Nordische Ski-WM
Teamarzt Patrik Noack befindet sich mit der Schweizer Delegation auf einer Gratwanderung

Patik Noack ist Teamarzt der Schweizer Nordischen an der WM. Eine anspruchsvolle Aufgabe, denn die medizinische Betreuung von Spitzensportlern folgt eigenen Gesetzen. In Lathi muss der Chefarzt von Swiss Olympic die Ansteckungsgefahr eindämmen.

Rainer Sommerhalder
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Teamarzt Patrik Noack sorgt sich in Lahti um das Wohl der Schweizer Athleten. ZVG

Teamarzt Patrik Noack sorgt sich in Lahti um das Wohl der Schweizer Athleten. ZVG

«Kommt es wieder gut?» Die typische Frage eines Verletzten beim Arzt. «Und wie sieht die Behandlung aus?» Patrik Noack, Teamdoktor der Schweizer Nordischen an der WM in Lahti, beschreibt die Besonderheiten von Spitzensportlern als Patienten mit einem Vergleich.

Von Dario Cologna, Simon Ammann und Co. höre man solche Fragen nicht. «Die wollen möglichst präzise Angaben darüber, wann sie was wieder in den Trainingsalltag einbauen können – Schwimmen, Velofahren oder Aquajogging zum Beispiel», sagt Noack.

Die Frage, welche Muskeln bei welchen Beschwerden ab welchem Zeitpunkt wieder belastet werden dürfen, sei in der Tat auch für den Arzt eine Herausforderung. «Man muss in seine Überlegungen mit einbeziehen, dass der Körper eines Athleten insgesamt in einer deutlich besseren Verfassung ist als jener eines Normalbürgers», sagt Noack. Oft sei vieles sehr schnell nach einem Eingriff wieder trainierbar, «bei einem Aussenbandriss im Fussgelenk zum Beispiel selbst ein Teil der Muskulatur im betroffenen Fuss».

Gratwanderung bei Erkrankung

Nicht die gleichen Kriterien wendet man auch bei Krankheiten wie etwa Erkältungen oder einem grippalen Infekt an. «Wobei», schränkt Noack ein, «es auf den Zeitpunkt der Erkrankung ankommt. In der Saisonvorbereitung lässt man dem Athleten selbstverständlich die notwendige Zeit zur Regeneration. Kommt die Erkrankung aber zwei Wochen vor dem Saisonhöhepunkt, sieht die Situation anders aus.»

Der Sportarzt, der im kommenden Jahr die Gesamtverantwortung für die medizinische Betreuung der Schweizer Delegation an den Olympischen Winterspielen in Südkorea trägt, gibt zu, dass in solchen Fällen der Entscheid über die Wiederaufnahme des Trainings «eine Gratwanderung» sei. Regelmässige Blutproben liefern dabei Anhaltspunkte zur Entwicklung eines Infekts.

Hat viele «Wundermittel»: Teamarzt und Swiss Olympic Chefarzt Patrik Noack.

Hat viele «Wundermittel»: Teamarzt und Swiss Olympic Chefarzt Patrik Noack.

Keystone

Der Super-GAU für einen Teamarzt ist eine Massenerkrankung während eines Grossanlasses, wie etwa die kranken Schweizer Biathleten zuletzt an der WM in Hochfilzen. Verhindern lässt sich ein solches Szenario nicht zu 100 Prozent, aber mit verschiedenen Massnahmen einschränken.

So nehme die Qualität der Lebensmittel eine entscheidende Rolle ein. Gerade an exotischen Destinationen wie etwa im kommenden Februar bei den Olympischen Spielen von Pyeongchang seien ein eigener Koch und eigene Nahrungsmittel matchentscheidend. In Lahti sei man diesbezüglich aber bestens aufgehoben.

Ein eigenes Medikament

Dazu kommen strikte Vorsichtsmassnahmen wie die regelmässige Desinfektion der Hände oder das sofortige Reagieren auf kleinste Anzeichen einer sich anbahnenden Erkältung. Diesbezüglich kann die Schweizer Delegation an der Nordisch-WM auf ein «Wundermittel» zurückgreifen.

Speziell für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi hat die Firma Bioforce ein pflanzliches Medikament zur vorsorglichen Anwendung entwickelt, das auf dem Markt nicht erhältlich ist. Es besteht aus den Komponenten Echinacea, Holunderblüten und Zink und sorgt für ein ausgewogenes Immunsystem.

Und wenn alles nicht hilft? Dann muss es wegen der Ansteckungsgefahr schnell gehen, so wie am Freitagabend beim erkrankten Schweizer Langläufer Ueli Schnider. Sofort raus aus dem gemeinsamen Zimmer mit Teamkollege Jason Ruesch. Die Nacht auf Samstag verbrachte der über Unwohlsein klagende Schnider auf dem Feldbett im Zimmer von Noack. Zur ständigen Überwachung. Gleichzeitig wurde das Zimmer von Rüesch geputzt und desinfiziert.

Noack war auch an den Olympischen Spielen in Rio dabei: Hier mit Mountainbikerin Jolanda Neff.

Noack war auch an den Olympischen Spielen in Rio dabei: Hier mit Mountainbikerin Jolanda Neff.

Keystone

Ein unpopulärer Entscheid

Am Morgen dann musste Noack mit der Teamleitung einen unpopulären Entscheid treffen. Nur Stunden später sass Ueli Schnider im Flugzeug Richtung Heimat. «Er hat das sportlich akzeptiert», sagt Noack. Auch ein leicht verschnupfter Servicemann musste separiert werden. «Er macht immer noch seinen Job, aber der Rest des Teams bekommt ihn derzeit nicht zu Gesicht.»

Langweilig wird es Teamarzt Noack in Lahti also nicht so schnell. Am Samstag etwa begleitete er die Langläuferin Nathalie von Siebenthal zur Dopingkontrolle und kümmerte sich aus der Ferne um weitere wichtige Schweizer Athleten.

Auch das kann bisweilen an die Nieren gehen. So musste er als Verbandsarzt der Leichtathleten anhand von MRI-Aufnahmen der Stabhochspringerin Nicole Büchler per Telefon Bescheid geben, dass die Hallen-Europameisterschaften für sie aufgrund einer Diskushernie gelaufen ist. Und dies nach einer kurzen Nacht mit Ueli Schnider.

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