Tennis

43 Grad am Australian Open - Nur in der Hölle ist es heisser

Im Gegensatz zu vielen anderen hatte Roger Federer bei seinem Einsatz am Australian Open Glück: Er hatte eine Klimaanlage. Andere müssen in der Gluthitze schwitzen.

Roger Federer hatte kaum geschwitzt bei seinem lockeren Einzug in die dritte Runde der Australian Open. Und das, obwohl am Donnerstagnachmittag über der Melbourner Tennisanlage im Süden des Bundesstaates Victoria Temperaturen bis zu 43,4 Grad Celsius gemessen wurden.

Der Schweizer jedoch hatte Glück und durfte seine Partie unter dem geschlossenen Dach in der wohl klimatisierten Hisense-Arena spielen. Und auch sein Gegner, der Weltranglisten-99. Blaz Kavcic aus Slowenien, vermochte Federer keine Schweissperlen auf die Stirn zu treiben und unterlag zügig mit 2:6, 1:6 und 6:7.

Kein Wunder also, dass Federer entspannt erklärte: «Das waren sehr angenehme Bedingungen.» Der 32-Jährige war bester Laune und antwortete dann auch süffisant auf die Frage, ob er wohl ein GPS-Gerät gebraucht habe, um das Stadion zu finden – denn schliesslich war es das erste Mal, dass er nicht in der Rod-Laver-Arena angesetzt war: «Klar, ich bin extra früher losgegangen, falls ich mich verlaufe ...»

Den meisten von Federers Kollegen war jedoch der Humor vergangen, die Stimmung ist inzwischen auf dem Siedepunkt angekommen. Der dritte Tag der Hitzewelle über Melbourne hat die Gemüter vieler Spieler endgültig zum Kochen gebracht.

«Es war einfach die Hölle da draussen», hatte der deutsche Profi Florian Mayer am Vortag nach seinem dreistündigen Fünfsatzmarathon in der Gluthitze konstatiert. Und tatsächlich könnte es im Hades wohl kaum heisser sein, als derzeit in der australischen Metropole. Tage mit 40 Grad und mehr sind hier nicht selten, eine Serie von vier Tagen und Nächten gab es dagegen seit 100 Jahren nicht mehr. Schon morgens um 8 Uhr zeigte das Thermometer 36 Grad an. Seit Dienstag ächzt der Melbourne Park unter den brutalen Temperaturen, doch erst gestern um kurz vor 14 Uhr Ortszeit hatten die Organisatoren ein Einsehen und stoppten bei 42 Grad den Spielbetrieb für vier Stunden. Und das erstmals seit 2009 wieder. Die sogenannte «Extreme Heat Policy»-Regel (EHP) hatte gegriffen – zu spät, wie von vielen Profis gemurrt wurde.

Scharapowa wettert

Sie hatten kein Verständnis dafür, dass nicht schon in den Tagen zuvor die Partien auf den Aussenplätzen während der heissesten Phasen ausgesetzt und jene in den Arenen unter geschlossenem Dach fortgesetzt wurden, wie gestern geschehen. Die Krux an der EHP ist der komplizierte WBGT-Faktor (Wet Bulb Globe Temperature), der sich aus der Temperatur, der UV-Strahlung, dem Wind und der Luftfeuchtigkeit errechnet. Und offenbar ist zudem die Informationspolitik der Organisatoren mangelhaft, die Lage sei unübersichtlich.

«Niemand weiss hier, was das Limit ist», monierte die Russin Maria Scharapowa, die dreieinhalb Stunden in der Mittagshitze verbracht hatte, bevor die EHP einsetzte, «und niemand weiss, wann das Dach geschlossen oder Spiele abgebrochen werden. Es gibt viele offene Fragen, die geklärt werden sollten.» Der Kroate Ivan Dodig hatte tags zuvor seine Partie unter Krämpfen aufgegeben und hinterher betont: «Ich habe daran gedacht, dass ich in der Hitze sterben könnte. Bei solchen Bedingungen zu spielen, ist nicht zu vertreten.»

Dennoch verteidigte Turnierdirektor Craig Tiley das Vorgehen. Man habe rechtzeitig reagiert und auch im Sinne der Fairness für alle Spieler gehandelt. Doch an faire Bedingungen glaubt hier kaum jemand mehr. Jene, die sich nass geschwitzt, ausgelaugt und mit qualmenden Socken nach der Hitzetortur in die Umkleide zurückschleppten, wurden zwar wie die Rückkehrer einer Himalaja-Expedition gefeiert, aber wie schnell sie bis zur nächsten Partie regenerieren können, ist offen. Andere durften klimatisiert spielen.

Aber auch die Zuschauer leiden. Wo sonst die Schlachtenbummler aus aller Welt bunt bemalt, lustig kostümiert und fröhlich angeschickert beim «Happy Slam» für Partystimmung sorgen, ist es nun seltsam still auf der Anlage. Es fehlt die Energie für alles. Wer kann, sucht sich irgendwie ein Fleckchen Schatten. Und selbst da fühlt es sich an, als würde man die Luft aus einem Haartrockner einatmen.

Ab morgen deutlich kühler

Viele bleiben gleich zu Hause, und keiner verdenkt es ihnen. Denn in der Sonne zu sitzen, ist nicht auszuhalten. «Man schmilzt so vor sich hin, es brennt einem richtig die Haut weg», hatte Andrea Petkovic festgestellt und Jo-Wilfried Tsonga glaubte gar, der Boden sei derzeit heiss genug, um «sich ein kleines Omelette zu braten». Ein französischer Fotograf hatte sich zum Beweis gleich mitsamt einer Pfanne abgelichtet, in der zwei Eier von alleine in der Sonne brieten. Bis heute soll die brutale Wärme noch anhalten, ab Samstag sackt das Thermometer dann auf
20 Grad ab. Auch das kennen die Melbourner. Hier spricht man bei den krassen Temperaturschwankungen gemeinhin von «vier Jahreszeiten an einem Tag». Den Tennisprofis bleibt also nichts, als nochmals literweise zu trinken, sich Eiswesten anzulegen und im Eisbad abzukühlen.

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