Tatjana Haenni nimmt als erste Frau Einsitz in der SFV-Geschäftsleitung

Der Schweizer Fussballverband präsentiert in Muri seine neue Frauenabteilung. Künftig sitzt Tatjana Haenni am Ruder.

Renato Schatz
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Tatjana Haenni führt neu die Frauenabteilung beim SFV.

Tatjana Haenni führt neu die Frauenabteilung beim SFV.

Marcel Bieri / KEYSTONE

Der Schweizer Fussballverband (SFV) stellt die Weichen. Am Dienstag lud er zu einer Medienkonferenz und verkündete der hiesigen Sportjournaille die Vertragsverlängerung des Nationaltrainers Vladimir Petkovic. Gestern wurde im Haus des Schweizer Fussballs in Muri die Neuausrichtung des Frauenfussballs bekanntgegeben.

Erste Frau im Führungsgremium

Konkret handelt es sich dabei um eine Aufwertung im Organigramm. Der Frauenfussball wird neu als eigene Abteilung organisiert. Angeführt von Tatjana Haenni, die schon das bisherige Ressort «Mädchen- und Frauenfussball» verantwortete. Sie soll auch die Anliegen des Frauenfussballs in die Geschäftsleitung tragen. Erstmals in der Geschichte des Verbandes ist dort eine Frau vertreten.

Ausgangspunkt dieser strukturellen Änderungen war die WM in Frankreich. Haenni besuchte zusammen mit SFV-Präsident Dominique Blanc mehrere Spiele. Sie sagt: «Ich habe gemerkt, wie begeistert er war.» Blanc studierte in der Folge Untersuchungen und Auswertungen über die Entwicklung des Frauenfussballs. Und stellte fest, dass der Frauenfussball in der Schweiz überdurchschnittlich beliebt ist.

Nationalliga A soll Hauptsponsor bekommen

Tatsächlich tut sich etwas. Der Cupfinal der Frauen findet in diesem Jahr im Letzigrund statt. Zudem sagt Haenni: «Wir stehen kurz davor, einen Sponsor für die Nationalliga A präsentieren zu können.» Für Nationaltorhüterin Gaëlle Thalmann, die als Vertreterin des Frauennationalteams vor Ort ist, sagt: «Die heimische Liga darf nicht vergessen werden. Wenngleich viele Schweizerinnen bei renommierten Fussballklubs in Europa unter Vertrag stünden.

«Wir wollen faire Bedingungen»

Den Männerfussball kopieren will Haenni nicht. Denn: «Es ist der gleiche Sport, und doch sind es zwei verschiedene Sportarten.» Entsprechend wolle man nicht verglichen werden. Vielmehr gehe es um die Beachtung des Geleisteten. «Wir wollen nicht gleich bezahlt werden, aber wir wollen faire Bedingungen für das, was wir tun.» Die neuen Strukturen sollen für diese Anerkennung sorgen. «Da wir nun in den Entscheidungsgremien vertreten sind, können wir die Lücke hoffentlich schneller schliessen.» Um langfristig mit der Elite mithalten zu können, ist Arbeit an der Basis nötig. Eines der von Blanc präsentierten Ziele sieht die «Etablierung des Frauenfussballs als beliebteste und am meisten ausgeübte Frauensportart» vor. Die Gegenwart ist indes verheissungsvoll. Die Schweizerinnen haben in der Qualifikation zur EM 2021 in vier Spielen zwölf Punkte gesammelt. Am 14.  April kommt es zur Direktbegegnung mit den punktgleichen Belgierinnen.