Corona-Pandemie

Auf ein Glas mit Stan Wawrinka

Ein Selfie mit den Fans wie beim US Open 2016 geht derzeit nicht, aber Stan Wawrinka füttert auch von daheim aus seine Social-Media-Kanäle gekonnt

Ein Selfie mit den Fans wie beim US Open 2016 geht derzeit nicht, aber Stan Wawrinka füttert auch von daheim aus seine Social-Media-Kanäle gekonnt

Stan Wawrinka sitzt wie der Rest der Schweiz seit Wochen fest. Doch tatenlos bleibt er nicht: Vom Genfersee aus sorgt er in den sozialen Medien für einige Lacher, speziell mit Kumpel Benoît Paire.

Es beginnt damit, dass Stan Wawrinka und Benoît Paire einen Cocktail mixen. Meistens ist es der Schweizer, der das Rezept vorgibt. Danach folgt nichts mehr einem Drehbuch. Unbeschwert diskutieren die beiden Tennisspieler via Instagram über dies und das. "Würdest du mich gerne trainieren?", fragt Paire. Wawrinka antwortet: "Wenn du vollen Einsatz zeigst, ja. Wenn nicht, nein. - Also nein."

Wawrinka sitzt im Waadtland fest, Paire in Marseille. Vieles unterscheidet sie. Wawrinka ist der harte Arbeiter, der in den Matches über sich hinauswachsen kann. Paire hat eine phänomenales Ballgefühl, aber Defizite im mentalen und physischen Bereich. In normalen Zeiten verbringen sie dennoch viel Zeit zusammen. "Seid ihr Boyfriends?", liest Wawrinka während des Apéros eine Frage eines Followers vor. "Eine sehr, sehr gute Frage. Nein, sind wird nicht. Aber es gab auf der Tour mal das Gerücht."

Die Chemie stimmt zwischen Wawrinka und Paire. Beide nehmen sich nicht allzu ernst. Sie sprechen mit dem Cocktail-Glas in der Hand über ihre schwierigsten Momente in der Karriere, über ihren Wunschpartner in einem Mixed-Doppel oder über die Möglichkeit eines gemeinsamen Rücktritts. "Wir machen zusammen Schluss - mit einer grossen Feier", schlägt Paire vor. "Du feierst seit Beginn deiner Karriere", mokiert sich Wawrinka.

Der Schweizer und der Franzose necken sich ungehemmt. Ihre unterschiedliche Lebensauffassung prallt fast liebevoll aufeinander. Als Paire bedauert, nicht mehr Arbeit in seiner Karriere investiert zu haben, schlägt Wawrinka vor, dies nach dem Lockdown zu ändern: "Damit du dies in drei Jahren nicht immer noch bereust." "Das ist schön, wirklich schön gesagt. Ich nehme ein Glas und denke darüber nach", antwortet Paire unter grossem Gelächter.

Tausende haben in den den letzten Wochen den "StanPairo" verfolgt, dessen Vorlage ein privater Facetime-Chat zwischen Wawrinka und Paire war. Manchmal dauerte der "Apéro" über drei Stunden und endete erst nach Mitternacht. "Ich versuche, die Leute zu unterhalten, die gute Laune nicht zu verlieren", erklärte Wawrinka gegenüber dem Westschweizer Fernsehen sein Social-Media-Konzept. "Es geht darum, kreativ zu sein."

Chat mit Evert und Djokovic

1,2 Millionen folgen Wawrinka auf Instagram und 1,7 Millionen auf Twitter. Das sind zwar deutlich weniger Follower als etwa Roger Federer, Serena Williams oder Rafael Nadal zählen. Aber kaum einer der Topcracks im Tennis beweist während der Corona-Pandemie soviel Fantasie und Humor wie der Lausanner. Bilder zeigen ihn im Lockdown unter anderem beim Backgammon und beim Tête-à-tête mit einem riesigen Plüschtier.

Für seinen 35. Geburtstag vor einem Monat drehte Wawrinka ein Video, das ihn traurig an einem leeren Tisch zeigt, bevor schliesslich ein gutes halbes Dutzend Wawrinkas auftauchen, um ihm einen Geburtstagskuchen vorbeizubringen und ihn hochleben zu lassen. Der Sänger Bastian Baker vermutete angesichts der vielen Beiträge, dass Wawrinka mit einer "Instagramerin" eingesperrt ist.

Wawrinka, der im Kontakt mit den klassischen Medien eher zurückhaltend ist, gibt seit einem Monat einiges Preis. In einem Chat mit der früheren Weltklasse-Tennisspielerin Chris Evert sprach er unter anderem auch über seine zehnjährige Tochter Alexia und die Big 3 im Tennis. Gegen welchen spielt er am liebsten? (Djokovic) Welcher ist der Beste? (Federer) Aber auch als Fragesteller überzeugte er. Von Novak Djokovic wollte er in einem anderen Chat etwa wissen, weshalb Federer und Nadal beliebter seien als der Serbe.

Dass Wawrinka vor lauter Apéros und Nebenbeschäftigungen die Form verliert, ist unwahrscheinlich. Die Pause tue ihm nach 18 Jahren auf der Tour auch gut. Zudem versuche er, fünfmal pro Woche zu trainieren. Den Beweis dafür liefert er selbstredend auf Instagram: Dort sieht man ihn im Video die verschiedensten Übungen machen - zusammen mit jenen sieben Wawrinkas, die auch seinen Geburtstag feierten.

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