Tennis
10 Jahre in den Top 4: Jetzt rutscht Roger Federer in der Weltrangliste ab

Roger Federer scheitert unerwartet früh in der zweiten Runde von Wimbledon. Die Niederlage gegen Sergej Stachowski hat Auswirkungen auf die Weltrangliste: Federer wird nach Wimbledon nicht mehr zu den Top 4 gehören.

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Eine schier unvorstellbare, tolle Serie ist zu Ende. Zehn Jahre lang verpasste Roger Federer keinen Viertelfinal bei einem Grand-Slam-Turnier.

Nun scheiterte er in Wimbledon in der zweiten Runde. Nach genau drei Stunden landete eine Rückhand von Federer beim zweiten Matchball für Sergej Stachowski weit neben der Linie. Der Ukrainer, die Nummer 116 der Welt, siegte 6:7 (5:7), 7:6 (7:5), 7:5, 7:6 (7:5).

Letztmals hatte Federer einen Viertelfinal im Jahr 2004 verpasst. Damals scheiterte er in der dritten Runde des French Open an Gustavo Kuerten. Und erstmals überhaupt schied Federer in der zweiten Runde eines Grand-Slam-Turniers aus.

Roger Federer scheitert in Wimbledon bereits in der zweiten Runde
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Federer ratlos
Stachowski lässt sich nach dem Sieg vom Publikum feiern
Stachowski im Hoch
Roger Federer scheitert in Wimbledon bereits in der zweiten Runde
Roger Federer scheitert in Wimbledon bereits in der zweiten Runde
Roger Federer scheitert in Wimbledon bereits in der zweiten Runde
Roger Federer scheitert in Wimbledon bereits in der zweiten Runde

Roger Federer scheitert in Wimbledon bereits in der zweiten Runde

Keystone

Federer fand gegen den Ukrainer einfach kein Rezept. «Es ist sehr enttäuschend, sehr frustrierend, dass ich den Weg nicht gefunden und meine Chancen nicht genutzt habe», sagte er.

Schon bald einmal habe er gemerkt, dass es nicht hervorragend laufe. Stachowski habe ihm wenig Rhythmus gegeben.

Er habe gut aufgeschlagen und sich in schwierigen Situationen immer wieder gut herausgekämpft. Dennoch sei er lange ruhig geblieben, weil er gewusst habe, dass es für Stachowski noch ein langer Weg bis zum Erfolg sei.

Kommentar: Spuren bleiben zurück

von Michael Wehrle, Wimbledon

Das Jahr 2013 wird wohl kaum noch das Jahr des Roger Federer. Das Aus in der zweiten Runde auf seinem Lieblingsbelag Rasen, bei seinem Lieblingsturnier, schmerzt. Das muss er erst einmal wegstecken. Vor einem Jahr noch trumpfte er ganz gross auf, stürmte noch einmal an die Spitze der Weltrangliste.

Das Jahr 2012 hat ihn viel Kraft und Energie gekostet. Vielleicht zahlt er nun den Preis dafür, obwohl er sich in den vergangenen Monaten viele Auszeiten gönnte und auch wieder lange und intensive Trainingsphasen einschaltete. Doch Federer hat die Aura verloren, die ihn einst umgab, die ihn einige Jahre fast unschlagbar machte. Inzwischen glauben nicht nur seine grössten Konkurrenten, dass Federer verwundbar ist. Selbst auf dem Rasen erstarren die Gegner nicht mehr in Ehrfurcht und glauben an ihre Chance. Und sobald Federer Schwächen zeigt, so wie gestern, schlagen sie gnadenlos zu.

Für Federer wird es in Zukunft nicht einfacher. Sicher hat er noch immer das Spiel, Turniere zu gewinnen, vielleicht sogar ein Grand-Slam-Turnier. Aber diese Niederlage wird Spuren hinterlassen.

Es stand nicht der Federer auf dem Platz, der zupackt, wenn sich ihm eine Chance bietet. Fast unerklärlich liess er Möglichkeiten aus. Ratlos wirkte er, sass fast apathisch beim Seitenwechsel auf seinem Stuhl. Nur manchmal liess er sein Können aufblitzen, dann wieder lief überhaupt nichts mehr zusammen. Bei den wichtigen Punkten, den Big Points, versagte Federer. Und das muss ihm zu denken geben. Ihm, der früher in diesen Situationen immer sein bestes Tennis auspackte.

«Ich selbst habe nicht gut retourniert, der Aufschlag war in Ordnung», sagt er. «Aber bei den wichtigen Punkten hat er besser gespielt, das machte er richtig gut», gab Federer offen zu.

Wieso er bei den «Big Points» nicht sein bestes Tennis habe abrufen könne, wisse er selbst nicht. «Selbstvertrauen hatte ich genug, das habe ich gerade schon mit meinen Coaches diskutiert, die haben mich das auch gefragt», sagte er.

Nur einen von acht Breakbällen nutzte Federer, der brachte ihn im vierten Satz nochmals ins Spiel zurück. Wenig später hatte er gar Satzball bei Aufschlag von Stachowski, da spielte er ihm die Rückhand direkt auf den Schläger. «Das war so ein wichtiger Punkt», nervt sich Federer an der Pressekonferenz über diese eine verpasste Möglichkeit.

Allerdings hätte er gar nicht in solch eine Lage kommen dürfen, hätte er früher seine Möglichkeiten genutzt. So habe er gehofft, dass er durchkomme und in der nächsten Runde vielleicht wieder, wie aus einem Guss spiele.

«Im Prinzip fühle ich mich ok, auch wenn die Niederlage schmerzt», sagte er. «Der Vorteil gegenüber einer Finalniederlage ist, dass du früh vom Platz kanns und keine Siegerehrung abwarten musst», scherzte er schon wieder.

Federer verliert viele Punkte

«Hart arbeiten und besser zurückkommen», nannte er seine Pläne für die kommenden Wochen. Die Saison sei noch nicht vorbei.

Federer braucht ein starkes Saisonende, will er weiter zu den Topfavoriten zählen.

Denn die frühe Niederlage von Wimbledon hat nach dem letztjährigen Triumph Federers Auswirkungen auf die Weltrangliste: Wer auch immer gewinnen mag, Roger Federer wird nach dem Turnier in der Weltrangliste abrutschen und nicht mehr zu den Top 4 Spielern gehören.

Federer verliert durch das frühe Aus 1955 Punkte. Damit rutscht der Baselbieter mindestens auf Rang 5 ab. So schlecht klassiert war Federer seit dem 23. Juni 2003 nie mehr. (mic/sha)