Tennis

Andy Murray: «Ich habe von Roger etwas abgeschaut»

Andy Murray: «Im Tennis brauchst du heute einfach deine Zeit.»

Andy Murray: «Im Tennis brauchst du heute einfach deine Zeit.»

Andy Murray startet heute als Mitfavorit an den ATP Finals und verrät sein Erfolgsgeheimnis. Er habe sich an den «grossartigen Spielern» gemessen und von jedem etwas abschauen können.

Andy Murray, seit Sie Ivan Lendl als Trainer engagiert haben, läuft es rund.

Andy Murray: Ich habe keine einzige Sekunde bereut, dass ich Ivan an meine Seite geholt habe. Das war sicher eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Wie hilft Ihnen Lendl?

Er ist einer der grössten Taktiker und Strategen in diesem Sport. Er hat diesen Riesenschatz an Erfahrung. Und er hat jede Situation, in die man als Spitzenspieler kommen kann, selbst erlebt. Ivan hat mich ausgeglichener gemacht, ruhiger, balancierter. Nach Niederlagen falle ich jetzt nicht mehr in ein emotionales Loch und blase Trübsinn. Vier Tage nach dem verlorenen Wimbledon-Final habe ich schon wieder trainiert, es war der beste Weg, die Frustration loszuwerden.

Viele sehen dieses Endspiel gegen Federer als entscheidenden Meilenstein für die Erfolge, die später folgten.

Und das war es auch. Es war eine Niederlage, die mich für psychologisch ein Gewinn war. Ich habe zum ersten Mal in einem Final wirklich innerlich auf Sieg gespielt, mit der richtigen Einstellung, mit einer klaren Kampfansage an den Gegner. Ich habe mir da selbst bestätigt: Du kannst es. Du kannst diese wichtigen Spiele auch gewinnen.

Was hat Lendl Ihnen nach dieser Niederlage gesagt?

Wir sprechen nach diesen Spielen keine grossen Worte. Er kam zu mir, sagte: Ich bin stolz auf dich. Und dann kam schon der Nachsatz: Wir müssen uns auf das nächste grosse Ziel konzentrieren. Das ist einer seiner Leitgedanken: Beschäftige dich nicht lange mit dem, was war. Sondern schau nach vorne.

Man hat Ihnen immer vorgeworfen, nicht aggressiv genug zu sein. Nicht selbst die Entscheidung zu suchen.

Klar, ich kenne diese Bedenken. Aber man muss auch sehen, in welcher Zeit und gegen welche Gegner ich spiele. Federer, Djokovic, Nadal – da kann man nicht einfach auf den Platz gehen und denken, jetzt spiele ich mal mein Spiel und gewinne diese Matches. Wir reden hier über drei fantastische Gegner, über Gegner, die serienweise Grand-Slam-Titel abgeräumt haben. Es brauchte einfach eine Zeit, um sich gegen sie zu behaupten.

Aber haben Sie nie selbst an sich gezweifelt?

Natürlich habe ich das. Du kannst dir hundertmal selbst sagen: Ich habe alles gegeben, alles versucht. Es bleiben immer Zweifel, Unsicherheiten, Fragen. Einen Sieg kann am Ende des Tages nichts ersetzen.

Im Olympia-Final gegen Federer wirkten Sie relativ entspannt, trotz vorheriger Niederlage gegen ihn im Grand-Slam-Endspiel.

So war es. Ich spürte keine Belastung, keinen Druck. Es war erstaunlich auch für mich selbst. Es war aber auch das Ende eines langen Weges, das Ende vieler Lehr- und Ausbildungsjahre. Auch wenn viele es gern gewollt hätten: Mit 20 oder 21 war ich eben noch nicht reif für diese Siege. Im Tennis brauchst du heute einfach deine Zeit, bis du Grand-Slam-Endspiele gewinnen kannst.

Was meinen Sie genau damit?

Tennis in der Weltspitze war noch nie eine so grosse Herausforderung wie jetzt. Die Spieler sind alle topfitte Athleten, starke Puncher und gute Taktiker, da kann nicht mal einfach ein Teenager daherkommen und die Hierarchie durcheinanderwirbeln. Der Trend hat sich in den letzten Jahren sogar noch verstärkt, es gibt ja praktisch keinen Spieler mehr unter zwanzig, der eine gewichtige Rolle spielt.

Hat diese gewaltige Konkurrenz nicht auch einen besseren Spieler aus Ihnen gemacht?

Ganz sicher. Ich habe mich an diesen grossartigen Spielern gemessen, mit ihnen gemessen – und jetzt spiele ich auf einem Level mit ihnen. Ich habe mir von jedem was abschauen können. Die Haltung, mit der Roger seine grossen Matches bestreitet, seine Attitüde bei den Big Points. Die physische Intensität, die Rafa auf den Centre- Court bringt. Und die Hartnäckigkeit, mit der Novak seine Karriere in einer Ära zusammen mit Federer und Nadal verfolgt hat. Diese Jungs haben mich zwar ein paar ganz grosse Siege gekostet, andererseits ist es auch ein Riesenspass, mit ihnen unterwegs zu sein.

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