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Novak Djokovic nahm am Tag, an dem er positiv getestet worden sein soll, an einer Ehrung teil – und traf maskenlos Kinder

Novak Djokovic soll mutmasslich am 16. Dezember positiv auf das Coronavirus getestet worden sein. Statt sich in Quarantäne und später in Isolation zu begeben, nahm er weiter an Anlässen teil, liess sich mit Kindern ohne Maske fotografieren und spielte auf der Strasse Tennis.

Simon Häring
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Die Schlinge um den Hals von Novak Djokovic zieht sich zu.

Die Schlinge um den Hals von Novak Djokovic zieht sich zu.

Lapresse / APA

Wie die Beschwerdeführung gegen seine Ausweisung zeigt, wurde Novak Djokovic am 16. Dezember in Serbien positiv auf das Coronavirus getestet. Auf dieser Grundlage beantragte der Tennisspieler eine Befreiung von der Impfpflicht bei der Einreise nach Australien. Dieses wurde zwar von zwei unabhängigen Expertengremien, den Behörden des Bundesstaats Victoria und dem Organisator der Australian Open gutgeheissen, doch Djokovic wurde bei seiner Ankunft Mitte Woche das Visum durch Grenzbehörden wieder entzogen und die Einreise verweigert. Dagegen ist der 34-Jährige in Berufung gegangen. Am Montagmorgen Ortszeit findet die Anhörung statt.

Djokovic hatte am 14. Dezember ein Basketballspiel zwischen Roter Stern Belgrad und Barcelona besucht und sich dabei mit Nigel Hayes-Davis fotografieren lassen, der später positiv getestet werden sollte.

Novak Djokovic mit dem Basketballer Nigel Hayes-Davis.

Novak Djokovic mit dem Basketballer Nigel Hayes-Davis.

Djokovic unterzog sich daraufhin am 16. Dezember selber einem Test, weil er davon ausgehen musste, sich womöglich angesteckt zu haben. Doch statt sich vorsorglich in Quarantäne zu begeben, nahm er an mehreren Veranstaltungen teil, bei denen keinerlei Schutzmassnahmen getroffen worden waren, unter anderem mit Kindern. Er handelte damit fahrlässig und setzte andere der Gefahr aus, sich bei ihm anzustecken.

Gemäss Biosecurity Act kann in Australien ein Visum entzogen werden, wenn der Verdacht besteht, dessen Halter könne eine Gefahr für die Gesundheit der australischen Bevölkerung darstellen. Das Gericht könnte Djokovics Verhalten vor und nach dem Test als Hinweis dafür auslegen, eine Gefahr darzustellen. Die Bestätigung, dass Djokovic am 16. Dezember positiv getestet worden sein soll, ist in mehrfacher Hinsicht problematisch.

Problem 1: An jenem Tag war der Tennisspieler äussert beschäftigt. Die serbische Post lancierte eine Briefmarke zu seinen Ehren. Djokovic schüttelte dabei bester Laune und bester Gesundheit munter Hände.

Problem 2: Am gleichen Tag nahm Djokovic an einer Diskussionsrunde teil, die in einem geschlossenen Innenraum stattfand. Eine Maske trug der Mann, der seinen Impfstatus stets als Privatsache bezeichnete, dabei nicht.

Problem 3: Am Tag nach dem angeblich positiven Test nahm Djokovic an einer Preisverleihung für Kinder in seiner Tennisakademie in Belgrad teil. Er posierte dabei entspannt und ohne Maske für gemeinsame Fotos.

Problem 4: Am 18. Dezember, zwei Tage nach dem mutmasslich positiven Test, bestritt Djokovic ein Fotoshooting und befand sich damit weiterhin weder in Quarantäne noch in Isolation, sofern der Befund bekannt war.

Problem 5: Am 25. Dezember, 9 Tage nach dem Test, spielte Djokovic auf den Strassen Belgrads Tennis. Spätestens dann müsste er das Resultat des mutmasslich positiven Tests gekannt und sich in Isolation befunden haben.

Problem 6: Die Frist für ein Gesuch zur Befreiung von der Impfpflicht lief am 10. Dezember ab, wie Tennis Australia mitteilt. Djokovics angebliche Infektion erfolgte aber erst sechs Tage später. Zu spät für ein Gesuch. Tennis Australia hat demnach die eigene Meldefrist missachtet, um dem Titelverteidiger eine Teilnahme an den Australian Open zu ermöglichen.

Der Knackpunkt: Wann hatte Djokovic, der den Grenzbehörden bei seiner versuchten Einreise nach Australien Mitte Woche nicht glaubhaft hat darlegen können, weshalb er aus medizinischen Gründen von der Impfpflicht befreit werden soll, Kenntnis von seinem positiven Resultat?

Kannte er das Resultat bereits, hätte er sich wissentlich verantwortungslos verhalten und eine Gefahr für andere dargestellt – unabhängig davon, ob er Symptome zeigte oder nicht. Zudem besteht offenbar der Verdacht, Djokovic habe den positiven Test fingiert, um die Impfpflicht zu umgehen.

Es sind Fragen, mit denen sich das Gericht in den letzten Tagen eingehend beschäftigt hat, während Novak Djokovic in einem Quarantänehotel in Melbourne auf seinen Prozess wartet. Denn gegen den Entzug des Visums und die Ausweisung aus Australien haben er und seine Anwälte mit einstweiliger Verfügung aufschiebende Wirkung erhalten. Am Montag, 10.00 Uhr findet die Anhörung statt, in der Djokovic beweisen will, dass ihm das Visum für die Einreise zu Unrecht verweigerten worden sein soll.

Dennoch zeigen sich Djokovic und seine Anwälte überzeugt, das Visum sei zu Unrecht entzogen worden. Djokovic gibt an, er habe zwei Schreiben vom Immigration Office erhalten, die bestätigen, die Anforderungen für die Einreise zu erfüllen. Zudem halte die Australian Technical Advisory Group of Immunisation (ATAGI) in einem Positionspapier ausdrücklich fest, eine kürzliche Infektion sei eine Kontraindikation für eine Impfung.

Nun stellt sich die Frage, wie das Gericht die Frage beurteilt, ob Djokovics Verhalten vor und nach dem positiven Befund als Hinweis dafür ausgelegt werden kann, sich in Australien ähnlich verantwortungslos zu verhalten und damit Menschen zu gefährden. Der Schaden, den sein Image erfährt, wäre nur noch grösser. Denn ohne Einspruch wäre nie bekannt geworden, dass er an einem Tag positiv getestet worden sein soll, an dem er sich in seiner Heimat ehren lässt und ein Bad in der Menge geniesst.

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