Tennis
Wie steht es um Djokovic? Die aktuelle Situation in 8 Punkten

Die Weltnummer 1 im Tennis, Novak Djokovic, darf aller Voraussicht nach nicht an den Australian Open teilnehmen. Sein Visum sei ungültig, doch eine Chance bleibt ihm.

watson.ch
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Novak Djokovic muss Australien wohl noch am Donnerstag verlassen, weil sein Visum für ungültig erklärt worden ist.

Novak Djokovic muss Australien wohl noch am Donnerstag verlassen, weil sein Visum für ungültig erklärt worden ist.

Adam Hunger / AP

Tennisstar Novak Djokovic muss noch am Donnerstag Australien verlassen. Dem Weltranglistenersten wurde die Einreise verweigert und das Visum für ungültig erklärt. Doch eine Hoffnung hat er noch. Die Übersicht.

Wie ist der aktuelle Stand?

Das stundenlange Warten im Flughafen von Melbourne endete für Novak Djokovic mit einer bitteren Enttäuschung. Noch am Donnerstag muss der 34-jährige Serbe die Heimreise antreten. «Das Visum für Novak Djokovic wurde gecancelt», bestätigte Australiens Gesundheitsminister Greg Hunt am Donnerstagmorgen (Ortszeit). Damit darf Djokovic nicht einreisen, um beim Australian Open seinen 21. Major-Titel anzupeilen, der den alleinigen Rekord bedeuten würde.

Weshalb wurde das Visum gestrichen?

Trotz einer zuvor erteilten – und höchst umstrittenen – medizinischen Ausnahmegenehmigung habe die australischen Grenzschutzbehörde die Einreise untersagt, berichtete die australische Nachrichtenagentur AAP. Djokovic habe keine geeigneten Beweise zur Erfüllung der Einreisebestimmungen vorgelegt, daher sei «das Visum anschliessend storniert» worden, hiess es in der Erklärung der Grenzschutzbehörde.

Sind die Stossgebete von Djokovic erhöht worden? Wohl eher nicht, wie es aktuell scheint. Der Serbe muss Australien verlassen.

Sind die Stossgebete von Djokovic erhöht worden? Wohl eher nicht, wie es aktuell scheint. Der Serbe muss Australien verlassen.

Dave Hunt / EPA

Was war zuvor passiert?

Am Flughafen von Melbourne war Djokovic zuvor mehrere Stunden lang von den Beamten wegen Unstimmigkeiten mit seinem Visum verhört worden. Die Dokumente, die Djokovic vorgelegt hatte, sahen Medien zufolge medizinische Ausnahmen für Ungeimpfte gar nicht vor. Die Behörden des australischen Bundesstaats Victoria wurden deshalb eingeschaltet – und verweigerten ihm die Unterstützung. In australischen Medien wurde darüber spekuliert, dass sich Djokovic offenbar auf die Genesung von einer früheren Corona-Infektion berufen und so ohne die eigentlich vorgeschriebene Impfung ins Land kommen wollte.

Was sagt die Politik?

Wer nach Australien einreise, müsse sicherstellen, dass er dazu auch berechtigt sei und dies nachweisen könne, so Premierminister Scott Morrison. Dafür brauche es den Nachweis einer doppelten Impfung oder eine gültige medizinische Ausnahmegenehmigung. «Wenn man sich nicht an die Regeln hält, wird der Grenzschutz seinen Job machen - und sie haben ihren Job gemacht.» Daran ändere auch das Intervenieren der serbischen Botschaft in Australien nichts. «Regeln sind Regeln, vor allem, wenn es um unsere Grenzen geht», schrieb Morrison auf Twitter. «Niemand steht über diesen Regeln.» Support erhält Djokovic hingegen vom serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic. Dieser sendete eine diplomatische Protestnote aus.

Wo steckt Djokovic?

Sein Sohn sei in einem bewachten Raum festgehalten worden, wurde Vater Srdjan Djokovic in serbischen Medien zitiert. «Novak befindet sich derzeit in einem Raum, den niemand betreten kann», klagte er noch vor der offizielle Verweigerung der Einreise. «Vor dem Raum stehen zwei Polizisten.» Medienberichten zufolge wurde Djokovic gut zehn Stunden nach der Landung am Flughafen schliesslich in ein bewachtes Quarantäne-Hotel gebracht, wo er bis zu seiner Ausreise bleiben sollte. Gemäss australischen Medien handelt es sich dabei um das «Park Hotel» in Melbournes Stadtteil Carlton.

Video: Katja Jeggli

Was bleibt Djokovic nun?

Jetzt kann er nur noch auf einen erfolgreichen Rekurs hoffen. Gegen die Entscheidung der Einwanderungsbehörden wolle Djokovic eine einstweilige Verfügung beantragen, sagen Personen aus dem Umfeld der Australian Open, die mit der Angelegenheit vertraut sind, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Versucht, dank eines Rekurs, seinen Titel in Melbourne doch noch verteidigen zu können: Novak Djokovic.

Versucht, dank eines Rekurs, seinen Titel in Melbourne doch noch verteidigen zu können: Novak Djokovic.

Fred Lee / Getty Images AsiaPac

Wann ist das definitive Urteil zu erwarten?

Gemäss dem australischen Journalisten Paul Sakkal dürfte es noch eine Weile dauern, bis ein definitiver Entscheid offiziell verkündet wird. So wurde das Urteil über Djokovics Rekurs auf Montag verschoben. Der Serbe wird damit übers Wochenende in Melbourne bleiben, wo er aber das Hotel nicht verlassen darf.

Ist Djokovic ein Einzelfall?

Djokovic ist nicht der einzige Tennis-Profi, welcher nicht geimpft ist. Turnierdirektor Craig Tiley sagte, es hätten sich 26 Spielerinnen, Spieler und Betreuer um eine Ausnahmegenehmigung bemüht, wobei «nur eine Handvoll» eine solche tatsächlich bekamen. Um welche anderen es sich dabei handelt, ist unklar.

Insgesamt sind von den Top 100 der Männer 95 Prozent der Spieler geimpft, bei den Frauen sind es 85 Prozent. Mit dem Franzosen Pierre-Hugues Herbert und dem US-Amerikaner Tennys Sandgren gaben zuletzt zwei Profis bekannt, nicht geimpft zu sein. Beide verzichteten aber auf eine Ausnahmegenehmigung – sie waren der Meinung, die Voraussetzungen dafür nicht zu erfüllen.

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