Swiss Indoors
Achtung Basel, das parallel laufende Turnier in Wien holt auf

Die Swiss Indoors befinden sich im Moment hierzulande im Zentrum des Interesses aller Tennis-Fans. Doch das parallel stattfindende Turnier von Wien boomt – Zeit für einen grossen Vergleich

Jakob Weber
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Die Lokalmatadoren Dominic Thiem (l.) und Roger Federer – hier bei einem Treffen 2016 – sind die beiden Aushängeschilder der Turniere in Wien und Basel.

Die Lokalmatadoren Dominic Thiem (l.) und Roger Federer – hier bei einem Treffen 2016 – sind die beiden Aushängeschilder der Turniere in Wien und Basel.

Freshfocus

Genau in dem Moment, als Roger Federer gestern den Basler Center Court betritt, kämpft rund 820 Kilometer östlich in Wien der dortige Lokalmatador, Dominic Thiem, schon um den Einzug in die zweite Runde.

Seit 2015 wird parallel zu den Swiss Indoors auch in der österreichischen Hauptstadt ein ATP-Turnier der 500er-Stufe ausgetragen. Im Schatten des Platzhirsches aus Basel ist aus Wien ein ernstzunehmender Konkurrent geworden. Wir zeigen, welches Turnier, wo die Nase vorne hat.

1. Spielermaterial: In Wien spielen mit Thiem (ATP 7), Anderson (8), Isner (9) und Dimitrov (10) vier Top-10-Spieler. Basel hat mit Federer (3), Alexander Zverev (5) und Cilic (6) nur drei, allerdings die drei Besseren. Weil die Topstars in Basel spielen, entscheiden sich viele Spieler in den Top 20 und 30 für Wien, da sie sich dort bessere Siegchancen ausrechnen. Die Leistungsdichte ist in Wien darum grösser.

Ab Weltranglistenposition 43 mussten Spieler in Wien in die Qualifikation. In Basel liegt der sogenannte Cut Off bei Rang 53. Für die Zuschauer zählt aber nicht nur die Position in der Weltrangliste, sondern auch weiche Faktoren.

In Wien spielen 2018 viele aufschlagstarke Spieler. In Basel sind Jungstars wie Stefanos Tsitsipas oder Alexei Popyrin am Start, die technisch schön spielen und sich spannendere Ballwechsel liefern. Fazit: Wien holt auf, aber Basel hat immer noch die Nase vorn. 1:0

2. Preisgeld: Wien schüttet insgesamt 2,32 Millionen Franken aus. Basel (2,21 Millionen) hat zwar in diesem Jahr das Preisgeld erhöht, die Spieler bekommen hier aber etwas weniger. 1:1.

3. Geschichte: Beide Turniere finden in den 1970er-Jahren zum ersten Mal statt. Während der Weg für die Swiss Indoors stetig nach oben geht, muss Wien 2009 mit der Rückstufung zu einem 250er-Turnier einen Rückschlag verkraften. Seit 2015 ist Wien zurück im Kreis der illustren 500er-Turniere. Beide dürfen auf ihre lange Tradition stolz sein und bekommen einen Punkt. 2:2.

