Tennis

Attraktivität verloren: Warum treten die Stars nicht mehr im Doppel an?

Michael Llodra schlägt in Basel seinen Landsmann Richard Gasquet und trifft nun auf Paul-Henri Mathieu. Foto: Keystone

Michael Llodra schlägt in Basel seinen Landsmann Richard Gasquet und trifft nun auf Paul-Henri Mathieu. Foto: Keystone

Heute fristen Doppelkonkurrenzen an Turnieren ein Nebenplatzdasein. Nur wenige der Topspieler, wie zum Beispiel Michael Llodra, schaffen den Spagat. Der Sissacher Marc Zimmermann, OK-Mitglied an den Swiss Indoors, beschreibt mögliche Gründe.

Stefan Edberg führte die Weltrangliste im Einzel und Doppel an, John McEnroe ebenfalls.

Der Olympiasieg 2008 an der Seite von Stanislas Wawrinka war für Roger Federer einer der ganz grossen Erfolge. Doppelspielen war also durchaus einmal en vogue und bei Olympia formieren sich die stärksten Spieler zu einem Team.

«Preisgeld attraktiv»

Dem entgegen stehen die Doppelkonkurrenzen an normalen Turnieren wie den Swiss Indoors.

Meist wird auf einem Nebenplatz gespielt, die Topspieler konzentrieren sich auf die Einzelkonkurrenz und das Publikum kennt nur die wenigsten der Doppelspezialisten.

Dabei wäre das Preisgeld durchaus attraktiv, sagt der Sissacher Marc Zimmermann, Assistant Tournament Director in Basel.

«Die Finalisten bekommen eine schöne Summe, aber dann nimmt es schneller ab als im Einzel. In der ersten Runde bekommt man 3000 Franken», sagt der Jungsenior des TC Sissach, der selbst gerne Doppel spielt.

Als Veranstalter verpflichtet

Als Organisator haben die Swiss Indoors gar keine Wahl. Sie sind verpflichtet, eine Doppelkonkurrenz durchzuführen.

Nicht nur das 16er-Tableau ist vorgeschrieben, sondern auch, dass mindestens sieben Spiele auf dem Center Court stattfinden müssen.

«Das erreichen wir spielend. Final und Halbfinals finden sowieso auf dem Hauptplatz statt, dazu ab Dienstag jeweils das letzte Spiel», sagt Zimmermann.

Turnierkalender hat sich verdichtet

Der 37-Jährige sagt, dass sich der Turnierkalender stark verdichtet habe und zudem die Leistungsdichte höher sei als früher.

«Ein McEnroe gewann die ersten drei Runden locker in zwei Sätzen. So war es einfacher möglich, parallel im Doppel anzutreten.»

Heute sei dies fast nicht mehr machbar. Parallel dazu haben sich Doppelspezialisten entwickelt, gegen die man ebenfalls nicht einfach durchmarschieren kann. So überlegen sich Topspieler zweimal, ob sie im Doppel antreten wollen.

Synergien schwinden

Ohne grosse Namen verlieren die eigentlich spannenden Doppelpartien an Attraktivität.

Zusätzliches Problem für die Organisatoren: Spielen nicht die gleichen Athleten in Einzel und Doppel, verschwinden Synergien und die Kosten vergrössern sich.

Llodra wagt den Doppeleinsatz

Ein Profi, der in Basel sowohl im Einzel als auch im Doppel noch im Einsatz ist, ist der Franzose Michael Llodra. Der 33-Jährige wurde zusammen mit Jo-Wilfried Tsonga bei Olympia 2012 Zweiter und verpasste zusammen mit Nicolas Mahut, mit dem er auch in Basel spielt, diesen Sommer nur haarscharf den Titel an den French Open – gegen die Doppelspezialisten Bryan/Bryan.

«Ich nehme Spiel für Spiel. Einzel und Doppel. Das Umstellen ist kein Problem für mich. Zudem profitiere ich im Einzel von der Geschwindigkeit des Doppels», sagt Llodra.

Als Doppelspezialisten will er sich aber trotz eines Titelverhältnisses von fünf Einzel zu 25 Doppel nicht bezeichnet wissen.

Auch er rechnet dem Einzel trotz seiner Bekanntheit als grösster Rückzieher (31 Rückzüge bei 395 Partien), zuletzt wegen Oberschenkelproblemen in Wimbledon, um nur zwei Stunden später Doppel zu spielen, grössere Bedeutung zu.

ATP hat reagiert

Auch die ATP hat den Attraktivitätsverlust der Doppel registriert und versucht Gegensteuer zu geben.

Zum Beispiel zählen neu die Punkte aus der Einzelklassierung, um ins Doppeltableau zu kommen. Bislang sei der Erfolg dieser Massnahme aber bescheiden, sagt Zimmermann.

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