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Atemnot, Blasen und Bronchitis

Tennisreporter Simon Häring berichtet hier von Nebenschauplätzen seines Arbeitsaufenthalts an den Australian Open.

Simon Häring
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Gut, ist Roger Federer nicht so ein Weichei wie die Journalisten in Melbourne.

Gut, ist Roger Federer nicht so ein Weichei wie die Journalisten in Melbourne.

Keystone

Während Roger Federer immer noch so frisch wie am ersten Tag wirkt, zeigen sich bei der Schweizer und deutschen Journaille bereits erste Abnutzungserscheinungen. Fast jeder schlägt sich mit dem einen oder anderen Zipperlein herum. Fast schon dramatische Szenen spielen sich auf dem Tennisplatz ab, wo sich der Kollege von der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» nach wenigen Ballwechseln mit Atemnot über den Platz schleppt. Nicht antreten konnte der Kollege vom «Tages-Anzeiger»: Leistenzerrung.

Dafür schwingt die Kollegin vom Boulevard das Racket an diesem Vormittag besonders schwungvoll. Das ist alles andere als selbstverständlich, reiste sie doch mit einer Rippenquetschung an. Nicht überliefert ist, ob sie danach in der Dopingprobe hängen geblieben ist. Seit Tagen verlässt sie ihre eigenen vier Wände nicht, ohne sich mit zwei Ibuprofen zu stärken. Ihr Racket hat sie darum gar nicht erst mitgenommen.

Ein Glück, muss ich derzeit pausieren. Sie erinnern sich: Meine Tage beginnen mit einer Laufrunde. Beim Packen entschied ich mich, auf die Joggingschuhe zu verzichten und stattdessen jene für den Tennisplatz mitzunehmen. Grosser Fehler. Seither plagen mich Blasen an den Füssen. Für eine halbe Stunde stand ich auf dem Platz. Resultat: eine Blase am Daumen. Seither alimentiert mich die Kollegin des Boulevards mit Kinderpflastern. Die Aufdrucke mit Enten, Vögelchen und Raupen haben mir zu ungekannter Popularität verholfen.

Weniger Glück hat eine deutsche Kollegin. Trotz Temperaturen um die 25 Grad schleppt sie sich seit Tagen mit einem Halstuch von Platz zu Platz. Diagnose: Bronchitis. Auch hier ist Ibuprofen der Heilsbringer. Gut, ist Roger Federer nicht so ein Weichei wie wir.