Die Swiss Indoors 2018 sind Geschichte. Klicken Sie sich durch die besten Bilder der Turnierwoche...Beginnen wir mit den Bildern von Sonntag: Roger Federer hebt zum neunten Mal die Trophäe der Swiss Indoors in die Luft.
59 Bilder
Sein Gegner Marius Copil freut sich ebenfalls. Für ihn ist die Finalteilnahme der Höhepunkt der Karriere.
Swiss Indoors Qualifikation 2018
Roger Federer schlägt Marius Copil in zwei nervenaufreibenden Sätzen und feiert seinen 99. Titel auf der ATP-Tour.
Der rumänische Qualifikant (ATP 93) kann auf eine hervorragende Turnierwoche zurückblicken. Morgen wird er rund 30 Plätze besser klassiert sein.
Swiss-Indoors-Präsident Roger Brennwald zieht trotz weniger Zuschauern eine positive Bilanz.
Die Bilder vom Samstag: Der rumänische Qualifikant Marius Copil, die Nummer 93 der Weltrangliste, steht nach grossem Kampf im Final.
Alexander Zverev konnte den aufschlagstarken Copil nicht einmal breaken und verlor mit 3:6, 7:6 und 4:6.
Roger Federer spielt endlich in Topform.
Der 22-jährigen Russe Daniil Medvedev hat beim 6:1, 6:4 nicht den Hauch einer Chance.
Die Bilder von Freitag: Den Auftakt in den Viertelfinal-Freitag macht Marc-Andrea Hüsler. Der Schweizer scheidet im Doppel an der Seite von Sem Verbeek gegen die indisch/neuseeländische Kombo Sharan/Sitak mit 1:6, 7:6, 10:5 aus, obwohl Hüsler/Verbeek im zweiten Satz zwei Matchbälle haben.
Der 28-jährige Rumäne Marius Copil realisiert in einem nervenaufreibenden Spiel gegen den Amerikaner Taylor Fritz den grössten Erfolg seiner Karriere. Er gewinnt nach knapp zwei Stunden mit 7:6, 7:5.
Die Nummer 2 der Setzliste, Alexander Zverev, setzt sich in einem umkämpften Spiel mit vielen Breakmöglichkeiten...
mit 7:5 und 6:3 gegen den Spanier Roberto Bautista Agut durch.
Roger Federer macht es dann richtig spannend. Der Schweizer bodigt trotz fünf zugelassenen Breaks...
nach 2 Stunden und 34 Minuten den Franzosen Gilles Simon mit 7:6, 4:6 und 6:4.
Der Russe Daniel Medvedev spielt zum Abschluss gegen...
den Griechen Stefanos Tsitsipas.
Die Bilder von Donnerstag: Gilles Simon aus Frankreich heisst Federers Gegner im Viertelfinal.
Gegen Ernests Gulbis aus Lettland muss der Franzose lange kämpfen, um sich am Ende mit 7:6 und 7:6 durchzusetzen.
Roger Federer gewinnt ein Spiel, dass er gut und gerne auch hätte verlieren können am Ende in zwei Sätzen.
Jan-Lennard Struff spielt noch fehleranfälliger als der Schweizer und verliert am Ende 3:6, 5:7.
Alexander Zverev konnte den aufschlagstarken Copil nicht einmal breaken und verlor mit 3:6, 7:6 und 4:6.
Der Russe Daniel Medvedev spielt zum Abschluss gegen...
den Südtiroler Andreas Seppi 7:6, 6:2.
Stefanos Tsitsipas hat es eilig.
Der Grieche gewinnt gegen den Deutschen Peter Gojowczyk 6:3 und 6:1.
mit 7:5 und 6:3 gegen den Spanier Roberto Bautista Agut durch.
Die Bilder von Mittwoch: Marin Cilic ist ausgeschieden. Der Kroate und Swiss Indoors Sieger von 2016...
verliert gegen den Qualifikanten aus Rumänien, Marius Copil, mit 5:7 und 6:7.
Gleichzeitig verliert Henri Laaksonen auf Court 1 sein Achtelfinal.
Der Amerikaner Taylor Fritz gewinnt 6:2, 7:5.
Alexander Zverev wehrt gegen Robin Haase acht von zehn Breakbällen ab und gewinnt das Spiel 6:4, 7:5.
Zuvor gewinnt auch der junge Grieche Stefanos Tsitsipas (20) seinen Auftakt gegen Jeremy Chardy.
Der Lette Ernests Gulbis ist der erste Sieger des Mittwochs. Er besiegt den Amerikaner Jack Sock in zwei Sätzen.
Schweizer Überraschung im Doppel: Marc Andrea Hüsler gewann an der Seite seines holländischen Partners gegen das an Nummer 1 gesetzte Spitzendoppel Klaasen/Venus.
Es folgen die Bilder von Dienstag: Roger Federer wird von Filip Krajinovic mehr gefordert als ihm lieb ist.
Vier Mal nahm der Serbe Federers den Aufschlag ab. Weil er aber selber sechsmal gebreakt wurde, reichte das am Ende nicht.
Zwischenzeitlich war Federer alles andere als zufrieden.
Sein Aufschlag...
und seine Vorhand liessen zu wünschen übrig.
Der mögliche Federer-Gegner im Achtelfinal: Jan Lennard Struff gewinnt gegen John Millmann 7:6 und 6:2.
Zuvor war der Russe Daniil Medvedev gegen Maximilian Marterer erfolgreich.
Alexei Popyrin feiert in Basel mit dem Einzug in den Achtelfinal den grössten Erfolg auf der Profi-Tour. Er gewinnt gegen Matthew Ebden 7:6, 6:4.
Gilles Simon aus Frankreich gewann gegen Leonardo Mayer aus Argentinien in zwei Sätzen.
Es folgen die Bilder von Montag: Henri Laaksonen schafft einen Exploit.
Er besiegte den an Nummer 6 gesetzten und über 150 Ränge besser klassierten Italiener Marco Cecchinato mit 6:4 und 6:2.
Marin Cilic jubelt. Der Kroate ist der erste Gewinner in der Einzelkonkurrenz in der neuen St. Jakobshalle.
Sein Gegner Denis Shapovalov hadert mit seinen vielen Fehlern
ABBA-Gold heizt der neuen St. Jakobshalle mit Evergreens der schwedischen Pop-Gruppe ABBA ein.
Die Show ist aufgrund der neuen Infrastruktur in der St. Jakobshalle ein besonderes Spektakel
Stan Wawrinka sagt kurzfristig ab. Eine Rückenverletzung ist der Grund für das Saisonende des Romands.
Die Nummer 2 der Swiss Indoors 2018, Alexander Zverev, spielt nicht nur Einzel, sondern auch an der Seite seines Bruders Mischa Doppel. Die erste Runde überstanden die Zverevs.
Roger Federer spielt erst am Dienstag gegen Filip Krajinovic.
Sonntag: Die vier Qualifikanten stehen fest. Taro Daniel,...
verliert gegen den Qualifikanten aus Rumänien, Marius Copil, mit 5:7 und 6:7.
Laslo Djere
Alexei Popyrin feiert in Basel mit dem Einzug in den Achtelfinal den grössten Erfolg auf der Profi-Tour. Er gewinnt gegen Matthew Ebden 7:6, 6:4.
So sieht das Tableau der Swiss Indoors 2018 aus.

