Tennis
Stan Wawrinka und der Mann mit den katarischen Öl-Milliarden: Weshalb der Romand bei Messi und Neymar trainiert

Seit Anfang März hat Stan Wawrinka kein Turnier mehr bestritten. Wann er in den Tenniszirkus zurückkehrt, ist weiterhin offen. Nach zwei operativen Eingriffen trainiert der Romand derzeit in Paris.

Simon Häring
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Stan Wawrinka arbeitet auf der Anlage von PSG an seiner Fitness.

Stan Wawrinka arbeitet auf der Anlage von PSG an seiner Fitness.

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Stan Wawrinka ist neben Roger Federer das Sorgenkind im Schweizer Tennis. Im März musste sich der 36-Jährige einer Operation am linken Fuss unterziehen. Ein kleiner Eingriff, der gut verlaufen sei, liess er damals ausrichten. Doch im Juni musste sich Wawrinka erneut unters Messer legen. «Gleicher Ort, anderer Tag. Das ist nicht, wo ich sein will. Aber ich habe trotzdem ein Lachen im Gesicht.» Roland Garros, Wimbledon, die Olympischen Spiele in Tokio und die US Open verpasste der dreifache Grand-Slam-Sieger. Seine letzte Partie bestritt er am 9. März in Dubai.

Seit Mitte August trainiert Stan Wawrinka in Paris auf der Anlage von Paris Saint-Germain, dem wohl teuersten und exklusivsten Fussballteam der Geschichte. Im Sommer veredelte die Qatar Sports Investment, der das Starensemble um Neymar und Kylian Mbappé seit 2011 gehört, den Kader mit dem sechsfachen Weltfussballer Lionel Messi. Als Präsident des Klubs verwaltet der 47-jährige Nassim Al-Khelaifi die Öl-Milliarden des Emirs von Katar. Al-Khelaifi, dessen eigenes Vermögen auf «nur» 250 Millionen Dollar geschätzt wird, spielte früher für Katar im Davis Cup, ist Präsident des katarischen Tennisverbands und Direktor des ATP-Turniers in Doha.

Im August präsentierte Nasser Al-Khelaifi Lionel Messi in Paris.

Im August präsentierte Nasser Al-Khelaifi Lionel Messi in Paris.

EPA

Selbstverständlich trainiert Wawrinka nicht mit den Fussballern, aber dank der Verbindung zu Al-Khelaifi kann er auf das medizinische Personal und die herausragende Infrastruktur zurückgreifen. Die Rehabilitation nach dem letzen Eingriff, zu dem er sich nie detailliert geäussert hat, bei dem es gemäss «Le Parisien» um die Achillessehne gegangen sei, findet unter der Anleitung des italienischen Physiotherapeuten Dario Fort statt. Überwacht wird der Prozess von PSG-Teamarzt Christophe Baudot, der zuvor in Marseille, Lyon und beim Rugbyverband gearbeitet hat und als Arzt des marokkanischen Davis-Cup-Teams Erfahrung im Tennis mitbringt.

Stan Wawrinka durchlebte Depressive Episoden»

Hinter Wawrinka liegen schwierige Monate, wie er jüngst im Gespräch mit seinem Ausrüster sagte: «Es gibt viele Sachen, die man über Athleten nicht weiss. Darüber, was sie alles durchmachen. Man sieht immer nur die guten Seiten. Aber es ist schwierig für viele von uns, auch für mich.» Schon 2017, nachdem er einen Knorpelschaden am Knie hatte operieren lassen, sprach Wawrinka von «depressiven Episoden» und «dunklen Stunden».

Sein letztes Turnier bestritt Wawrinka im März in Dubai.

Sein letztes Turnier bestritt Wawrinka im März in Dubai.

Keystone

Ein Rücktritt ist kein Thema, obwohl er 36-jährig und in der Weltrangliste nur noch im 83. Rang klassiert ist. Wawrinka sagte: «Das Leben auf der Tour ist etwas ganz Besonderes, und man hat es sich schon in jungen Jahren ausgesucht.» Zuletzt sei in seinem Körper einiges los gewesen. Doch er sei zuvor von Verletzungen verschont geblieben. Wawrinka sagt: «Ich möchte unbedingt zurückkommen, zurück zu den Emotionen, die mir das Tennis gibt, ins Stadion, zu den Fans. Ich vermisse dieses Leben.»

Wann und wo Stan Wawrinka in den Tenniszirkus zurückkehrt, ist weiter offen. Sein Management reagierte bisher nicht auf wiederholte Anfragen dazu. Sicher ist: In Paris ist Stan Wawrinka derzeit in den besten Händen.

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