Genau in dem Moment, als Roger Federer gestern den Basler Center Court betritt, kämpft rund 820 Kilometer östlich in Wien der dortige Lokalmatador, Dominic Thiem, schon um den Einzug in die zweite Runde.

Seit 2015 wird parallel zu den Swiss Indoors auch in der österreichischen Hauptstadt ein ATP-Turnier der 500er-Stufe ausgetragen. Im Schatten des Platzhirsches aus Basel ist aus Wien ein ernstzunehmender Konkurrent geworden. Wir zeigen, welches Turnier, wo die Nase vorne hat.

1. Spielermaterial: In Wien spielen mit Thiem (ATP 7), Anderson (8), Isner (9) und Dimitrov (10) vier Top-10-Spieler. Basel hat mit Federer (3), Alexander Zverev (5) und Cilic (6) nur drei, allerdings die drei Besseren. Weil die Topstars in Basel spielen, entscheiden sich viele Spieler in den Top 20 und 30 für Wien, da sie sich dort bessere Siegchancen ausrechnen. Die Leistungsdichte ist in Wien darum grösser.

Ab Weltranglistenposition 43 mussten Spieler in Wien in die Qualifikation. In Basel liegt der sogenannte Cut Off bei Rang 53. Für die Zuschauer zählt aber nicht nur die Position in der Weltrangliste, sondern auch weiche Faktoren.

In Wien spielen 2018 viele aufschlagstarke Spieler. In Basel sind Jungstars wie Stefanos Tsitsipas oder Alexei Popyrin am Start, die technisch schön spielen und sich spannendere Ballwechsel liefern. Fazit: Wien holt auf, aber Basel hat immer noch die Nase vorn. 1:0

2. Preisgeld: Wien schüttet insgesamt 2,32 Millionen Franken aus. Basel (2,21 Millionen) hat zwar in diesem Jahr das Preisgeld erhöht, die Spieler bekommen hier aber etwas weniger. 1:1.

3. Geschichte: Beide Turniere finden in den 1970er-Jahren zum ersten Mal statt. Während der Weg für die Swiss Indoors stetig nach oben geht, muss Wien 2009 mit der Rückstufung zu einem 250er-Turnier einen Rückschlag verkraften. Seit 2015 ist Wien zurück im Kreis der illustren 500er-Turniere. Beide dürfen auf ihre lange Tradition stolz sein und bekommen einen Punkt. 2:2.

4. Budget: «Basel wird immer ein höheres Budget haben», sagt der Wiener Turnierdirektor Herwig Straka 2015. Während Wien 2018 9,75 Millionen Franken ausgeben kann, haben die Swiss Indoors ein Budget von 18,5 Millionen zur Verfügung. Somit kann sich Basel höhere Antrittsprämien leisten und Stars wie Alexander Zverev, der vergangenes Jahr noch in Wien spielte, verpflichten. 3:2 für Basel.

5. Die Kraft der Lokalmatadoren: Was Roger Federer für die Swiss Indoors ist, ist Dominic Thiem für Wien. Wegen der Einheimischen kommen die Fans in die Halle. «Wir merken die Begeisterung, die rund um Thiem momentan in Österreich herrscht», sagt Straka.

Doch auch der Turnierdirektor weiss: «Selbst wenn Thiem eines Tages die Nummer 1 wird, hat er noch lange nicht den Status eines Roger Federer.» Weil Thiem zwölf Jahre jünger ist als Federer, kann Wien aber noch länger von der Kraft des Lokalmatadors profitieren. Punkt für beide. 4:3 für Basel.

6. Sponsoring: Anders als die Swiss Indoors, die seit dem Abgang von Davidoff vor acht Jahren vergeblich einen Namenssponsor suchen, hat das Turnier in Wien den Vertrag mit einer Bank, die seit 2009 als Namenssponsor auftritt, jüngst bis 2019 verlängert. 4:4.

Roger Federer gegen Filip Krajinovic an den Swiss Indoors

7. Die Stadt: 1,9 Millionen Menschen leben in Wien. Die Spieler haben in der österreichischen Metropole viele Möglichkeiten. «Das Interesse an Kultur, am Relaxen und an guten Restaurants ist da. Das sind wichtige Dinge, mit denen wir bei den Spielern punkten», sagt Straka. «Basel ist im Vergleich Provinz», sagt sein Pendant Roger Brennwald. Dieser Punkt geht an Wien. 4:5.

8. Zuschauer: Jahr für Jahr vermeldet Wien neue Zuschauerrekorde. 60 800 Besucher waren es zuletzt. Dennoch ist das Turnier anders als in Basel erst gegen Ende ausverkauft. Die Swiss Indoors ziehen mehr Besucher an – 71 900 waren es 2017 – und verfügen zudem mit der renovierten St. Jakobshalle über die modernere Infrastruktur. Die Wiener Stadthalle ist bereits über 60 Jahre alt. Die Sanierung oder ein Neubau steht an. Punkt für Basel. 5:5.

9. TV: 3500 Stunden werden weltweit in 180 Ländern von den Swiss Indoors gezeigt. Da kann Wien mit 3054 Stunden nicht mithalten. 6:5 für Basel.

10. Eröffnungsfeier: «Was Basel am Montagabend bietet, ist aussergewöhnlich», sagt Straka. Wenn der Österreicher etwas von den Swiss Indoors übernehmen könnte, wäre es die musikalische Unterhaltung. Wien will deswegen in Zukunft «etwas Ähnliches» auf die Beine stellen. Endstand 7:5 für Basel.