Die Swiss Indoors 2018 sind Geschichte. Klicken Sie sich durch die besten Bilder der Turnierwoche...Beginnen wir mit den Bildern von Sonntag: Roger Federer hebt zum neunten Mal die Trophäe der Swiss Indoors in die Luft.

Keystone

4. Budget: «Basel wird immer ein höheres Budget haben», sagt der Wiener Turnierdirektor Herwig Straka 2015. Während Wien 2018 9,75 Millionen Franken ausgeben kann, haben die Swiss Indoors ein Budget von 18,5 Millionen zur Verfügung. Somit kann sich Basel höhere Antrittsprämien leisten und Stars wie Alexander Zverev, der vergangenes Jahr noch in Wien spielte, verpflichten. 3:2 für Basel.

5. Die Kraft der Lokalmatadoren: Was Roger Federer für die Swiss Indoors ist, ist Dominic Thiem für Wien. Wegen der Einheimischen kommen die Fans in die Halle. «Wir merken die Begeisterung, die rund um Thiem momentan in Österreich herrscht», sagt Straka.

Doch auch der Turnierdirektor weiss: «Selbst wenn Thiem eines Tages die Nummer 1 wird, hat er noch lange nicht den Status eines Roger Federer.» Weil Thiem zwölf Jahre jünger ist als Federer, kann Wien aber noch länger von der Kraft des Lokalmatadors profitieren. Punkt für beide. 4:3 für Basel.

6. Sponsoring: Anders als die Swiss Indoors, die seit dem Abgang von Davidoff vor acht Jahren vergeblich einen Namenssponsor suchen, hat das Turnier in Wien den Vertrag mit einer Bank, die seit 2009 als Namenssponsor auftritt, jüngst bis 2019 verlängert. 4:4.

7. Die Stadt: 1,9 Millionen Menschen leben in Wien. Die Spieler haben in der österreichischen Metropole viele Möglichkeiten. «Das Interesse an Kultur, am Relaxen und an guten Restaurants ist da. Das sind wichtige Dinge, mit denen wir bei den Spielern punkten», sagt Straka. «Basel ist im Vergleich Provinz», sagt sein Pendant Roger Brennwald. Dieser Punkt geht an Wien. 4:5.

8. Zuschauer: Jahr für Jahr vermeldet Wien neue Zuschauerrekorde. 60 800 Besucher waren es zuletzt. Dennoch ist das Turnier anders als in Basel erst gegen Ende ausverkauft. Die Swiss Indoors ziehen mehr Besucher an – 71 900 waren es 2017 – und verfügen zudem mit der renovierten St. Jakobshalle über die modernere Infrastruktur. Die Wiener Stadthalle ist bereits über 60 Jahre alt. Die Sanierung oder ein Neubau steht an. Punkt für Basel. 5:5.

9. TV: 3500 Stunden werden weltweit in 180 Ländern von den Swiss Indoors gezeigt. Da kann Wien mit 3054 Stunden nicht mithalten. 6:5 für Basel.

10. Eröffnungsfeier: «Was Basel am Montagabend bietet, ist aussergewöhnlich», sagt Straka. Wenn der Österreicher etwas von den Swiss Indoors übernehmen könnte, wäre es die musikalische Unterhaltung. Wien will deswegen in Zukunft «etwas Ähnliches» auf die Beine stellen. Endstand 7:5 für Basel.