Belinda Bencic reist ohne ihren Vater an die Australian Open. Erstmals seit zehn Jahren bestreitet sie ein Turnier ohne ihn. Bis anhin waren die beiden unzertrennlich - der Vater war gleichzeitig auch Trainer und hielt stets eine schützende Hand über seine talentierte Tochter. «Ich wollte es probieren. Wir telefonieren regelmässig und stehen so in Kontakt. Auch Papa fand das eine gute Idee», erklärt die 19-Jährige ihre Entscheidung. Sie ist mit ihrem Physiotherapeut und ihrem Hittingpartner nach Melbourne gereist.

Belinda Bencic ist bei weitem nicht die einzige Tennisspielerin, die eine aussergewöhnliche Beziehung zu ihrem Vater hat. 

Timea Bacsinszky

Timea Bacsinzky in der blendenden Sonne.

Timea Bacsinzky in der blendenden Sonne.

«Meine Kindheit war der Horror. Auch wenn ich von seinem Blut bin, kann ich ihn nicht Papa nennen», sagt sie über ihren Vater Igor. Nach Fehlern habe er sie angeschrien, sie an den Haaren gezogen, ihr Ohrfeigen verpasst. Obwohl sie vor über zehn Jahren mit ihrem Vater gebrochen hat, verfolgen sie die Dämonen der Vergangenheit bis heute.

Wie traumatisch die Erinnerungen noch immer sind, zeigt sich im letzten April. Damals versucht sich Igor Bacsinszky trotz Hausverbots während des Fed-Cup-Spiels der Schweiz in Luzern Zutritt zur Halle zu verschaffen. Bacsinszky verliert beide Einzel deutlich. Zwar sagt Igor, er wolle Frieden, aber auch: «Ohne mich wäre Timea nicht da, wo sie heute ist.»

Serena und Venus Williams

Serena Williams retourniert wuchtig.

Serena Williams retourniert wuchtig.

Zufall und Kalkül sind die Ingredienzien ihres Erfolgs. Zufall, weil Richard Williams 1980 beim Zappen bei einer Siegerehrung eines Tennis-Turniers den Check sieht. «Eine unglaubliche Summe für vier Tage Arbeit». Kalkül, weil nun ein 78-seitiges Konzept die Karrieren vorzeichnet.

Obwohl nicht arm, zieht die Familie nach Compton, ein Vorort von Los Angeles und Brutstätte von Kriminalität. «Der härteste Ort der Welt. Das Ghetto macht dich hart, zäh und stark.» Seine Töchter gewinnen 29 Grand-Slam-Titel im Einzel. «Ohne ihn und Jehova wären wir nicht, was wir sind», sagt Serena. Heute ist Richard Williams (74) selten bei Turniere.

Steffi Graf

Steffi Graf gewinnt 1988 das French Open in Paris.

Steffi Graf gewinnt 1988 das French Open in Paris.

Erst mit 27 beginnt Peter Graf mit dem Tennis. Er wird Tennislehrer und kauft sich eine Halle. Tochter Steffi gewinnt mit sechs Jahren ein Junioren-Turnier, zwei Jahre später gibt der Vater seine Arbeitstätigkeit auf. Zwar wird mit Pawel Slozyl ein Trainer eingesetzt, der fungiert aber nur als verlängerter Arm.

Graf gewinnt 22 Grand-Slam-Titel, 1988 gelingt der historische Golden Slam (alle Grand-Slam-Turniere in einem Jahr plus Olympia-Gold). 1996 wird Peter Graf wegen Steuerhinterziehung über 12,3 Millionen zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die Tochter hält immer zu ihrem Vater, der 2013 einem Krebsleiden erliegt.

Jennifer Capriati

Jennifer Capriati an den US Open 2004.

Jennifer Capriati an den US Open 2004.

Ladendiebstahl, Drogenbesitz, Anklagen wegen Körperverletzung und Stalkings: das Sündenregister von Jennifer Capriati (40). Getrieben von Vater Stefano, einem italienischen Emigranten, ist sie immer die Jüngste und meist die Beste. Mit 14 der erste Titel, jüngste Top-Ten-Spielerin aller Zeiten.

Mit 16 Gold bei den Olympischen Spielen 1992. Dann rebelliert der Körper, später auch sie. Mit 28 endet die Karriere. Die Amerikanerin erkrankt an einer Depression, erleidet 2010 eine Überdosis, wohl ein Suizidversuch. Die Illusion einer Rückkehr löst sich erst vor zwei Jahren in Luft auf, als Vater Stefano einem Krebsleiden erliegt. Capriati lebt heute zurückgezogen in Miami.