Melbourne

Autsch…! Im Tennis sind Schmerzen ein Lohnbestandteil

Geschunden nach dem Spiel: Links die Hand von Rafael Nadal, rechts das Eisbad, das Stanislas Wawrinka seinen Beinen gönnt.

Geschunden nach dem Spiel: Links die Hand von Rafael Nadal, rechts das Eisbad, das Stanislas Wawrinka seinen Beinen gönnt.

Getwitterte und gepostete Bilder drangsalierter Körper von Tennis Profis nach harten Matches häufen sich. Quälen bis zur Schmerzgrenze – das gehört auch am Australien Open dazu.

Nach seinem Sieg im Viertelfinal an den Australien Open twittert Rafael Nadal seine Hand. Hätte er zuvor irgendwo in der südafrikanischen Pampa manuell Gold geschürft, statt es per Schläger und Preisgeld zu versuchen, die glorreichen Nadal-Greiffer hätten nicht leider und zerschundener aussehen können.

Tags zuvor war es Stanislas Wawrinka, der seine heldenhaften Beine während der Eiskühlung später im Hotel via „Tweet" der Weltöffentlichkeit zur Begutachtung feigab. Schon auf dem Platz während der Live-Übertragung hatte man sehen können, dass sich Stans Muskulatur zusehends verkrampft. Intensiv „spörtlen" fördert eben die willkürliche und schmerzhafte Kontraktion einzelner Muskeln oder Muskelgruppen.

Und wenn es warm und feucht ist - dann erst recht. Dann ist der Flüssigkeitsverlust und das Salzdefizit schnell besonders gross.

Es geht auch „dümmer"

Nun, für 540 000 Dollar Preisgeld, das jedem Halbfinalisten sicher ist kann man sich schon Mal ein bisschen schinden. Schliesslich haben sich Tennisspielerinnen und -spieler auch schon doofer verletzt.

Die Russin Viktoria Asarenka etwa hat sich förmlich aus Wettkampf geschmirgelt. Nach einer Pediküre schwoll ihr Zeh so fulminant an, dass sie auf das Halbfinale in Brisbane verzichten musste.

Marc Rosset, nie ein demütig-ruhiges Gemüt, hat nach vier vergebenen Matchbällen am Hopmann Cup 1996 mit der Faust so stark an die Bande vermöbelt, dass er infolge eine Haarriss aufgeben musste.

Andy Murray schliesslich - auch er einer, der schnell auf 180 kommen kann - kann sich sogar im Schlaaf einen Gesässmuskel zerren.

Verdreht, verstaucht und gerissen

In der Regel freilich sind schnelle Stopps und Starts, um den Ball zu erwischen, die häufigste Ursache von Verletzungen. Knie- und Sprunggelenk werden verrenkt und gestaucht. Bänder reissen und Muskeln zerren sich.

So eine Schrecksekunde erlebt das Deutsche Tennis-Schätzchen Sabine Lisicki 2012 beim Turnier in Charleston: Im Viertelfinale gegen Serena Williams muss sie nach einem Misstritt mit „Knöchelknacker" aufgeben.

Der proppenvolle Terminkalender gestatte dem Körper dazu wenig Raum für Erholung. Altmeister Mats Wilander warnt: „Wir haben einen übervollen Terminkalender und eine Technik, die den Spielern nicht hilft, sondern zur Bedrängnis wird." Ein erschöpfter Tennisspieler, der schon erschöpft antritt, ohne es zu merken, landet schneller im Krankenwagen als im Preisgeld. Mal schauen, wer den nächsten Tweet eines zerschundenen Körperteils aus Australien absetzt...

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