US Open

Am US Open steht für einmal die zweite Schweizer Garde im Fokus

Jil Teichmann erhofft sich den Sprung in die Top 50 des WTA-Rankings

Jil Teichmann erhofft sich den Sprung in die Top 50 des WTA-Rankings

Am US Open in New York steht für einmal die zweite Garde von Swiss Tennis im Fokus. Nach Viktorija Golubic am Montag greifen Jil Teichmann und Stefanie Vögele am Dienstag ins Geschehen ein.

Die Stimmung unter den Schweizer Fed-Cup-Spielerinnen in der New Yorker Tennis-Blase ist gut. "Im Tischtennis bin ich die Beste von uns", sagt Jil Teichmann mit einem Lachen. "Aber ich kriege wohl ein Problem, wenn Viktorija raus findet, dass ich das gesagt habe." Weder die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, noch die totale Überwachung oder der positive Corona-Test des Franzosen Benoît Paire am Sonntag können der guten Laune der Schweizerinnen etwas anhaben. "Wir freuen uns immer, wenn wir uns sehen", so Teichmann.

Tischtennis ist nur eine von unzähligen Möglichkeiten, die den Spielern geboten wird, um innerhalb der "Bubble" etwas Ablenkung zu finden. Shoppen, Essen oder der Besuch eines Musicals in Manhattan: Fehlanzeige. Mehr als Hotel, Transport und Anlage geht nicht. "Die Security steht Tag und Nacht vor dem Hotel", sagt Stefanie Vögele. "Und es hat eine Tafel vor dem Eingang auf der steht: 'Wenn man diese Abgrenzung übertritt, wird man disqualifiziert.' Die Regeln sind klar."

"Froh, dass es irgendwie weitergeht"

Für Vögele war es vor zwei Monaten noch unvorstellbar gewesen, dass das Turnier stattfindet. Ein Kraftakt der Organisatoren machte das Ganze trotz hoher Fallzahlen in den USA und den weltweiten Reise-Einschränkungen möglich. Zwar sei die Situation "mega komisch" und noch immer sei sie leicht angespannt, bevor das Ergebnis eines Corona-Tests jeweils bekannt werde. "Aber ich habe es mir schlimmer vorgestellt", so Vögele. Sie sei einfach froh, dass sie wieder die Möglichkeit habe zu spielen. "Und dass es irgendwie weitergeht."

Die Umstände erlauben es, dass Vögele und ihre Kolleginnen sich für einmal in New York vollumfänglich auf das Tennis und die Regeneration konzentrieren können. Auch auf der riesigen Anlage in Flushing Meadows ist die Situation ungewohnt. "Man hat so viel Platz und es ist so ruhig", sagt Vögele. "Normalerweise steht dir hier sonst jeder zweite im Weg, wenn du auf deinen Trainingsplatz willst."

Dank ihrer Teilnahme am Interclub sammelte Vögele (WTA 114) in der Schweiz viel Matchpraxis, in New York scheiterte sie in der Qualifikation für das Turnier von Cincinnati in der Startrunde. Mit Maria Sakkari (WTA 22) trifft sie am Dienstag auf eine alte Bekannte. Die Griechin liegt zwar in der Weltrangliste fast 100 Plätze vor Vögele, die beide bisherigen Duelle gewann aber die 30-jährige Aargauerin.

Ähnlich wie in China

Bereits seit drei Wochen befindet sich Teichmann in der Blase. Am Montag unterzog sie sich ihrem achten oder neunten Corona-Test seit ihrer Ankunft in den USA. "Man akzeptiert es", sagt die 23-Jährige, "weil es wichtig für die Sicherheit von uns allen ist und wir dadurch arbeiten können." Die Kasernierung im Hotel sei nichts Ungewöhnliches. "Wenn wir nach China gehen, ist die Situation ähnlich." Als Vorbereitung auf das US Open spielte Teichmann in Lexington und erreichte dort den Final, ehe sie auch beim nach New York verlegten Turnier von Cincinnati antrat und drei Partien gewann. "Gerade wenn man viel spielt, sind die Tage sehr lang."

Ihre erste Partie am US Open bestreitet Teichmann (WTA 52) am Dienstag gegen die in Moldawien geborene Spanierin Aliona Bolsova (WTA 103), die sie in der Qualifikation für Cincinnati bezwungen hat. "Wir sind gleich alt, kennen uns sehr gut und pflegen ein freundschaftliches Verhältnis", so Teichmann. "Ich kenne ihre Strategie - aber sie auch meine."

Bei einem Sieg winkt der erstmalige Sprung in die Top 50 des Rankings und ein mögliches Zweitrunden- Duell mit der Amerikanerin Madison Keys, der US-Open-Finalistin von 2017. Dazwischen bliebe Teichmann genügend Zeit, sich vom Tennis wieder abzulenken. "How to Get Away with Murder" ist ihre derzeitige Netflix-Serie. "Aber ich will niemanden umbringen, kein Angst", sagt Teichmann und lacht. Es ist ihre Blase in der Blase.

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