg, dem erst zweiten in diesem Jahr. Begonnen hatte er die Saison mit dem Triumph in Doha, bis kurz vor Jahresschluss lief er dem zweiten Sieg hinterher.

Bei der Siegerehrung verdrückte er ein paar Tränen. «Wärme, Stolz und Freude kommen hier immer bei mir auf, es ist mein Heimturnier, nicht eines wie jedes andere», erklärte der Schweizer seine Emotionen. Auch falle immer eine grosse Last ab, wenn er das Turnier wieder als Sieger verlasse. Vor zehn Jahren hatte er nach derFinalniederlage gegen Tim Henman noch bitterlich geweint. «Nun hat er mir bereits gratuliert, aber mich auch drauf hingewiesen, dass er mich zwei Mal in Basel geschlagen hat», erzählte Federer schmunzelnd.

Ziemlich schnell machte er gestern klar, wer der Chef auf dem Platz ist. Zwar gewann der Japaner die ersten drei Punkte, doch die nächsten fünf Punkte holte sich der Baselbieter, schaffte direkt das Break und führte mit 1:0. «Der Mist ist geführt», murmelte einer auf der Tribüne zufrieden. Nun, ganz so weit war es natürlich nicht, aber die Weichen hatte Federer bereits gestellt. «Ich liess ihn zuerst aufschlagen, wollte sehen, was er kann, und schliesslich ging das auf, auch wenn er die ersten drei Punkte gewann», plauderte Federer aus seiner Taktikschule.

Nishikori überfordert

Federer drückte aufs Tempo liess Nishikori überhaupt nicht ins Spiel kommen. Der Japaner fand nicht zu seinem Rhythmus. Noch zwei Mal verlor er seinen Aufschlag bis zum Ende des Satzes. Die Fans erfreuten sich an Federers Spiel, doch war der Final bis dahin eine einseitige Angelegenheit. Der 1,78 Meter grosse, 69 Kilogramm leichte Aufsteiger der letzten Wochen war in seinem ersten Match gegen sein grosses Vorbild überfordert. «Ich war nervös, bin enttäuscht von meiner Leistung, spielte lediglich am Ende gut», sagte Nishikori. «Für mich war das eine schöne Erfahrung, doch Federer liess mir auf dem Platz keine Zeit zum Denken, er war zu gut», ergänzte er.

Der bald 22-Jährige deutete hin und wieder seine Qualitäten an. Ernsthaft in Bedrängnis brachte er Federer aber nie. Der musste zwar mehr für sein viertes Break arbeiten, doch Mitte des zweiten Satzes war es so weit. Als der Schweizer zum Match aufschlug, kam er erstmals bei seinem Service in Bedrängnis. Nishikori riskierte viel, zu verlieren hatte er nichts. Es reichte ihm zu einem Breakball, das wars aber auch. Unter den Augen von Boris Becker und Alex Frei hämmerte Federer den Matchball ins Feld.

Viel Selbstvertrauen

«Ich spielte sehr gut, variierte gut, schlug gut auf, es war ein perfektes Match», sagte Federer, der bei eigenem Aufschlag nur drei Punkte abgab, davon allein drei im letzten Game. Von Mal zu Mal sei es ihm in dieser Woche besser gelaufen. Er nehme nun viel Selbstvertrauen mit. «Es ist halt doch etwas anderes, einen Ort als Sieger zu verlassen», betonte er. Nun sei er wieder bereit für Grosstaten: «Körperlich habe ich mich schon lange nicht mehr so gut gefühlt, die ganze Woche ging ohne Muskelkater an mir vorüber», freute er sich. Die Pause habe er genutzt, um schon die nächste Saison mit Olympia vorzubereiten. «Ich denke, dass ich ein gutes nächstes Jahr vor mir habe, aber das hoffen andere auch», sagte Federer.

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