Und sie wirkt dabei nicht verloren. Mit 21 Jahren hat sie das Heft in ihrer Karriere und in ihrem Leben in die eigenen Hände genommen. Das ist auch mit schwierigen, zuweilen unpopulären Entscheidungen verbunden.

Wie die Trennung von ihrem Trainer Iain Hughes. Mit dem Waliser hatte sie erst seit letztem Herbst und sehr erfolgreich zusammengearbeitet. «Er ist nicht mehr dabei», bestätigt Bencic am Donnerstag. Zu den Gründen wollte sie nicht ins Detail geben, sagt dann aber doch: «Wir hatten je länger, je mehr verschiedene Ansichten, und Tennis findet ja nicht nur auf dem Platz statt, es ist auch ein Lifestyle.» Für die gemeinsame Zeit zeigte sie sich dankbar, «ich konnte viel von Iain lernen».

Belinda Bencic weiss, was sie will. Sie steht auf eigenen Beinen.

Belinda Bencic weiss, was sie will. Sie steht auf eigenen Beinen.

Ex-Fussballer als Fitnesstrainer

Die Trainerfrage wolle sie möglichst in den nächsten Wochen klären, sagte Bencic. Doch sie wirkte nicht so, als sei sie in Eile. Das liegt sicher auch daran, dass sie mit Martin Hromkovic bereits einen Baustein für ihre Zukunft gefunden hat.

Der 36-jährige Slowake spielte in den letzten Jahren in unteren Ligen in Österreich Fussball, war aber parallel als Fitnesstrainer an der Empire Tennis Akademie in Trnava, wo Bencic seit letztem August regelmässig trainiert, engagiert. Als sich das mit seinem Engagement im Tennis nicht mehr vereinbaren liess, beendete er seine Karriere im Februar.

Keine Trainingsbasis mehr: Slowakei, Dubai, Schweiz

Unverändert zum Team gehört Trainingspartner Oliver Nagy (22), auch er Slowake. Nagy weilte aber nicht in Paris. «Weil hier nur wenige Plätze zur Verfügung stehen, hätte es keinen Sinn gemacht», sagt Bencic.

Papa Ivan Bencic unterstützt seine Tochter Belinda in administrativen Fragen.

  

Bencic fühlt sich in diesem Konstrukt offenbar wohl. Es gibt ihr Stabilität im Umfeld, lässt ihr aber auch Freiheiten. Vor dem Turnier erklärte sie, dass ihr Abwechslung wichtig sei, darum habe sie auch keine Trainingsbasis mehr, sondern weile mal in Florida, mal in der Slowakei, mal in Dubai oder in der Schweiz.

Bencic ist zufrieden mit den guten Ansätzen

Bei administrativen Fragen ist offenbar Vater Ivan federführend, im sportlichen Bereich hat Bencic in Fed-Cup-Captain Heinz Günthardt einen kompetenten Ansprechpartner. Als die Ostschweizerin ein erstes Resümee zu den French Open 2018 zieht, sitzt er in einer der hinteren Reihen. Bencic sagt: «Wir haben bereits gesprochen.»

Heinz Günthardt steht Belinda Bencic jeweils mit Rat und Tat zur Seite.

Heinz Günthardt steht Belinda Bencic jeweils mit Rat und Tat zur Seite.

Bencic sieht gute Ansätze, «positiv ist vor allem, dass ich spielen konnte. Auf dem kann ich aufbauen. Dass ich überhaupt eine Runde überstanden habe, habe ich nicht erwartet.» Wohl noch viel wichtiger: Die Vor-Stressfraktur im rechten Fuss, die sie für zwei Monate ausser Gefecht gesetzt hatte, bereitet keine Probleme mehr. «Aber klar, ich hatte nach dem ersten Spiel Muskelkater und brauche viel Behandlung.»

Vorfreude auf die Rasen-Turniere

Und sonst? «Spielpraxis. Denn nach jeder Pause bin ich so nervös, als hätte ich nie zuvor Tennis gespielt», sagt Bencic, die sich in der Weltrangliste wohl auf Platz 61 verbessert. Bis im Herbst hat Bencic keine Punkte mehr zu verteidigen und mit Rasen folgt ihre bevorzugte Unterlage.

«Ich verstehe nicht, wie ich mich auf Sand bewegen muss. Auf Rasen hingegen fühlt sich für mich alles sehr natürlich an.» Mitte Juni tritt sie in Rosmalen, Niederlande, an, danach bei zwei kleineren Turnieren in Grossbritannien. Doch viel wichtiger: Spätestens jetzt, mit 21 Jahren, steht Belinda Bencic auf eigenen Beinen.