Sie kann, sie muss aber nicht. In etwa so lässt sich die Erwartungshaltung an Lena Häcki für die Biathlon-Weltmeisterschaft beschreiben. Das enorme Talent der 21-jährigen Nidwaldnerin ist längst erkannt, der Aufstieg im Weltcup geht kontinuierlich vonstatten.

Noch sind die Pendelbewegungen in den Leistungen gross, zwischen Rang 4 und 77 allein in dieser Saison. Für eine Athletin, die der anspruchsvollen Sportart erst seit fünf Jahren frönt, gewiss keine Überraschung. Die sportliche Wahrheit liegt derzeit irgendwo in der Mitte.

Der Sprung in die Weltelite

Ihr Exploit mit dem 4. Platz im Verfolgungsrennen in Östersund offenbart aber auch, was bei einer perfekten Schiessleistung möglich ist. Erstmals in einem Wettkampf traf das enorme Energiebündel alle Scheiben. «Ich habe so etwas nicht für möglich gehalten», sagt sie. Und in der Loipe lässt sich Lena Häcki ohnehin kaum abschütteln. An ihrer letzten Junioren-WM stellte sie in sämtlichen Rennen Laufbestzeit auf.

Der Auftakt zur WM der Grossen am Donnerstag in Hochfilzen fiel allerdings ernüchternd aus. In der Mixed-Staffel verfehlten die Kugeln von Lena Häcki ihr Ziel gleich fünfmal. Es war ein Rückschritt in Zeiten, als die Nervosität der leidenschaftlichen Spitzensportlerin im Schiessstand regelmässig einen dicken Strich durch die Rechnung machte. Mit Unterstützung einer Mentaltrainerin und durch intensive Übungen der Atemtechnik brachte sie ihren Erregungszustand vor und während des Wettkampfs in jüngster Zeit viel besser unter Kontrolle. Das gedankliche Abschweifen beim Schiessen verschwand und auch die letzte Scheibe fällt nun regelmässig.

Wer mit Lena Häcki spricht, der kann ihre Anspannung vor wichtigen Rennen nicht nachvollziehen. Die 21-Jährige wirkt für ihr Alter enorm reif und durchdacht. Sie strotzt vor Tatendrang und Lebensfreude. Ihr herzliches Lachen zieht jeden in seinen Bann. Häcki beantwortet jede Frage, erzählt dabei kaum Plattitüden und geht auch auf kritische Bemerkungen in offener und gleichwohl abgeklärter Weise ein.

Betten anziehen und Bilder malen

Nach Abschluss der Sport-Mittelschule und der Spitzensport-RS ist sie heuer erstmals als Profi unterwegs. Was macht die Freundin des deutschen Biathleten Marco Gross in ihrer Freizeit? «Zuerst einmal geniesse ich es, dass ich viel mehr Zeit für die Regeneration einplanen kann», sagt Häcki. Zwischen den Trainings ist sie sich nicht zu schade, ihre Mutter beim Zimmer machen im familieneigenen Engelberger Hotel «Garni Hostatt» zu unterstützen.

Oder sie widmet sich als Ausgleich zu ihrem unermüdlichen Bewegungsdrang bewusst ruhigeren Beschäftigungen wie dem Lesen oder momentan auch intensiv dem Zeichnen. Mandalas, diese magischen geometrischen Formbilder, haben es ihr angetan. Das passt, denn auch für ihre sportliche Zukunft darf sich Lena Häcki einiges ausmalen.